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Fußgänger sind die großen Gewinner

Das neue Bahnhofsumfeld im Praxistest Fußgänger sind die großen Gewinner

Die Umgestaltung des Bahnhofsumfelds ist derzeit das größte städtebauliche Projekt Kirchhains und zugleich ein großer politischer Zankapfel.

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Die Aufenthaltsfläche am Bahnhof ist fast fertiggestellt. Ein erster Baum hat schon seinen Platz gefunden. Freiluft-Gastronomie soll das Areal beleben.

Kirchhain. Die Frage, welchen Durchmesser der neue Kreisverkehr auf dem Bahnhofsvorplatz haben sollte, erhitzte die Gemüter und führte zu einem regelrechten Glaubenskrieg zwischen den Koalitionsfraktionen und der oppositionellen Koalition. Die Sozialdemokraten redeten einem kleinen Kreisel mit einem Durchmesser von 27 Metern das Wort. Die Koalition setzte dagegen einen überfahrbaren Minikreisel durch.

Absperrgitter und provisorisch aufgestellte Verkehrsschilder künden davon, dass der erste Bauabschnitt noch nicht ganz abgeschlossen ist. Am deutlichsten wird das auf dem Feldweg. Auf einem Teilstück fehlt noch die Deckschicht, die wegen des winterlichen Gastspiels Anfang Dezember vor der Winterpause nicht mehr aufgetragen werden konnte. Auf die Funktion des umgesetzten Verkehrskonzepts hat das aber keine Auswirkungen, so dass die OP-Redaktion der neuen Verkehrsführung an zwei Tagen einem Praxistest unterzog.

Verkehrsfluss wird deutlich gebremst

Die wichtigste Botschaft vorweg: Die großen Gewinner der Umgestaltung sind die Fußgänger. Wer das Bahnhofsgebäude in Richtung Stadt verlässt, findet sich nicht länger unvermittelt auf der Straße wieder. Eine großzügig dimensionierte Aufenthaltsfläche begrüßt den Reisenden in Kirchhain. Und der Weg in Richtung Stadt ist kein Sprint mehr über eine überbreite und nicht gegliederte Straßenfläche. Das auch die Fußgängerzone um rund 15 Meter dem Bahnhof entgegen gewachsen ist, brauchen Fußgänger nur noch zwölf Schritte über die Straße bis zur Fußgängerzone - und die werden auch noch unterbrochen durch eine breite Verkehrsinsel. Abgesenkte Bordsteinkanten sorgen für Barrierefreiheit, und ein Streifen mit Noppenpflaster weist blinden Passanten den richtigen Weg. Die hatten auf den alten Vorplatz nicht die geringste Orientierungsmöglichkeit.

Wichtig für das Sicherheitsempfinden der Fußgänger: Der Straßenverkehrverkehr wird aus beiden Richtungen vor dem Zebrastreifen deutlich eingebremst. Aus Richtung Steinweg geschieht dies durch die deutlich verringerte Fahrbahnbreite und durch eine Rechtskurve vor dem Überweg. Auf der anderen Seite ist es der Minikreisel, den die Autofahrer nahezu in Schrittgeschwindigket durchfahren.

OP testet den neuen Kreisel

Womit wir beim Streitthema wären. Die OP testete die Verkehrstauglichkeit des Kreisels mit einem Van und einem Auto der Kompaktklasse. Direktes Abbiegen über den Kreisel von der Römerstraße auf die Brückenstraße ist mit dem Kompakten kein Problem, wenn man vor dem Einfahren in den Kreisverkehr links bis auf den Mittelstreifen fährt und dann auch entsprechend schnell kurbelt. Selbst die 330-Grad-Kampfkurve von der Brückenstraße in den Feldweg lässt sich mit diesem Auto geradeso meistern. Allerdings macht das rechte Hinterrad dabei Bekanntschaft mit der angeschrägten Bordsteinkante. Außerdem darf es bei diesem Manöver aus dem Feldweg keinen Gegenverkehr geben. Mit dem Van lässt sich die Spitzkehre Römerstraße/ Brückenstraße mit sorgfältiger Augapfel-Navigation noch nehmen. Das Unternehmen Brückenstraße/ Feldweg ist wegen des langen Radstands aussichtslos. Hier muss eine Ehrenrunde um den Kreisel gedreht werden. Auch dann ist die Zufahrt zum Feldweg etwas hakelig, will man nicht über den Innenraum des Minikreisels fahren.

Bei längerer Beobachtung des Verkehrsknotens zeigt sich, dass die Autofahrer heute den Bahnhofsvorplatz deutlich vorsichtiger und langsamer passieren. Das kann dem Tor zur Innenstadt nur guttun, bewegen sich doch täglich hunderte Schüler und Pendler zum und vom Bahnhof. Ob der Minikreisel zu der von der SPD prognostizierten Stau-Falle wird, zeigt sich wohl erst mit dem Abschluss der Bauarbeiten am Feldweg.

Matthias Mayer

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