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Gedenktag schlägt eine Brücke

Flucht und Vertreibung Gedenktag schlägt eine Brücke

Am 14. September gedenkt die Stadt Stadtallendorf erstmals Flucht und Vertreibung mit einer besonderen Veranstaltung. Vereine haben das Programm mitgestaltet.

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Bürgermeister Christian Somogyi und Herbert Köller vom Heimat- und Geschichtsverein übergaben einen „Leit(d)pfosten an Lydia Rauch von „Lenis Buchladen“. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Bürgermeister Christian Somogyi und Herbert Köller, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins Stadtallendorf, schulterten gestern kunstvoll gestaltete Pfosten. Sie überbrachten sie unter anderem der Sparkassen-Filiale und „Lenis Buchladen“ in der Stadtmitte. Es sind „Leit(d)pfosten“. 45 werden in den nächsten ­Tagen vom Stadtmuseum am Aufbauplatz bis hin zur Stadthalle führen.

Dort findet am Sonntag, 14. September, der erste Stadtallendorfer „Gedenktag für die Opfer von Flucht, Vertreibung und Deportation“ statt. Über die Ausrichtung eines solchen Gedenktages hatte das Stadtparlament im vergangenen November kontrovers diskutiert. Der Anstoß kam dazu von der CDU-Fraktion. Seitdem ist viel geschehen. Heimat- und Geschichtsverein, die Egerländer Gmoi als Vertreter von Heimatvertriebenen, die Georg-Büchner-Schule und natürlich das Dokumentations- und Informationszentrum haben sich bei der Planung eingebracht. Dabei entstand auch die Idee der „Leit(d)pfosten“, die Aufmerksamkeit erregen, einen Anstoß geben sollen (die OP berichtete). Stadtallendorf hat einen eigenen Bezug zu den Folgen von Flucht und Vertreibung. Nüchterne Zahlen verdeutlichen das: Bis 1949 kamen 1644 Flüchtlinge in das damalige Allendorf, weitere 800 lebten im damals selbstständigen Niederklein. Im Jahr 1954 lebten bereits 2895 Flüchtlinge und Heimatvertriebene in Allendorf, einer Gemeinde, die damals 5520 Einwohner hatte. Sie vollbrachten nach dem Verlust ihrer Heimat eine herausragende Aufbauleistung. Es ist unbestritten, dass Stadtallendorfs Stadtgeschichte ohne diese Leistung anders verlaufen wäre.

Aktuell beherbergt die Stadt rund 80 Flüchtlinge

Daran wird die Gedenkveranstaltung erinnern. Doch sie will noch mehr. Sie schlägt auch den Bogen in die Gegenwart, in der hunderttausende Menschen weltweit zur Flucht gezwungen sind: Wegen Krieg und ­Gewalt wie im Irak und Syrien, um nur zwei markante Beispiele zu nennen. Allein Stadtallendorf beherbergt aktuell 80 Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern. „Ich bin sicher, es werden noch mehr“, sagt Bürgermeister ­Somogyi. Für alle seien gute Quartiere gefunden worden. Nach Hessen kamen allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres 7123 Flüchtlinge.

Herbert Köller bekennt: „Es ist ein Experiment, das wir mit diesem Gedenktag versuchen“. Er hofft auf reges Interesse in der Bevölkerung. Gestern warben Köller und Somogyi zunächst bei heimischen Einzelhändlern und Geschäftsleuten dafür, dass die Leit(d)pfosten vor ihren Türen stehen dürfen. Der Besuch bei der Sparkassen-Filiale hatte einen historischen Bezug: „Damals war es die Kreis-Sparkasse, die vielen Vertriebenen erst die Möglichkeit dazu gab, finanziell neu anzufangen.“ Filialleiter Harald Schmidt war gerne bereit, sogar zwei der Pfosten anzunehmen. Einer wird in den nächsten Tagen vor der Filiale stehen, ein weiterer innen. Der Bauhof wird den Geschäftsleuten die Pfosten, eingesetzt in einen Betonfuß, vorbeibringen.

von Michael Rinde

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