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Gemeindehaus bietet Platz für 14 Flüchtlinge

Ehrenamtliche richten drei Wohnungen her Gemeindehaus bietet Platz für 14 Flüchtlinge

Kirchhains evangelische Kirchengemeinde leistet ganz im Sinne des Appells von Bischof Professor Martin Hein einen Beitrag zur Linderung der Wohnungsnot von Flüchtlings-familien.

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Pfarrer Dr. Georg Kuhaupt (von links), Kirchenvorsteher Peter-Michael Kleinheins und der Kirchhainer AWO-Vorsitzende Herbert Landmesser sitzen schon mal zur Probe in einem der Wohnzimmer. Derweil markiert Andreas Tetzlaff die Bohrlöcher für eine Gardinenleiste

Quelle: Matthias Mayer

Kirchhain. In den beiden Obergeschossen des seit zwei Jahren leerstehenden Evangelischen Gemeindehauses am Steinweg entstanden auf Initiative der Gemeinde drei Wohnungen für insgesamt 14 Flüchtlinge. Und das innerhalb nur eines Monats nahezu ausschließlich durch großes ehrenamtliches Engagement.

Die Idee, die Wohnungen im ersten Stock und im Dachgeschoss für Flüchtlinge herzurichten, kam im Sommer auf, als sich das Ausmaß des Flüchtlingsstroms deutlich abzeichnete. Der Grundsatzbeschluss des Kirchenvorstands erfolgte erst vor sechs Wochen, wie Pfarrer Dr. Georg Kuhaupt beim Ortstermin mit dieser Zeitung berichtete. Damit kam die Kirchengemeinde sogar dem dringenden Appell des Bischofs der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck zuvor.

Herbert Landmesser an der Spitze der Bewegung

Doch zwischen einem Appell und der Umsetzung liegt ein weiter Weg, den die Gemeinde zuerst dank des Einsatzes von 20 ehrenamtlichen Helfern und vielen Unterstützern in so kurzer Zeit gehen konnte. Und weil die Kirchengemeinde abseits der kirchenrechtlichen Bürokratie Handlungsfreiheit besaß, wie Pfarrer Kuhaupt zufrieden feststellte.

Der Pensionär Herbert Landmesser setzte sich an die Spitze der Bewegung. Der ist zwar Vorsitzender der Kirchhainer Arbeiterwohlfahrt (AWO), hat aber auch einen engen Bezug zur Kirchengemeinde. Seine Ehefrau Margret gehört dem Kirchenvorstand an, und er selbst dient der Kirche als ehrenamtlicher Lektor, der als Liturg mit den Gemeinden im Kirchenkreis Gottesdienste feiert.

Große Welle der Hilfsbereitschaft

„Ich habe am Anfang schieben müssen, aber dann kam eine große Welle der Hilfsbereitschaft ins Rollen“, sagte Herbert Landmesser. Die hat es auch gebraucht, denn es galt, zwei große Wohnungen mit je rund 120 Quadratmeter und ein Appartement mit etwa 50 Quadratmetern komplett zu renovieren. Sämtliche Malerarbeiten und die Erneuerung der Bodenbeläge wurden von Ehrenamtlichen in Eigenleistung ausgeführt. „Nur die Reaktivierung und Prüfung der Leitungen haben wir Fachfirmen überlassen“, stellte Herbert Landmesser fest.

Und außerdem mussten die Wohnungen nach Vorgaben des Landkreises mit vollständigem Hausrat ausgestattet werden: vom Teelöffel bis zur Waschmaschine, vom Kopfkissenbezug bis zur Schrankwand, vom Föhn bis zum Fernseher.

Stadt ist Mieter der Räume

Die Dachgeschosswohnung ist inzwischen so weit ausgestattet, dass sie am Montag an die Stadt Kirchhain übergeben werden kann. Die Stadt ist Mieter der Räume, bekommt die Kosten jedoch vom Landkreis erstattet. Landmesser schätzt, dass die Wohnung im ersten Obergeschoss zum 15. November und das Appartement zum 1. Dezember bezugsfertig sein werden.

Woher stammt das Inventar? „Die Stadt Kirchhain hat uns mit Möbeln aus ihrem Fundus sehr geholfen“, nannte Pfarrer Kuhaupt eine Quelle. Herbert Landmesser verwies auf die durch Mund-zu-Mund-Propaganda ständig steigenden Spenden von Möbeln und Elektrogeräten von Bürgern aus dem Umkreis, die den „Bauleiter“ auch noch zum Spediteur machten. Bett- und Tischwäsche sowie viele Kleinteile besorgten die Frauen der Gemeinde. Komplette Bekleidungssätze für alle Flüchtlinge spendete die AWO aus ihrem Kleiderladen. Und fehlende Großgeräte wurden über die gemeinnützige Praxis GmbH beschafft.

Pfarrer Dr. Georg Kuhaupt zeigte sich von so viel vom christlichen Glauben getragener Hilfsbereitschaft beglückt. Und die soll mit dem Einzug der Flüchtlinge nicht enden. Herbert Landmesser kündigte bereits an, dass seine Frau Margret und er sich auch künftig um die neuen Bewohner kümmern werden.

Was aus dem Gemeindesaal im Erdgeschoss wird, ist derzeit offen. „Darüber muss der Kirchenvorstand noch entscheiden“, sagte Pfarrer Kuhaupt.

von Matthias Mayer

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