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Fulda will Fusion, aber im Dialog

Stadtallendorf Fulda will Fusion, aber im Dialog

Eine Alternative zur beabsichtigten Fusion der vier katholischen Kirchengemeinden sieht die Bistumsverwaltung nicht. Den Weg dorthin will sie mit den betroffenen Gemeinden erarbeiten.

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Die Kirche St. Katharina ist ein Symbol für den katholischen Glauben im Stadtallendorfer Stadtgebiet. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Dass die Gemeinde St. Elisabeth und St. Blasius in Niederklein nach dem Weggang von Pfarrer Peter Bierschenk keine eigene volle Pfarrstelle mehr hat, liegt an ihrer Größe. Mit rund 1100 Gemeindemitgliedern ist sie dafür schlicht zu klein. Wie das Bistum Fulda auf Anfrage der OP erläutert, werden volle Pfarrstellen inzwischen nur noch ab einer Gemeindegröße von rund 3000 Gläubigen vorgesehen. „Priester und hauptamtliche Laien im pastoralen Dienst stehen nur im begrenzten Maße zur Verfügung“, erklärt Klaus Depta, stellvertretender Sprecher des Bistums. Wie „eng“ es um den Priesternachwuchs im Bistum bestellt ist, verdeutlicht Depta an einer aktuellen Zahl: Nur 16 Priesteranwärter besuchen derzeit das Priesterseminar in der Diözese. „Sie werden nach und nach bis 2019 verfügbar sein, immer vorausgesetzt, alle bleiben“, sagt Depta.

Die Entwicklung in Niederklein hat weitreichende Konsequenzen für die insgesamt vier katholischen Pfarrgemeinden im Stadtallendorfer Stadtgebiet. Wie die OP in ihrer Samstagsausgabe berichtete, forciert die Bistumsleitung Pläne zur verwaltungstechnischen und finanziellen Fusion. Eine Stellungnahme des Bistums stand zunächst noch aus (die OP berichtete). Sprecher Depta verweist auf die Folgen des demographischen Wandels für das Bistum - und die Zahl der Kirchenaustritte insgesamt. Allein im vergangenen Jahr kehrten im Bistum Fulda 3000 Mitglieder der katholischen Kirche den Rücken. In den Gemeinden vor Ort werde es immer schwieriger, Ehrenamtliche zu finden, die bereit sind, in den unterschiedlichsten Gremien mittel- und langfristig Verantwortung zu übernehmen und sich zum Beispiel sechs Jahre für eine Tätigkeit im Verwaltungsrat zu binden.Dem müsse das Bistum Rechnung tragen und Gemeinden enger zusammenführen und zusammenlegen. Und das soll jetzt auch in Stadtallendorf mit seinen rund 7000 katholischen Christen, verteilt auf vier Gemeinden, geschehen. Angestrebt ist eine Zusammenlegung bis zum Jahr 2016. Theoretisch könnte der Fuldaer Bischof Heinz-Josef Algermissen die Fusion auch verfügen, sprich anordnen. Daran sei in Stadtallendorf aber nicht gedacht, heißt es dazu aus Fulda.

Die Bistumsleitung verweist auf den Termin am 5. November, bei dem die weiteren Schritte auf dem Weg zur Fusion mit Vertretern der Gemeindegremien erörtert werden sollen. Es gehe um Konsultation statt Verfügung, so Sprecher Depta. Die Fusionspläne für Stadtallendorf sind nach Kenntnis der OP beim Bistum hoch angesiedelt. Die Federführung hat derzeit Domkapitular Steinert, Personalchef des Bistums. Dass in den vier katholischen Kirchengemeinden nach einer Fusion weniger Verwaltungsmitarbeiter nötig sind als bisher, glaubt Fulda nicht, im Gegenteil. Bei einer fusionierten katholischen Großgemeinde Stadtallendorf will das Bistum verstärkt auf den Einsatz von Fach- und Verwaltungspersonal bauen und den Einsatz von hauptamtlichen Laien im pastoralen Dienst verstärken, alles mit dem Ziel, den Pfarrern wieder mehr Raum für ihre Hauptaufgabe, die Seelsorge zu geben. So ist es zumindest in Fulda bisher geplant.

Wenn es zu einer Fusion der vier Gemeinden kommt, dann wären für Stadtallendorf und Niederklein in Zukunft auf dem Papier drei Pfarrstellen vorgesehen. Eine halbe Pfarrstelle davon müsste die Gemeinde aber wieder abgeben für Sonderaufgaben, etwa die Betreuung der polnischen Gemeinde in der Region. Diese Aufgabe hat jetzt Pfarrer Starchurski übernommen, der in Niederklein die Messen hält.

Und was wird bei einer Fusion aus der Identität der teilweise jahrhundertealten Gemeinden? Ziel sei es, eine Verwaltungseinheit, also eine Pfarrei zu schaffen. „Dabei soll die Identität der Pfarrstandorte möglichst erhalten bleiben, wenngleich das ein höheres Maß an Selbstverantwortung bedeutet“, sagt Depta. Das Bistum verweist auf positive Erfahrungen bei schon vollzogenen Fusionen von Gemeinden.

von Michael Rinde

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