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Geldsegen? Vom Winde verweht

Kirchhains Mehreinnahmen Geldsegen? Vom Winde verweht

Die Windkraftpläne der Stadt Kirchhain wachsen im Windpark zwischen Emsdorf und Langenstein dem Himmel entgegen. Die finanziellen Erwartungen der Stadt stürzen dagegen in den Keller.

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Windpark-Projektleiter Manuel Schmuck (5. von rechts) informiert Mitglieder der Forstgemeinschaft Nidderau.

Quelle: Matthias Mayer

Emsdorf. Emsdorf. „In Mittelhessen gibt es derzeit nur zwei Kommunen, denen es gelingt, mit erneuerbaren Energien Geld zu verdienen: Das sind die Gemeinde Mittenaar und wir“, sagte Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) am Freitag nicht ohne Stolz im Gespräch mit dieser Zeitung.

Und dieser ist nicht unbegründet. Denn die Stadt Kirchhain hat mit großer Anstrengung und viel Überzeugungsarbeit in kurzer Zeit die Voraussetzungen für die Verwirklichung des Windparks geschaffen. Und dieser beschert der Stadt immerhin 500000 Euro zusätzliche Einnahmen, die der Magistrat für die Erfüllung der harten Haushaltsauflagen als Schutzschirm-Kommune eingeplant hat. Soweit der erfreuliche Teil der Nachricht.

Finstere Wirklichkeit sendet fatale Signale

Die finstere Wirklichkeit: Von den klimafreundlich und ökologisch korrekt erwirtschafteten Mehreinnahmen bleibt NICHTS bei der Stadt hängen. „Das Geld ist vom Winde verweht“, leistet sich Jochen Kirchner einen leisen Anflug von Sarkasmus, mit Blick auf die Tatsache, dass die 500000 Euro im Orkus des kaum durchschaubaren hessischen kommunalen Finanzausgleich (KFA) verschwindet.

Dieses höchst umstrittene Regelwerk beweist damit einmal mehr seine Leistungsfeindlichkeit. Und diese Leistungsfeindlichkeit sendet am Beispiel Kirchhain gleich in zweifacher Hinsicht höchst fatale Signale aus:

  • Es lohnt sich offenbar für finanziell notleidende Kommunen nicht, mit großen Anstrengungen Mehreinnahmen zu erwirtschaften, mit denen am Ende des Tages weniger aktive Kommunen alimentiert werden. Die Situation erinnert an das Schicksal der volkseigenen Betriebe zu Zeiten der DDR-Planwirtschaft. Diese Unternehmen waren am 31. Dezember steinreich - und am 1. Januar bettelarm. Der Staat machte Kasse.
  • Wie soll die Energiewende gelingen, wenn die Kommunen in Hessen, deren Bürger die Lasten der Windparks zu tragen haben, dank KFA von diesen nicht profitieren können? Ohne Moos nix los. Es sollte nicht wundern, wenn die zum Teil schon sehr konkreten Windkraftpläne in Rauschenberg, Amöneburg, Neustadt und Stadtallendorf eingedenk der Kirchhainer Erfahrungen zumindest noch einmal sehr kritisch hinterfragt werden.

Fünf Windräder gehen noch in diesem Jahr ans Netz

Dessen ungeachtet kommen die Arbeiten im Emsdorfer Windpark gut voran. Die fünf im Werden begriffenen Windkraftanlagen vom Typ Nordex 117 sollen noch in diesem Jahr an das Stromnetz gehen.Die Bauleute der Firma Bögl aus der Oberpfalz haben inzwischen die 78,8 Meter hohen Betontürme an den Windrädern Nummer fünf und vier komplett aufgebaut. Spezialisten der Hamburger Kranfirma Thömen setzten zum Wochenende hin den Schwerlastkranan die Fundamentplatte des Windrades Nummer drei um. Ab der kommenden Woche werden dort einzelne Beton-Elemente nach dem Lego-Prinzip zu einem Turm zusammengesetzt.

Die Fundamente der im Langensteiner Forst gelegenen Windräder eins und zwei sind inzwischen fertig. Das berichtete Manuel Schmuck beim Ortstermin mit der OP. Schmuck ist der für den Emsdorfer Windpark zuständige Projektleiter der Wiesbadener Firma Abo Wind, die als Vertragspartner der Stadt Kirchhain den Windpark projektiert hat und diesen auch baut. Im November werden die Monteure der Hersteller-Firma Nordex an der Baustelle erwartet. Die werden die Türme mit Stahlrohrelementen um weitere 58 Meter erhöhen. Dafür sowie für die Montage der Generatorengondeln und der Rotoren (Durchmesser 117 Meter) wird ein riesiger Spezialkran benötigt.

von Matthias Mayer

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