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Geistliche prangern Verschwendung an

Erntedankfest 2013 Geistliche prangern Verschwendung an

Die Neustädter Dreifaltigkeits-Kirche platzte aus allen Nähten: Die zentrale Veranstaltung zum Landeserntedankfest lockte hohen geistlichen Besuch an - und der mahnte zu Nachdenklichkeit.

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Hunderte lauschten in der Dreifaltigkeits-Kirche in Neustadt den kritischen Worten der Geistlichen anlässlich des Landeserntedankfests. Vor dem Gotteshaus präsentierten Landfrauen das, was die Ernte 2013 brachte. 

Quelle: Björn Wisker

Neustadt. Protest des Probsts: „850 Millionen Menschen leiden an Hunger, haben nicht genug zu essen. 25000 Kinder sterben täglich - und da sind die Opfer von Bürgerkriegen, Diktatoren oder Sprengstoffattentätern noch nicht dabei“, sagte Helmut Wöllenstein, Probst des Sprengels Waldeck und Marburg während seiner Predigt in Neustadt. Den Grund sieht der Geistliche im nimmermüden Einkaufsdrang, speziell in Europa und den Vereinigten Staaten: „Weil wir im Winter im Supermarkt für 2,99 Euro Rosen kaufen wollen, werden etwa in Kenia wertvolle Flächen geopfert. Essbares für Hungernde wird dort nicht angebaut, aber Dinge für den Konsum in reichen Industriestaaten“. Andernorts werden Äcker bewirtschaftet, um das Material für Bio-Treibstoff zu liefern. „Weil wir Menschen mit unserem Energiehunger das nachfragen“, sagte er.

Man habe sich mittlerweile an all das gewöhnt, an etwas, an das man sich nie gewöhnen dürfe. „Fürs Denken und Danken braucht es ein feines Herz, klarer Kopf, wache Sinne. Und dieses Fest sollte uns daran erinnern“, sagte Wöllenstein.

Der Hessische Bauernverband blickt auf die Erträge aus 2013 zurück: „Die Rückschau fällt im Ergebnis besser aus als zunächst erwartet“, sagte Friedhelm Schneider, Präsident des Verbands gestern. Der lange und kalte Winter sowie das kühle Frühjahr hätten die Erwartungen früh getrübt. Vor allem Überschwemmungen hätten mancherorts für Schäden und Ausfälle gesorgt, die sich nicht vollkommen hätten auffangen lassen. „Als Bauern ist unser Selbstverständnis geprägt vom Respekt vor der Kraft der Natur“, sagte Schneider. Lob für den Einsatz der Landwirte kam von Karlheinz Dienz, Weihbischof in Fulda: „Die Bauern säen, pflegen und ernten. Sie sind für uns alle da“, sagte er.

Sowohl die Erträge als auch die Qualitäten seien gut, hieß es vom Hessischen Bauernverband. Weniger zufrieden zeigten sich die Landwirte mit der Kartoffel- und Maisernte. Etwa 20 Prozent weniger Kartoffeln seien geerntet worden. Laut Erntebilanz ernteten die hessischen Bauern in diesem Jahr rund 2,2 Millionen Tonnen Getreide. Das sind 500000 Tonnen mehr als im vergangenen Jahr, als junge Getreidepflanzen auf vielen Feldern durch wochenlangen starken Frost zerstört worden waren.

Dennoch zeigte sich der Verband nicht zufrieden mit der Situation: Weil aktuell europaweit viel Getreide geerntet werde, liegen die Preise rund 30 Prozent unter denen des Vorjahres. „Somit sind die Erlöse unserer Ackerbauern trotz gestiegener Erträge im Vergleich zum Vorjahr gesunken“, sagte Peter Voss-Fels anlässlich der Vorstellung der Erntebilanz.

Im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2012/2013 erzielten die hessischen Betriebe nach Angaben des Verbands einen durchschnittlichen Gewinn von etwa 50000 Euro und damit knapp 3000 Euro mehr als im Vorjahr.

von Björn Wisker und Alfons Wieber

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