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Kiefer will eine „Schnittstelle“ sein

Gemeinwesenarbeit in Neustadt Kiefer will eine „Schnittstelle“ sein

Eigentlich sei der Begriff „Sportcoach“ etwas irreführend, sagt Sonja Kiefer und bezeichnet sich eher als Koordinationskraft ­beziehungsweise Bindeglied zwischen Flücht­lingen und Vereinen.

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Sonja Kiefer will den Kontakt zwischen Flüchtlingen und Vereinen herstellen, die deren liebste Sportarten anbieten.

Quelle: Florian Lerchbacher

Neustadt. Das Team der Menschen, die sich in Neustadt um die Bedürfnisse der Flüchtlinge kümmern, wächst weiter. Neu dabei ist Sonja Kiefer, die als „Sportcoach“ über das Projekt „Sport und Flüchtlinge“ an die Gemeinwesenarbeit angegliedert ist, aber eigentlich als Ehrenamtlerin mit Aufwandsentschädigung zur Stadt gehört.

Die 28-Jährige soll die sportlichen Bedürfnisse und die Interessen der Menschen in der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge erkunden und dann den Kontakt zu Vereinen knüpfen, die den entsprechenden Sport anbieten. „Wir wollen Struktur in den Alltag der Flüchtlinge bringen“, erklärt sie und ergänzt: „Dabei ist es wichtig, ihnen nicht etwas aufzudrücken, sondern die Interessen abzufragen.“

Zudem will sie das bisher bestehende Angebot (unter anderem Fußball, Handball und Fitnesstraining) optimieren und eventuell zusätzliche Kurse organisieren: „Problem ist, dass viele Angebote von Ehrenamtlern gemacht werden, die selber berufstätig sind - daher finden einige nicht regelmäßig statt. Das sollten wir ändern.“

Sport als Mittel zur Integration

„Mir ist wichtig, mich für die Geflüchteten einzusetzen und ihnen dabei zu helfen, dass sie hier gut ankommen, sich wohlfühlen und gut eingegliedert werden - insbesondere in der Erstaufnahmeeinrichtung. Das gilt aber auch für die Menschen, die länger hier in Neustadt sind“, betont Kiefer. In diesem Zusammenhang sei Sport als Mittel zur Integration bestens geeignet, da sich Menschen aus unterschiedlicher Herkunft größtenteils auch ohne Sprache über die gemeinsame Aktivität verständigen können.

Noch dazu lernen die Flüchtlinge über das Engagement in Vereinen und das gemeinsame Interesse die Einheimischen schneller kennen. „Aber es sollte auch nicht immer der Wettkampf im Vordergrund stehen - es geht darum, dass die Geflüchteten Spaß haben und regelmäßig am Training teilnehmen“, stellt Kiefer heraus und ergänzt, dass sie Vereinen und Trainern keinesfalls in die Gestaltung der Trainingseinheiten hineingrätschen wolle: „Es ist ja logisch, dass Mannschaften nicht nur zum Spaß trainieren!“

28-Jährige war selber sportliche Spätstarterin

Die 28-Jährige ist selber eher eine sportliche Spätstarterin. Seit rund zehn Jahren geht sie ins Fitnessstudio am Stadtallendorfer Marktplatz: Da trainieren auch Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Wurzeln. Es ist total schön, wenn man merkt, wie sich die Leute vernetzen und eine Gemeinschaft entsteht - die unabhängig von der Herkunft oder der Sprache, die man spricht, ist.“ Spaß haben, abschalten, Zeit für sich haben und etwas für ihren Körper tun - das sind die Hintergründe für ihr sportliches Engagement: „Sport war in meiner Jugend nie Teil meines Lebens. Aber dann habe ich gemerkt, dass es ein super Ausgleich ist. Es macht Spaß, in der Gruppe zu trainieren, sich auszutauschen und zu unterstützen. Es ist aber auch schön, sich mal eine Zeit lang nur mit sich selbst zu beschäftigen.“

Aus ihrer eigenen Situation wisse sie, dass es schwierig sein kann, zu einer bestehenden Gruppe in Vereinen dazuzustoßen. Diesen Weg will sie den Flüchtlingen erleichtern.

Ansonsten hat sie an der Universität in Marburg den Bachelor in Sozialwissenschaften gemacht und schreibt nun an ihrer Masterarbeit in Politikwissenschaften. Zudem liest sie gerne, interessiert sich für Kunst und arbeitet neben dem Studium im Verein für Beratung und Therapie - besser bekannt als Lok Stadtallendorf.

von Florian Lerchbacher

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