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Für Schorbach ist "Zeit" ein Fremdwort

50 mit 50 Für Schorbach ist "Zeit" ein Fremdwort

Erwin Schorbachs Tage könnten wahrscheinlich 48 Stunden haben - der Mengsberger Tausend-sassa würde trotzdem ständig etwas zu tun haben.

Mengsberg. Zeit. Irgendwie kommt Erwin Schorbach immer wieder auf das Thema Zeit zurück: Dabei hatte er zu seinem 50. Geburtstag seine Stelle als Forstwirtschaftsmeister beim Forstamt in Kirchhain schon etwas reduziert, um ein bisschen mehr „Zeit für sich“ zu haben. Im Gespräch mit ihm wird aber schnell klar: Selbst wenn die Tage länger wären, würde der Mengsberger die frei gewordenen Kapazitäten entweder in seinen Hof stecken oder für seine Mitbürger nutzen - vor allem, um Kindern Wissen über Wald und Landwirtschaft zu vermitteln.

Doch der Tag ist nur 24 Stunden lang, und so muss Schorbach eben weiterhin das Duracell-Häschen geben - denn der Tag des 50-Jährigen ist vollgepackt. Er ist nicht nur Forstwirtschaftsmeister, sondern auch noch Landwirt im Nebenerwerb und kümmert sich mit seiner Familie um einen 6000 Quadratmeter großen Hof samt Ackerbau und 52 Schweinen. Zudem ist er seit dem Jahr 2002 Vorsitzender der Waldinteressenten, denen er seit 1980 angehört - und mit denen er einen Kinderwald anlegte, um dem Nachwuchs die Faszination für Wald und Natur weiterzugeben: „Viele Kinder wissen nicht genug darüber. Der Kinderwald soll dazu beitragen, ihnen das Thema näherzubringen. Wenn sie den Wald fühlen, wird eine Verbundenheit erzeugt - daher darf jedes Kind einen Baum pflanzen. Ich für meinen Teil war schon immer sehr naturverbunden.“

Und so wundert es nicht, dass Schorbach nicht nur die Idee für den Kinderwald, sondern auch den Naturlehrpfad gehabt hatte - mit dem die Mengsberger während ihrer Erfolgsgeschichte im Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ bei eigentlich allen Jurymitgliedern bleibenden Eindruck hinterließen. Dabei galt es im Vorfeld der Umsetzung des Projektes jede Menge Zweifel zu überwinden und erstmal verschiedene Gruppen an einen Tisch zu bringen.

Doch die Mengsberger kamen zusammen - und rückten in den vergangenen (Erfolgs-)Jahren sogar noch enger zusammen. Der Dorfwettbewerb war ein Ereignis, das zusammenschweißte - auch dank Schorbach, der sich an verschiedenen Stellen voll einbrachte. „In Mengsberg kann man viel bewegen, weil die Menschen hier sehr offen und aufgeschlossen für Neues sind“, sagt er und betont: „Es ist schön, ein Teil des Dorfes zu sein, zu gestalten und zu lenken. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass Mengsberg für die Zukunft gut aufgestellt und für kommende Generationen attraktiv ist“, ergänzt der Vater von zwei Teenagerinnen, der auch zu den Triebfedern des Projektes „Bioenergiedorf“ gehört.

Doch auch dieses Vorhaben frisst in der Vorbereitung wieder viele Stunden auf. Stellt sich die Frage: Wann will Schorbach Zeit für sich finden? Wahrscheinlich weiterhin nur im Urlaub, in dem er tatsächlich auch mal das Nichtstun genießen und den anderen Menschen in aller Seelenruhe beim Arbeiten zusehen kann: „Das geht, weil ich in diesem Augenblick keinen Stress empfinde“, erklärt er und gibt zu: Am liebsten hat er Aktivurlaube, in denen es Natur zu bewundern und etwas zu erleben gibt.

von Florian Lerchbacher

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