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Gericht entscheidet über Unterbringung

Brandstiftung Gericht entscheidet über Unterbringung

Zwölf Zeugen hat die 1. Strafkammer des Landgerichts Marburg für den Prozess um die Brandstiftung bei der Marburger Tapetenfabrik (MT) geladen, um das Geschehen vom 24. März aufzuarbeiten.

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Dieses Foto entstand unmittelbar nach dem Eintreffen der ersten Löscheinheiten bei der MT. Archivfoto: Feuerwehr

Kirchhain. Es ist ein in mehrfacher Hinsicht besonderes Verfahren, das am Donnerstagmorgen vor der 1. Strafkammer des Marburger Landgerichts beginnt. Im Falle des 22-jährigen Gießeners geht es um ein „Sicherungsverfahren“, an dessen Ende das Gericht zu entscheiden hat, ob er dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik untergebracht wird. Die Staatsanwaltschaft geht von seiner krankheitsbedingten Schuldunfähigkeit aus (die OP berichtete). Zwölf Zeugen und den Gutachter, der den mittlerweile 22-Jährigen untersuchte, hat die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Dr. Carsten Paul für das Verfahren geladen. Für den Prozess sind ingesamt drei Verhandlungstage angesetzt.

Bei dem Brand am 24. März waren weite Teile des Gebäudes der zur MT gehörenden Druckerei Schröder zerstört worden. Inzwischen hat die Tapetenfabrik ihr früheres Tochterunternehmen aus wirtschaftlichen Gründen abgewickelt (die OP berichtete). Neun frühere Mitarbeiter der Druckerei Schröder wurden in die Belegschaft der MT integriert, drei weitere sind ausgeschieden.

Inzwischen hat Ullrich Eitel, geschäftsführender Gesellschafter der Marburger Tapetenfabrik, eine weitere Halle gekauft. Sie liegt an der Niederrheinischen Straße. Seit etwa zwei Wochen arbeite dort die Musterkartenabteilung des Unternehmens, sagt Eitel. Bis zum Brand war sie ebenfalls in einem Teil des zerstörten Gebäudes untergebracht.

Seit etwa zwei Monaten läuft beim mittleren Abschnitt dieser Halle, der stehengeblieben ist, die Betonsanierung. Dass dieser Gebäudeteil seinerzeit gerettet werden konnte, bedeutete für das Unternehmen „Glück im Unglück“. Denn über ihn läuft die Verbindung zwischen Produktion und Hochregallager, die intakt blieb. Parallel zu Sanierung und Planung des neuen Gebäudes läuft die weithin sichtbare Lagererweiterung.

Ullrich Eitel erwartet im Sommer nächsten Jahres die Fertigstellung des neuen Gebäudeteiles und damit die endgültige Wiederherstellung der gewohnten Produktionsabläufe. An das morgen beginnende Verfahren hat er keine persönliche Erwartungen. „Ich kann das Geschehen nicht zurückdrehen. Es fällt einem schwer, damit umzugehen“, sagt Eitel.

Der 22-Jährige war am Tag des Brandes bei einem Einbruch in einen Amöneburger Lebensmittelmarkt festgenommen worden. Dabei hatte er die Brandstiftung bei der MT eingeräumt. Bereits bei ersten Ermittlungen der Polizei noch während des Brandes hatten sich seine ersten Angaben bestätigt. Ein Untersuchungsrichter wies ihn zunächst vorübergehend in eine psychiatrische Klinik ein. Offenbar hatte der Mann zuvor in dem Brandgebäude übernachtet, um dann am Morgen jenes Tages an mehreren Stellen, unter anderem auch im Versand, Feuer zu legen. Schon wenige Tage nach dem Brand war klar, dass der Mann keinerlei persönlichen Bezug zu dem Kirchhainer Unternehmen hatte.

n Die Verhandlung beginnt am Donnerstag, 19. September, um 9 Uhr im Saal 101 des Landgerichts. Weitere Verhandlungstermine sind für den 8. und den 22. Oktober angesetzt.

von Michael Rinde

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