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Genaue Ursache bleibt noch offen

Wohnhausbrand Genaue Ursache bleibt noch offen

Nach dem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Stadtallendorf haben sich die ersten Ermittlungsergebnisse bestätigt. Am Freitag untersuchten Brandexperten das Gebäude in der Straße In der Spaltanlage. Eine vorsätzliche Brandstiftung könne definitiv ausgeschlossen werden, erklärte die Staatsanwaltschaft Marburg.

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Polizeibeamte standen am Dienstagmorgen vor einer teilweise russgeschwärzten Fassade des Hauses in der Straße In der Spaltanlage.

Quelle: Florian Gaertner

Stadtallendorf. Bereits am Mittwoch waren Ermittlungen gegen ein in dem Haus lebenden Ehepaar wegen fahrlässiger Brandstiftung eingeleitet worden. Inzwischen sind die Ermittler überzeugt, dass das Feuer in einer Wohnung im Erdgeschoss ausbrach. Ein 58-jähriger Hausbewohner starb am Mittwoch an den Folgen des Brandes. Wie eine Obduktion am Freitag ergab, verstarb er an einer Rauchgasvergiftung. Unklar bleibt, wann die Bewohner das Haus wieder betreten dürfen. Wie Stadtallendorfs Bürgermeister mitteilte, stellt die Firma Ferrero bis Ende Mai übergangsweise 20 Wohnungen bereit. Sie befinden sich in dem Ferrero-Wohnheim Villa Piera.

Noch immer lässt sich nicht beziffern, wie hoch der Schaden an dem jahrzehntealten Gebäude ist. Das dürfte sich erst sagen lassen, wenn ein Statiker das Haus näher untersucht hat. Und das wird frühstens Anfang der nächsten Woche möglich sein, wie die Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft, Ute Sehlbach-Schellenberg, am Freitag mitteilte. Ähnlich äußerte sich Dr. Markus Morr, Sprecher der Kreisverwaltung. Dort ist die Bauaufsicht angesiedelt.

Was genau das Feuer mit verheerenden Folgen auslöste, bleibt weiter offen. Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen ein Ehepaar ein, das in dem Haus wohnte. Es geht um den Verdacht auf fahrlässige Tötung und fahrlässige Brandstiftung (die OP berichtete am Donnerstag). Unter den juristischen Begriff der fahrlässigen Brandstiftung fallen beispielsweise durch achtlos weggeworfene Zigarettenkippen ausgelöste Brände. Was im Haus In der Spaltanlage 1a das Feuer genau auslöste ist aber nicht klar. „Aussagen über die tatsächliche Auslösung des Brandes sind gegebenenfalls nach weiteren Ermittlungen möglich“, antwortete die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage der OP. Ute Sehlbach-Schellenberg erklärte am Freitag, dass sich bei den Untersuchungen der Ermittler und eines Gutachters keine Rauchmelder in dem Gebäude befunden haben. Es werde geprüft, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Seit dem 1. Januar sind Vermieter in Hessen gemäß Bauordnung verpflichtet, Rauchmelder in Wohnungen anzubringen und zwar in Schlafräumen wie auch Fluren, wie Markus Morr auf Nachfrage für die Bauaufsicht bestätigte.

Bei einem Feuer am frühen Dienstagmorgen in der Straße Spaltanlage meldeten die Einsatzkräfte drei Schwerverletzte und 20 weitere Hausbewohner mit leichten Rauchvergiftungen.

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Verletzte weiterhin im Krankenhaus

Welche rechtlichen Konsequenzen bei Verstößen im Allgemeinen drohen könnten, ließ die Sprecherin der Staatsanwaltschaft gegenüber dieser Zeitung unbeantwortet. Bei der Feuerkatastrophe wurden sechs Bewohner verletzt, bei dreien von ihnen, darunter der inzwischen verstorbene 58-Jährige, bestand zunächst Lebensgefahr. Über den genauen Zustand der anderen Verletzten lagen der Staatsanwaltschaft keine Informationen vor. „Es werden immer noch Menschen in Krankenhäusern behandelt“, erklärte dazu Sehlbach-Schellenberg. Außerdem erlitten 3 der rund 75 eingesetzten Feuerwehrleute leichte Verletzungen. Die Hilfsbereitschaft in Stadtallendorf für die geretteten 30 Hausbewohner bleibt hoch. Wie am Donnerstag bei einer Zusammenkunft von Betroffenen im Jugendzentrum klar wurde, fehlt es an Ersatz-Wohnungen. Die überwiegende Zahl der Bewohner kam nach dem Brand bei Angehörigen oder Freunden unter. Für fünf organisierte die Stadt Zimmer in Pensionen in Niederklein. Doch wie geht es weiter?

Zwar haben alle im Moment ein Dach über dem Kopf, leben aber teilweise beengt, . Bürgermeister Christian Somogyi berichtete am Freitag von weiteren Hilfsangeboten: Auch die Siedlungsgenossenschaft Herrenwald hilft. Besonders schlimm ist die unklare Situation für Familien mit Kindern. „Und speziell für diese Familien ist der Wohnraum in Stadtallendorf derzeit knapp“, sagt Somogyi. Um so mehr freuen ihn die Angebote. Die Wohnungen der „Herrenwald“ sollen Familien weiterhelfen. Die Stadt will die Vermittlung der Wohnungen koordinieren, sprich Helfer und Betroffene zusammenbringen. Am Freitag stand die von der Verwaltung eingerichtete Hotline nicht still. Im sozialen Netzwerk Facebook laufen viele kleine und große Hilfsangebote seit Mittwoch zusammen - privat organisiert. „Wir können stolz darauf sein, was in Stadtallendorf möglich ist“, betonte Somogyi.

Kontakt: Während der Öffnungszeiten des Rathauses von montags bis freitags können sich weiterhin Menschen unter der Rufnummer 06428/707-222 melden, die spenden wollen. Dort werden auch Spendenkonten genannt.

von Michael Rinde

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