Volltextsuche über das Angebot:

26 ° / 13 ° Regenschauer

Navigation:
Gemeinde leistet heftigen Widerstand

Ärger über Kürzung Gemeinde leistet heftigen Widerstand

Eigentlich sollte die angedachte Fusion der katholischen Kirchengemeinden am Dienstagabend ihren nächsten Schritt machen. Doch in Niederklein formiert sich heftiger Widerstand.

Voriger Artikel
Am Ende steht ein fünfstelliger Betrag
Nächster Artikel
Kompromisslösung wird nachgebessert

Es ist 5 vor 12 für die Eigenständigkeit der Pfarrgemeinde Niederklein. Selbst den Status eine Filialgemeinde wird es im zweitgrößten Stadtallendorfer Stadtteil nicht geben.
Fotos: Yanik Schick

Niederklein. Überrascht sei er nicht, betonte Gemeindeberater Joachim Michalik mit Blick auf den enormen Protest, dem er sich während der Versammlung hatte stellen müssen. In der Tat war bereits im Vorfeld zu erahnen gewesen, dass die Gemeinde St. Blasius und St. Elisabeth auf den geplanten Zusammenschluss der vier katholischen Pfarreien in Stadtallendorf und Niederklein recht kritisch reagiert. Dennoch schafften es Michalik und Stadtpfarrer Diethelm Vogel nur mit größter Anstrengung, die teils hitzige Debatte im Zaun zu halten.

120 aufgebrachte Niederkleiner Gemeindemitglieder suchten derweil händeringend nach Gehör. In erster Linie für die Sorge, als kleinste der vier Gemeinden in einer neuen, großen Pfarrei die eigene Identität zu verlieren. Ortsvorsteher Hartmuth Koch befürchtete gar, langfristig könne das aktuell gesunde Gemeindeleben durch die Fusion zum Erliegen kommen. „Zählt denn das, was die Menschen wollen, überhaupt nicht?“, fragte er in die Runde.

In zwei vorangegangen Sitzungen hatten die Niederkleiner Gemeindemitglieder die für den Beginn des kommenden Jahres angestrebte Fusion diskutiert. Der Entschluss: Die überwiegende Mehrheit der Kirchgänger wünscht eine Lösung, in der St. Blasius und St. Elisabeth zu einer Filialgemeinde der großen Stadtallendorfer Pfarrei wird. Als solche hätte Niederklein auch künftig einen eigenen Pfarrgemeinderat und damit ein Stück Mitverantwortung für die Gestaltung des eigenen Gemeindelebens.

Doch dieses Konzept sei keine Lösung, sagten Joachim Michalik und Diethelm Vogel. „Ich habe heute Nachmittag mit Domkapitular Christof Steinert telefoniert. Und er sagte, die Alternative einer Filialgemeinde sei vom Tisch“, so Michalik. „Für mich ist das auch ausgeschlossen“, ergänzte Pfarrer Vogel. Er habe die Sorge, dass in einer solchen Konstellation nur noch mehr Arbeit auf ihn zukommen würde. „Ich stoße schon aktuell hin und wieder an die Grenzen meiner Belastbarkeit.“ Im Nachklang berichtete der Pfarrer gegenüber dieser Zeitung von einem weiteren Telefonat mit dem Personalchef des Bistums Fulda, der nochmal bestätigt habe, dass Niederklein nicht Filialgemeinde wird.

Bei den Niederkleinern verstärkte sich der Eindruck, mit der Neugründung der Pfarrei bereits vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Und dieser Umstand sorgte bei manchem Zuhörer für Aufregung. „Ich habe ein Problem damit, dass wir diese Entscheidung heute scheinbar abnicken sollen“, erklärte Manfred Gruß. „Wir haben hier im Ort viele junge Leute, die sich engagieren. Ihnen muss klar sein, dass Sie denen mit der Fusion die Motivation nehmen“, meinte Christoph Grimmel. Und Willi Brand, der selbst mehrere Jahrzehnte Mitglied im Pfarrgemeinderat war, drohte: „Wir werden - wenn nötig - in Fulda protestieren. Denn es geht nicht, dass jemand einfach über den Willen der Menschen entscheidet. Wir sind ja nicht mehr im Mittelalter.“

Joachim Michalik dokumentierte die Unzufriedenheit der Pfarreimitglieder. Er werde Christof Steinert über die aktuelle Lage in Kenntnis setzen, erklärte der Gemeindeberater und zog das Fazit: „Wenn die Niederkleiner weiterhin konstant ‚nein‘ zur Fusion sagen, bin ich auf die Entscheidung des Bistums gespannt.“

Innerhalb der Kirchengemeinde, das unterstrich Hartmuth Koch, wolle man auf jeden Fall sämtliche Mittel ausschöpfen, um die Zusammenlegung zu verhindern. „Wenn es uns nicht gelingt, werden wir aber bereit sein, den Weg mit den Stadtallendorfer Pfarreien mitzugehen“, stellte er abschließend klar.

von Yanik Schick

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr