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Für Maik Grube "passt es einfach"

OP-Serie "Ausgedient?" Für Maik Grube "passt es einfach"

Der 25-jährige Maik Grube ist einer von drei freiwillig Wehrdienstleistenden bei der Stadtallendorfer Stabs- und Fernmeldekompanie der Division Schnelle Kräfte (DSK).

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Gefreiter Maik Grube (links) überprüft die Ladung eines „Hägglunds“. Er reicht einen überdimensionalen Schraubenschlüssel an Stabsunteroffizier André Schaumburg weiter. Foto: Michael Rind

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Vorsichtig hebt Gefreiter Maik Grube einen überdimensionalen Radmutterschlüssel aus der Werkzeugkiste des gepanzerten „Hägglunds“. Der kleine Transportpanzer gehört zum Fuhrpark seiner Kompanie. Im Einsatz ließe er sich durch die Luft an viele Orte der Welt transportieren. Grube kontrolliert die Ausstattung des Hägglunds. Werkzeug für Werkzeug hebt er aus der Kiste auf dem Dach. Stabsunteroffizier André Schaumburg führt Buch, hakt Position für Position ab. ­Alles vollzählig.

Für zwölf Monate hatte sich Maik Grube aus Sömmerda bei Erfurt bei der Bundeswehr verpflichtet. Er ist ein „FWDL12“, ein freiwillig Wehrdienstleistender für zwölf Monate. Nach seiner Grundausbildung kam er nach Stadtallendorf - ganz bewusst. Ihn reizte der Dienstposten bei der Division, die Karriereberatung der Bundeswehr in Erfurt hatte ihn angeboten. Eigentlich hatte er gehofft, auch seinen Bundeswehr-Führerschein in Stadtallendorf zu machen. Doch das klappte organisatorisch nicht. Mit seinen jetzigen Aufgaben ist Grube jedenfalls sehr zufrieden. So zufrieden, dass er sich bereits bei seinem Vorgesetzten darum bemüht, als Reservist wieder nach Stadtallendorf kommen zu dürfen. „Es passt einfach, es gefällt mir hier“, sagt Grube. Nach den zwölf Monaten zieht es den 25-Jährigen nach Darmstadt. Dort wird er Wirtschaftsingenieurwesen studieren.

Die dreimonatige Grundausbildung hat er als den bisher anstrengendsten Teil seiner Zeit beim Bund erlebt. Vor ihr hatte er auch am meisten Respekt im Vorfeld. „Einige von denen, die mit mir begonnen haben, haben auch wieder aufgehört“, sagt Grube. Während der ersten sechs Monate haben sowohl die freiwillig Wehrdienstleistenden als auch die Bundeswehr die Möglichkeit, das Dienstverhältnis zu kündigen. Grube hat ans Aufhören auch nach harten Geländemärschen keinen Gedanken verschwendet.

Keine Privatsphäre auf der Stube

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte zuletzt das vergleichsweise hohe Aufkommen von Freiwilligen, die wieder kündigen, als „unbefriedigend“ bezeichnet und dort noch Handlungsbedarf gesehen. Nach den Ende Juni vom Verteidigungsministerium veröffentlichten Zahlen liegt die Abbrecherquote bei den Freiwilligen bei etwa einem Viertel, also 25 Prozent. Nach Aussetzung der Wehrpflicht vor fünf Jahren übernahmen freiwillig Wehrdienstleistende Teile der Aufgaben, die vorher Wehrpflichtige ausgeführt hatten. Bei der DSK sind es insgesamt rund 450 dieser „FWDL“, aktuell drei davon am Standort Stadtallendorf.

Aber ist wirklich alles nur positiv bei Maik Grube? Nein, es gibt auch Dinge, wo er Änderungsbedarf sieht. So hätte er sich mitunter doch mehr Privatsphäre auf der Stube gewünscht. In der Stadtallendorfer Herrenwaldkaserne gibt es nur noch Viererstuben, an anderen Standorten sind aber auch noch Sechs-Personen-Stuben vorhanden - ein Umstand, den das Verteidigungsministerium unbedingt ändern will im Sinne der Nachwuchsgewinnung.

Grube spricht auch noch die „nicht optimale“ Verkehrsanbindung Stadtallendorfs für Pendler wie ihn an. Und er ­erwähnt, dass ein freies WLAN für ihn etwas Wünschenswertes am Standort wäre. Ansonsten lobt er die Sportmöglichkeiten in der Kaserne, wie das eigene Fitnessstudio.

Besserer Verdienstals in der Koch-Lehre

Wie kam er überhaupt auf die Idee, sich freiwillig bei der Bundeswehr zu melden? „In meiner Familie waren viele bei der Bundeswehr und haben die Zeit dort als Bereicherung empfunden“, sagt Grube. Er kann „nur jedem, der sich dafür interessiert, empfehlen, sich darauf einzulassen“.

Der 25-Jährige hat bereits eine abgeschlossene Ausbildung zum Koch, mehrere Jahre arbeitete er auch als Koch. Dabei merkte er jedoch, dass er mit diesem Beruf nicht auf Dauer glücklich wird. Da er nicht unmittelbar mit dem Studium beginnen konnte, schob er das eine Jahr bei der Bundeswehr ein. Es gab noch ein Argument: 220 Euro pro Monat verdiente er während der Lehre, rund 800 waren es während der Grundausbildung. Das sei schon ein Unterschied. Und es gäbe am Standort Stadtallendorf geregelte Arbeitszeiten, anders, als er das aus seinem bisherigen Beruf kannte.

  • In der Serie „Ausgedient“ widmet sich die OP mehreren Aspekten rund um die Aussetzung von Wehr- und Ersatzdienst vor fünf Jahren. 
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