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Fünf auf einen Streich

Einschulung Fünf auf einen Streich

Früher Stockschläge, heute Leistungsdruck. Für viele Kinder im Landkreis beginnt morgen der Ernst des Lebens. Gleich fünf davon sind Enkel der Schweinsbergerin Doris Mann.

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 Paul (von links), Emma ,Franzi, Mira und Mattis und freuen sich mit „Oma Dodo“ auf ihren ersten Tag in der Schule.

Quelle: Nadine Weigel

Schweinsberg. Schweinsberg. Morgen ist der große Tag! Dann heißt es ade Kindergarten und hallo Schule! Alle sind schon ganz aufgeregt. Nur Paul nicht. „Pfffff, ich kann das doch eh schon alles“, sagt der Sechsjährige mit einem schelmischen Grinsen im Gesicht und erntet schallendes Gelächter von Mira, Emma, Matthis und Franzi.

Die lustigen Fünf sind alles Enkelkinder von Doris Mann aus Schweinsberg. „Das ist schon ein tolles Ereignis, wenn fünf Enkelkinder gleichzeitig eingeschult werden. Das war so nicht geplant, aber irgendwie haben meine Kinder durch Zufall alle im gleichen Jahr Kinder bekommen“, sagt die 64-jährige Oma. Ihre Enkel werden sich auf insgesamt vier Schulen im Landkreis verteilen. Paul wird in Cölbe eingeschult, die Zwillinge Emma und Mattis in Bürgeln, Franzi in Cappel und Mira in Schweinsberg.

An den Ohren gezogen

„Hier sind schon mein verstorbener Mann Günter, unsere Väter, ich und unsere fünf Kinder eingeschult worden“, erinnert sich Doris Mann und blickt über den Schulhof der Schweinsberger Grundschule. Hier, wo schon Generationen der Manns in den Pausen herumgetollt sind, haben sich heute alle Enkel zum gemeinsamen Foto-Termin mit der Presse verabredet.

Bei „Oma Dodo“, wie Doris Mann liebevoll genannt wird, ruft der Ort Erinnerungen wach. Sie wurde 1959 eingeschult: Mit Zahnlücke, zwei Zöpfen und schwarz-weiß kariertem Jäckchen. An ihre Grundschulzeit kann sich die zehnfache Oma noch gut erinnern. Daran, dass sich die frechen Jungs selbst ihre Stöcke schnitzen mussten, mit denen der Lehrer sie dann anschließend schlug. Daran, dass auch sie einmal vom Lehrer an den Ohren gezogen wurde.

Eine schreckliche Erinnerung. „Das war wirklich schlimm für mich. Das habe ich bis heute nicht vergessen“, betont die 64-Jährige. Dass die kleine Mira die Tradition fortsetzt und die Grundschule ihres Heimatortes besucht, freut die Oma ganz besonders. Aber sie weiß auch, dass die Kinder, die nun in die Schule gehen, ganz andere Bedingungen vorfinden als früher. „Der Leistungsdruck ist heute sehr hoch“, bedauert Mann.

Ein bisschen Aufregung

Sie selbst habe ihren fünf Kindern das Abitur als „Sprungbrett für ihren persönlichen Werdegang“ ermöglicht, würde Eltern heute allerdings gezieltere Förderung empfehlen. „Nicht jedes Kind sollte auf Biegen und Brechen zum Abitur getrieben werden. Viel wichtiger ist doch, die speziellen Talente jedes Kindes individuell zu fördern.“ Der gemeinsame Schulstart ihrer Enkel ist für Mann eine echte Herausforderung. Nicht wegen der Geschenke. Denn jedem Kind hat sie einen Drehstuhl für den Schreibtisch gekauft. Vielmehr ist es eine logistische Herausforderung. Schließlich will „Oma Dodo“ für jeden Enkel da sein. Das bedeutet, dass sie über den Tag verteilt quer durch den Landkreis fährt, um mit den Enkeln die Einschulung zu feiern.

Während Doris Mann in Erinnerungen schwelgt, toben die Kinder ausgelassen über den Schulspielplatz. Alle freuen sich auf den Schulstart. Bis auf Paul natürlich. Der gibt sich nach wie vor ganz cool. Sein Cousin Mattis aus Betziesdorf ist da ehrlicher: „Ich bin ein bisschen aufgeregt, aber ich freue mich darauf, neue Kinder zu treffen und neue Freunde zu finden“, betont der Sechsjährige. Seine Schwester Emma und die beiden Cousinen Mira und Franzi freuen sich vor allem darauf, dass sie lesen und schreiben lernen.

Auf den großen Tag sind die fünf schon sehr gut vorbereitet. Jeder präsentiert strahlend seinen Schulranzen mit Federmäppchen samt Stiften. „Ich weiß auch schon, was in meiner Schultüte ist“, berichtet Paul ganz stolz und erntet wiederholtes Kopfschütteln seiner Mutter. „Eigentlich ist er ganz lieb“, versichert Mama Julia augenrollend. „Daran, dass er jetzt so aufdreht, erkennt man, wie aufgeregt er wegen seiner Einschulung ist.“

von Nadine Weigel

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Von Redakteur Nadine Weigel

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