Volltextsuche über das Angebot:

21 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Gemeinsamer Blick nach vorne

Feierstunde Gemeinsamer Blick nach vorne

In bescheidenem Rahmen feierte der Hessische Landesverband für die Rehabilitation der Aphasiker sein 25-jähriges Gründungsjubiläum in der Stadtallendorfer Stadthalle.

Voriger Artikel
Abteilung wächst wieder
Nächster Artikel
Kirchhain gewinnt Zeit für den Bahnhof

Auftritt des Aphasiker-Chors mit Leiterin Romy Steinberg (rechts). Foto: Heinz-Dieter Henkel

Stadtallendorf. Diesmal musste Landesvorsitzender Michael Goetz einmal nicht erläutern, was Aphasie bedeutet, denn ganz viele Teilnehmer der Jubiläumsveranstaltung waren selbst Betroffene oder Angehörige von Betroffenen.

So betonte der noch am Vormittag bei der Jahresversammlung wiedergewählte Landesvorsitzende, dass auch die Aphasiker Teil unserer Gesellschaft sind und trotz ihrer Behinderung vornehmlich durch Spracheinschränkung daran auch teilhaben wollen.

„In unserer Selbsthilfegruppe wird viel gelacht, aber auch viel geweint“, beschrieb Goetz die Treffen. Das Leben mit der Behinderung sei eben nicht einfach. Auch wenn das Sprechen schwer falle, lebe die Selbst­hilfe vom Austausch, so der Stadtallendorfer.

Prominente Gäste machen Mut

Zu den Gratulanten gehörten Christina Lange vom Bundesverband für Logopädie, Iris Dehmel, Regionalgeschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Hessen, Karl-Hans Schumacher, Schatzmeister der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, und Helmut Müller, Stellvertretender Vorsitzender des Bundesverbands für die Rehabilitation der Apha­siker.

Kreistagsvorsitzender Detlef Ruffert hatte ebenfalls den Weg in die Stadthalle gefunden. Er machte den Betroffenen Mut, zu kämpfen und ihr Leben nach dem Schicksalsschlag wieder positiv anzugehen.

Den Rahmen für die Jubiläumsveranstaltung bildete der Chor unter fachkundiger Leitung von Musiklehrerin Romy Steinberg, der nicht nur Liedbeiträge im Programm hatte, sondern auch die Musik in Bewegung umsetzte. Eine tolle Leistung für Aphasiker auf dem Wege ihrer Rehabilitation, welche vom Publikum entsprechend gewürdigt wurde.

Ergreifende Lebensgeschichten

Beeindruckend waren die anschließenden Beiträge von Aphasikern, die aus ihrem Leben berichteten. Wie etwa von Markus Kammer, der, als aktiver Triathlet mitten im Leben stehend, einen Schlaganfall erlitt und vieles wieder neu erlernen musste.

Heute organisiert er jährlich ein Golfturnier für Aphasiekranke, hat bereits wieder Wanderungen von bis zu 50 Kilometer Länge unternommen und beeindruckte damit, unter Anleitung von Biathlon-Weltmeisterin und Olympiasiegerin Kathi Wilhelm das Skaten noch erlernt zu haben. Im letzten Jahr wurde er Vater.

Ergreifend der Bericht der ehemaligen Krankenschwester Susanne Bagus aus Schlüchtern, die sich nach dem Schlaganfall eingestehen musste: „Ich wusste gar nichts mehr. Ich habe gedacht, ich bin tot.“ Sie erzählte von einem ganzen Bündel von Krankheiten, wie epileptischen Anfällen, Depressionen, Alkoholkonsum und schier unzähligen weiteren Gebrechen, die durchaus Suizidgedanken hätten wecken könnten.

In Stadtallendorf konnte sie aber über vieles lachen und gab ein herausragend positives Beispiel ab, nachdem sie tiefste Abgründe durchschritten hatte.

Bei Kaffee und Kuchen endete die kleine Feier unter dem Austausch vieler Erfahrungen und positiver Beispiele.

von Heinz-Dieter Henkel

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr