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Ganz am Anfang gab es Widerstand

Ausstellung im Gemeenshaus Ganz am Anfang gab es Widerstand

Am Samstag, 19. November, öffnet in Mardorf eine besondere Ausstellung, die zwei Themenfelder, die ihre historischen Schnittmengen haben, vereint. Der Arbeitskreis Dorfgeschichte hat viele Fakten dafür recherchiert.

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Das Foto zeigt das Gemeenshaus in früheren Jahrzehnten. Auf dem Bild rechts stehen die Arbeitskreismitglieder Anne Traulich (von links), Dagmar Stabenow-Kräuter, Otmar Schick und Inge Eismann-Nolte neben dem Ausstellungsplakat. Fotos: Privat/Rinde

Mardorf. Es steckt viel Arbeit in Recherche und Vorbereitung dieser Ausstellung „150 Jahre Gemeenshaus - 300 Jahre jüdisches Leben in Mardorf“. Mitglieder des Arbeitskreises Dorfgeschichte Mardorf haben sie geleistet. Am Samstag, 19. November, zeigen sie ihre Ergebnisse. Seit Wochen wirbt ein Plakat dafür.

Otmar Schick hat viel Archivarbeit investiert, um die Lücken in der Geschichte des Gemeenshauses zu schließen. Manches klingt wie Detektivarbeit. Klar ist jetzt zum Beispiel geworden, wie dringend der Bau des Gemeenshauses vor 150 Jahren eigentlich war. Und das es zunächst Widerstände zu überwinden galt, etwa den des damaligen Pfarrers. Für den Schulunterricht war die Kirchengemeinde zuständig. Sie musste auch zahlen. 140 Kinder waren 1828 zu unterrichten, schon bald darauf waren es bereits 195. Das erste Schulhaus in Mardorf, das seinerzeit auf dem Kirchplatz stand, existiert mittlerweile nicht mehr. In Quellen im Kirchenarchiv hat Otmar Schick für Platzmangel und Zustände im Schulhaus die Beschreibung „Übelstand“ gefunden.

Bis 1901 war das Gemeenshaus die Mardorfer Schule, danach wurde es Gastwirtschaft, um 1921 von Jakob Maas gekauft zu werden. Familie Maas, so erzählen es die Arbeitskreismitglieder, nutzte das Haus als Wohnhaus. Bis zu dem Zeitpunkt, als sie von den Nazis enteignet wurden. 1942 wurde das Ehepaar Maas deportiert und schließlich ermordet.

Aber es überlebte Klara Maas, eine Adoptivtochter, die noch rechtzeitig vor den Nazis in die USA fliehen konnte. Bis zur Rückgabe 1949 an Klara Maas gehörte das Haus laut Grundbuch dann dem „Reichsfiskus“. Mardorfs Bürgermeister kaufte das Gebäude für die Gemeinde zurück. Und heute? Seit dem Umbau 2006 ist das Gemeenshaus ein Zentrum sozialen und kulturellen Lebens in dem Amöneburger Stadtteil. Dank der Dorferneuerung, die genau das erreichen wollte mit dem Projekt. Otmar Schick erinnert sich aber aus eigenem Leben daran, dass es seinerzeit zunächst Widerstände zu überwinden galt.

Die Schnittmenge zum anderen großen Thema, 300 Jahre jüdisches Leben in Mardorf, liegt bei Clara Maas und ihren Vorfahren. Recht aktuell ist es dem Arbeitskreis gelungen, Kontakt zu Clara Maas‘ Tochter in den USA zu bekommen. Arbeitskreis-Mitglieder haben sich mit Lebensläufen von Menschen jüdischen Glaubens intensiv befasst. „Wir haben das Gefühl, wir kennen sie inzwischen“, beschreibt Dr. Anne Traulich die Empfindungen. Wer selbst mehr über die vielen, vielen Details jüdischen Lebens wissen möchte, sollte sich die Sonderausgabe der „Mardorfer Zeitzeichen“ zulegen. Oder am Samstag die Ausstellung besuchen.

Im Jahr 2011 verlegte Künstler Gunter Demnig Stolpersteine in Mardorf. Sie erinnern an einzelne Opfer. Der Arbeitskreis Dorfgeschichte will etwas anderes. Am Samstag, bei der Eröffnung der Ausstellung, wird auch eine Tafel außen aufgehängt.

Tafel gibt Menschen wieder ein Gesicht

In mühevoller Kleinarbeit sind dort Informationen über jüdische Familien, die einst in Mardorf gelebt haben, zu finden. „Was wir zusammengetragen haben, zeigt, dass wir über 300 Jahre hinweg friedlich zusammengelebt haben in Mardorf“, fokussiert es Dagmar Stabenow-Kräuter. Mit der Tafel will der Arbeitskreis Menschen, die früher im Ort lebten, „ein Gesicht geben“, sagt Dr. Traulich im Gespräch mit der OP.

Besucher der Ausstellung erwarten aufwendig gestaltete Schautafeln. Bei der Eröffnung am Samstag um 15 Uhr wird es eine Einführung in die verschiedenen Themen geben. Ab dann ist auch das Sonderheft der „Zeitzeichen“ erhältlich. Inge Eismann-Nolte hat wieder die Gestaltung sowohl der Ausstellungstafeln als auch des Heftes übernommen. Otmar Schick würdigt ihren besonderen Einsatz. „Ohne sie gebe es unsere Hefte so nicht“, sagt er.

nZum Arbeitskreis Dorfgeschichte Mardorf gehören ­außer den im Text genannten Mitgliedern Werner und Inge Eismann, Hilde Kräling, Bernhard und Maria Dörr und Uwe Schulze.

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