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Für jeden Wanderer gibt es Kräuter

Würzwisch Für jeden Wanderer gibt es Kräuter

Das Kräutersammeln zu Mariä Himmelfahrt hat sich in Himmelsberg bis heute erhalten. Willibald Preis leitete kürzlich eine Wanderung durch die Welt des "Würzes".

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Der Himmelsberger Willibald Preis schnitt für die Teilnehmer der besonderen Wanderung die frischen Kräuter für den Würzwisch.

Quelle: Yanik Schick

Himmelsberg. Das Johanniskraut ist eins der zwölf Himmelsberger Würzwischkräuter. Als Willibald Preis den Wanderern von dieser Pflanze erzählte, geriet er ins Schwärmen. „Es war früher eine Universalmedizin und wird uns auf unserem Weg noch oft begegnen“, kündigte Kirchhains Stadtverordnetenvorsteher an.

„Wenn man gar nicht mehr weiter wusste, hat man Johanniskraut in den Trank gemischt.“ Vor allem bei Depressionen und Schlaflosigkeit soll das auch „Stolzer Konrod“ genannte Gewächs exzellent wirken. Vor einigen Jahrzehnten bekamen es sogar Tiere wie eine kalbende Kuh verabreicht. Die Wirkung aller Kräuter sei unbestritten, betonte Willibald Preis. Bereits im Jahre 900 vor Christus hätten die Menschen auf deren heilende und schmerzlindernde Funktion vertraut.

Er selbst ist in einer Landwirtschaft groß geworden und erlebte den wichtigen Stellenwert des Himmelsberger Würz‘, was nichts anderes als Kraut bedeutet, alltäglich mit.

Den angesichts schlechten Wetters nur wenigen Besuchern an jenem Tag wusste der Fachmann während der Wanderung deshalb einiges rund um Alant, Rainfarn, Weiderich und Co. zu erzählen.

Nur noch wenige Kräuter zu finden

Die Gruppe zog Richtung Bartenhäuser Wiesengrund und Himmelskirch-Teich, wo die meisten der zwölf Kräuter gedeihen. Am Bahndamm der Wohratal-Bahn sind die Pflanzen recht ungestört. „Heute finden wir aber nur noch einen geringen Abklatsch von dem, was früher mal dort war“, erläuterte Preis. Das hänge unter anderem mit dem ausgeweiteten Düngeverhalten zusammen, auf das die Kräuter empfindlich reagierten, so die Erklärung von Willibald Preis. Dazu kam speziell in diesem Sommer die wenigen Niederschläge, die dem Würz das Wachsen erschwerten.

Dennoch hatten die Wanderer bis zum Mittag bei strömendem Regen alle zwölf Himmelsberger Würzwischkräuter entdeckt. Zunächst ließ Preis die Pflanzen trocknen, danach band er sie mit einem kleinen Draht zusammen.

Jeder der Besucher durfte sich am Ende einen Kräuterbund mit nach Hause nehmen und deren Wirkung persönlich erproben. Von Beifuß (gegen Magen- und Darmbeschwerden) bis hin zu Wasserhanf (gegen Husten, Mund- und Rachenentzündungen) war die Bandbreite jedenfalls groß. Natürlich durfte auch das von Willibald Preis gepriesene Johanniskraut nicht fehlen.

Schon einen Tag vorher hatten die Himmelsberger in der St.-Nikolaus-Kirche die traditionelle Würzweihe zu Mariä Himmelsfahrt gefeiert. In vorherigen Generationen gab es ein solches Fest auch an einigen anderen christlichen Feiertagen. Gehalten hat sich diese Tradition bis heute aber nur noch an Mariä Himmelfahrt.

„Bis vor 50 Jahren wurde der Würzwisch noch vor der Kirche geweiht“, berichtete Willibald Preis. Im Anschluss habe damals jeder Besucher der Messe einen Strauß auf das Grab seiner jeweiligen Vorfahren gelegt.

von Yanik Schick

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