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Gemeinde startet "Abschiedsprozess"

Herrenwaldkirche Gemeinde startet "Abschiedsprozess"

Bisher sind alle Bemühungen einen Interessenten für das Areal der Herrenwaldkirche zu finden, gescheitert. Doch noch wollen Pfarrer und Kirchenvorstand die Hoffnung nicht aufgeben.

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Der Turm der Herrenwaldkirche ist Wahrzeichen für den gesamten Seelsorgebezirk. Archivfoto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Die Haushaltszahlen zeigen es aus Sicht des geschäftsführenden Pfarrers Thomas Peters und des Kirchenvorstands deutlich: Eine Alternative zur Aufgabe der Herrenwaldkirche samt Gemeindezentrum gibt es nicht. Klar ist mittlerweile: Zum 31. Dezember soll die Kirche schließen. „Wir sind aber weiterhin offen für Interessenten. Bei aller Traurigkeit hoffen wir, dass dort etwas Neues entstehen kann“, betont Pfarrerin Stefanie Busch.

Kirchenvorstand und Pfarrer haben in den zurückliegenden Monaten vieles unternommen, um für die Herrenwaldkirche eine passende neue Verwendung zu finden. So gab es Gespräche mit zahlreichen sozialen Institutionen mit ganz unterschiedlichen Ansätzen, etwa mit Hephata, dem Elisabeth-Verein in Marburg oder den Johannitern. Hinzu kam auch ein Dialog mit einer freikirchlichen Gemeinde. Das Ergebnis war in allen Fällen identisch: Keiner hat das Geld und den Bedarf für das insgesamt 4600 Quadratmeter große Gelände samt Gebäuden.

Am Dienstagabend informierten Kirchenvorstand und Pfarrer über den Stand der Dinge. Thomas Peters sieht noch eine Option für das Gebäude, von der aber völlig unklar ist, ob sie sich verwirklichen ließe: Dabei könnte die Herrenwaldkirche zu einer gemeindeübergreifenden Jugendkirche werden. Peters könnte sich ein Konzept mit besonderen Angeboten für und von Jugendlichen vorstellen. Allerdings müssten sich dazu mehrere Kirchengemeinden die Kosten teilen. Die beziffert Peters auf rund 12000 Euro für die reine Unterhaltung der Gebäude und ohne Personalkosten. Eine solche Jugendkirche wäre für ihn „ein Sieben-Jahres-Projekt“. Der Kirchenvorstand der evangelischen Gemeinde in Stadtallendorf begrüße die Idee, sagt Peters.

Die gesamte Kirchengemeinde steht jetzt vor einem „Abschiedsprozess“. Ein besonders unangenehmer Teil wird die Frage sein, was mit Küster, Hausmeister und Reinigungskraft geschieht. „Wir werden nach einer gemeinsamen Lösung suchen“, sagt Pfarrerin Busch dazu. Ansonsten plant sie bis Dezember besondere Gottesdienste in der Herrenwaldkirche, so zum Beispiel einen Osternachts-Gottesdienst, einen eigenen Frauen-Gottesdienst im Mai oder einen Pilgertag mit den katholischen Gemeinden.

Wie beurteilt sie die Stimmung in ihrem Seelsorgebezirk? „Die Gemeindemitglieder akzeptieren es mit Schmerzen“, fasst es Busch zusammen.

Die beiden Pfarrer gehen gemeinsam mit dem Kirchenvorstand davon aus, dass sich alle Angebote aus der Herrenwaldkirche auch im Gemeindezentrum Liebigstraße oder der Stadtkirche fortführen lassen. Für den Frauenkreis habe es noch keine Lösung gegeben, berichtet Peters. Im vergangenen Sommer hatte sich die Kirchengemeinde angesichts der Haushaltsnot für die Aufgabe der Kirche entschieden. Der aktuelle Haushalt der Kirchengemeinde kann nur durch 40000 Euro Zuschuss vom Kirchenkreis realisiert werden. Im nächsten Jahr gibt es diesen Zuschuss nicht mehr. In den vergangenen fünf Jahren sank der Anteil der Stadtallendorfer Gemeinde an der Kirchensteuer um 30000 Euro.

Doch wie sieht die Evangelische Landeskirche Kurhessen-Waldeck die Entwicklung? Propst Helmut Wöllenstein bescheinigt der Kirchengemeinde zunächst, sich bei der Suche nach einer Nachfolgenutzung bisher „sehr viel viel Mühe gegeben zu haben. Nichts wurde versäumt. Wir sind für jede neue Idee dankbar“. Das schönste wäre es aus Sicht des Propstes gewesen, wenn es gelungen wäre, dort eine andere christliche Gemeinde anzusiedeln. „Die Alternative wäre es gewesen, einen erheblichen Teil der Gemeindearbeit aufzugeben. Die Kirchengemeinde hat sich bewusst für den anderen Weg entschieden“. erinnert Wöllenstein. Propst Wöllenstein hält den Blick in die Zukunft für die derzeit wichtigste Aufgabe. Damit meint er die Neuorganisation der Gemeindearbeit nach der Schließung der Herrenwaldkirche. Kann er sich vorstellen, dass am Ende ein Abriss des Bauwerkes stehen könnte? Dazu gibt Wöllenstein sofort eine klare Antwort: „Wir als Kirche reißen keine Kirche ab.“

von Michael Rinde

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Herrenwaldkirche
Der letzte feierliche Akt in der Kirche: Mitglieder des Gemeindevorstands halten die Gottesdienst-Gegenstände in Händen, Propst Helmut Wöllenstein spricht vor dem bereits leeren Altar. Fotos: Tobias Hirsch

Es war genau 20.08 Uhr am Dienstagabend, als Propst Helmut Wöllenstein im Namen der Landeskirche die unvermeidlichen Worte sprach: "Diese Kirche wird hiermit entwidmet."

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