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Geheimgespräche bringen Annäherung

Konflikt Geheimgespräche bringen Annäherung

Eigentlich steht der Schützenverein 1925 Großseelheim seit dem 1. August ohne gültigen Pachtvertrag für sein Schützenhaus da. Doch scheint eine Lösung im Dauerstreit mit der Stadt Kirchhain absehbar.

Dieses Archivfoto zeigt einen Pistolenschützen auf einer entsprechenden Schießanlage. In Großseelheim soll die Pistolenschießanlage eingehaust, also schallgeschützt werden. Archivfoto

Quelle: imago sportfotodienst

Großseelheim. Der Konflikt um die Zukunft des Schützenhauses des Vereins angesichts der Pläne von Investoren für ein Neubaugebiet hat schon Gerichte beschäftigt (die OP berichtete mehrfach), auch wegen der Kündigung des Pachtvertrags durch die Stadt Kirchhain.

Die Situation erschien komplett verfahren. Allerdings gab es in den vergangenen Wochen im Hintergrund vertrauliche Gespräche zwischen Bürgermeister Jochen Kirchner (parteilos) und dem Vereinsvorstand. Und dabei scheinen sich beide Parteien nähergekommen zu sein, wie Kirchner im Gespräch mit dieser Zeitung verdeutlichte. Mit am Tisch saß Jürgen Hertlein, Vorsitzender des Sportkreises Marburg. Er selbst habe sich dabei in der Rolle eines Mediators gesehen, erklärte Hertlein auf Nachfrage der OP.

88 000 Euro für Einhausung der Schießanlage

Unterschrieben ist nichts, aber es bestehen zumindest reelle Aussichten, dass sich Stadt und Verein auf einen neuen Pachtvertrag mit einer Dauer von 99 Jahren nach dem Erbpachtrecht verständigen. Gleichzeitig hat, wie Kirchner und auch der Vorstand des Vereins bestätigen, einer der Investoren der Neubaugebiete dem Verein 88000 Euro zugesagt. Der Betrag ist für die Einhausung, also den Lärmschutz, der Schießanlage gedacht. Wobei der Vorstand des Vereins darauf aufmerksam macht, dass dieser Betrag gedeckelt sei - sprich, mehr Geld gäbe es von seiten des Investors nicht.

Geld könnte aber noch aus einer anderen Quelle dem Schützenverein im 90. Jahr seines Bestehens zufließen, etwa auch, um Sanierungsarbeiten am Gebäude zu ermöglichen. „Es gibt gute Chancen, dass der Schützenverein in das Förderprogramm Sportland Hessen aufgenommen werden kann“, sagt Kirchner. Ein Betrag von rund 80000 Euro wäre denkbar.

Der Sportkreis Marburg-Biedenkopf wäre bereit, den Verein entsprechend zu unterstützen und im Ministerium für die Aufnahme in das Programm zu werben, gerade auch im Hinblick auf die besondere Situation der Großseelheimer Schützen. Auf einen Förderbetrag will sich Jürgen Hertlein aber nicht festlegen lassen. Er sähe für den Schützenverein viele Vorteile in der jetzt im Raum stehenden Einigung.

Mitglieder hätten das letzte Wort

Am Freitag soll es einen ersten Notartermin geben, bei dem Verträge zumindest paraphiert werden könnten. „Wir sind auf einem guten Weg, der aber noch erhebliche Risiken für den Schützenverein 1925 Großseelheim birgt, die noch ausgeräumt werden müssen“, erklärt Norbert Feyh vom Vereinsvorstand gegenüber der OP.

Namentlich geht es dem Vorstand zum Beispiel um in ersten Entwürfen noch vorhandene Rücktritts- und Ausstiegsklauseln aus dem Pachtvertrag. Ein kurzfristiges Rücktrittsrecht der Stadt, durch das der Verein am Ende ohne Schützenhaus dastehen könnte, hält der Vorstand für zu riskant. Hinzu kommt, dass endgültige Verträge mit der Stadt auch erst nach einem Votum der Mitglieder des Vereins möglich sind. Eine so gravierende Entscheidung, die den Verein über viele Jahrzehnte festlegt, will der Vorstand nicht alleine treffen.

Das sei mit der Stadt auch so vereinbart, heißt es in einer Mitteilung des Vereinsvorstandes an die OP. Ohne Pachtvertrag wäre auch eine Förderung durch das Land nicht möglich. Förderanträge könnten also erst nach der endgültigen Unterschrift beider Parteien gestellt werden. Voraussetzung für eine Förderung wäre laut Hertlein außerdem auch Eigenleistung des Vereins. Anfang September wäre eine außerordentliche Mitgliederversammlung denkbar. Aktuell hat der Traditionsverein 130 Mitglieder.

Vereinsvorstand sieht Kostenrisiko

Selbst wenn alle Stolpersteine jetzt aus dem Weg geräumt werden könnten, sehen die Schützen ein verbleibendes Kostenrisiko bei der notwendigen Einhausung. Schließlich gingen in der Vergangenheit erstellte erste Angebote von Kosten in Höhe von 150000 Euro für den Pistolenschießstand aus. Auch der Gewehrschießstand müsste noch eingehaust werden. Schließlich rückt die Bebauung durch das Neubaugebiet bis auf 60 Meter an die Grundstücksgrenze.

Bürgermeister Jochen Kirchner sieht die Situation für den Verein nach den jetzt formulierten Vereinbarungen positiv: „Der Verein geht aus dieser Situation wie Phönix aus der Asche hervor und hat am Ende eine moderne Schießanlage“. Die Vertragsentwürfe wolle die Stadt nach den Vorstellungen des Vereins überarbeiten. Bis gestern hatte der Vereinsvorstand nach eigener Angabe aber noch keine geänderte Fassung auf dem Tisch. Das Ende im Konflikt ist also in Sicht, doch es gibt noch Fallen auf dem Weg bis zu besiegelten Verträgen.

von Michael Rinde

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