Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Fünf Wasserbüffel erobern ihre neue Heimat

Besonderheit Fünf Wasserbüffel erobern ihre neue Heimat

Amöneburg ist um eine Attraktion reicher: Bei Roßdorf leben nun Sara, Wilma, Ronja, Santa und Helene - die ersten Wasserbüffel im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Voriger Artikel
"Wenn ich das gewusst hätte, wäre ich nicht gekommen"
Nächster Artikel
Bummeln, Schauen und Kaufen

Vögel und Wasserbüffel haben nun ein gemeinsames Zuhause.

Quelle: Florian Lerchbacher

Roßdorf. Ungerührt beobachten zwei Schwäne, zahlreiche Bekassinen und Enten und viele weitere Vögel das Treiben im Wasser. Fünf Wasserbüffel haben soeben den kleinen See in der Flur „Erle“ bei Roßdorf, im Volksmund „das Arlle“ genannt“, erobert und tollen herum. Die Tiere schenken einander nur wenig Beachtung - dabei sollen gerade die gefiederten Freunde von ihren neuen Nachbarn profitieren.

Ornithologe Gerhard Wagner bezeichnet die Wasserbüffel gar als „tierische Landschaftspfleger“. Durch ihren wiederholten Gang zum Wasser, in dem sie Abkühlung suchen, bearbeiten sie den Rand des Gewässers, also die Feuchtstellen, und schaffen einen Rohboden, der für verschiedene Vogelarten ein Futterparadies ist. Und Vögel gibt es in der Beckenlandschaft, durch die auch die Hochspannungsleitungen verlaufen, en masse. Das Gebiet sei die Achse des Vogelzuges, erläutert Wagner.

Entscheidung für eine Wasserstelle

„Das Arlle“ ist schon seit dem Jahr 2007 eine „Ausgleichsfläche“. Verantwortlich dafür ist HessenMobil. Die Straßenbauverwaltung hatte nach dem Bau der Umgehungsstraße Wittelsberg-Rauischholzhausen-Roßdorf, wie nach jedem Eingriff in die Natur, eine sogenannte Kompensationsmaßnahme umsetzen müssen und sich entschlossen, einen „Rastplatz“ für Zug- und Brutvögel zu schaffen. Der ehemalige HessenMobil-Mitarbeiter und jetzige Rentner Ralf Schneider entschied sich damals gegen die im „Landschaftspflegerischen Begleitplan“ angeregten Streuobstwiesen und Hecken und für eine Wasserstelle.

In Zusammenarbeit mit dem inzwischen verstorbenen Ortsvorsteher Manfred Stumpf trieb der Roßdorfer das Projekt auf dem rund sechs Hektar großen Areal voran. Unterstützung erhielten die beiden von Ornithologe Karl Kliebe aus Moischt. Heutzutage steht ihm vornehmlich der frisch pensionierte Wagner zur Seite, der Vorsitzende des Arbeitskreises Marburg-Biedenkopf der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz. Als sich der ehemalige Pächter der Fläche zurückzog, beschlossen die beiden gemeinsam mit Willi Kunze, auf dem Gebiet einen langgehegten Traum des Regionalbevollmächtigten von HessenMobil umzusetzen und Wasserbüffel im Landkreis anzusiedeln.

Schneider machte sich also auf die Suche nach jemandem, der Interesse an einer Bewirtschaftung des Landes mit diesen Tieren hat - und wurde in unmittelbarer Nähe fündig: Sein Nachbar Markus Rhiel gewann in Mario Ebinger aus Wittelsberg einen Mitstreiter und gründete mit ihm die „M&M Weide GbR“. Der Spaß stehe im Vordergrund, betonen der Berater für gewässerschonende Landwirtschaft des Wasser- und Bodenverbandes und der Heizungsbauer - die beide gelernte Landwirte sind. „Wir machen das, weil wir die Idee gut finden“, sagt Rhiel und erklärt: „Das ist mehr Freizeitvergnügen als ein wirtschaftlicher Betriebszweig.“ Ebinger fügt hinzu: „Wir möchten in Kooperation mit Ornithologen das beste Ergebnis für Büffel und Vögel erzielen.“

Mit Spaß bei der Sache

In den vergangenen Wochen verbrachten die beiden ihre Freizeit damit, einen neuen Zaun zu bauen und das Gelände für den „Einzug“ ihrer fünf Wasserbüffel vorzubereiten - nicht zu vergessen die vielen Stunden, in denen sie sich intensiv mit der Haltung dieser Tierart beschäftigten. „Ein konventioneller Landwirt kann ein solches Projekt nicht umsetzen“, wirft Wagner ein und hebt hervor: „Da steckt viel Idealismus hinter.“

Und der Spaß an ihrem neuen Hobby ist den beiden jungen Männern anzusehen. Fasziniert verfolgen sie, wie Sara, Wilma, Ronja, Santa und Helene -die wohl noch in Helena umbenannt werden soll - ihre neue Heimat und erstmals auch das Gewässer erobern. Dass die Wasserbüffel eine neue Attraktion Amöneburgs sind, ist den beiden bewusst: Besucher seien natürlich willkommen, allerdings sollten sie sich rücksichtsvoll verhalten und auf dem Hauptweg bleiben, um nicht die im Feld brütenden Vögel zu stören oder gar zu gefährden.

Die Einfahrt „ins Arlle“ befindet sich aus Richtung Schröck kommend etwa 50 Meter vor der Roßdorfer Auffahrt auf die Umgehungsstraße.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Florian Lerchbacher

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr