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Fünf Polizisten bändigen Wüterich

Aus dem Amtsgericht Fünf Polizisten bändigen Wüterich

Rechtsanwalt Winand Koch hatte vor dem Kirchhainer Amtsgericht einen schweren Stand. Sein Mandant hatte sich gleich mehrfach richtig danebenbenommen.

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Blick in die Ausnüchterungszelle der Polizei in Korbach. In einer solchen Zelle randalierte der Angeklagte.

Quelle: Lutz Benseler

Kirchhain. Vor Gericht stand ein junger Familienvater aus dem Ostkreis, der es an einem Kirmeswochenende in seinem Heimatort im Sommer 2012 mal so richtig krachen ließ. Er sprach in einer durchzechten Nacht nach dem rechtsmedizinischen Gutachten nicht nur der Volksdroge Alkohol kräftig zu, sondern brachte sich auch mit Cannabis und Amphetaminen in Feststimmung.

Der Drogencocktail im Blut des Angeklagten blieb nicht ohne Wirkung. Zwischen 6 und 7 Uhr verließ er das Fest, setzte sich in sein Auto und fuhr nach Hause. Das ging nicht gut. Laut Anklageschrift bekam er bei der Einfahrt in seine Wohnstraße gerade noch die Kurve, um dann in ein am Straßenrand abgestelltes Auto zu rauschen. Der Unfall hatte keine ernüchternde Wirkung auf den Zecher. Der Berauschte fuhr noch weiter auf sein Grundstück und parkte rustikal-sportlich in der Garage ein. Auf der Strecke bleiben zwei zerstörte Autos.

Doch damit nicht genug. Beim Eintreffen der Polizei rastete der Unfallfahrer aus, spuckt im Streifenwagen aus und wütet in der Polizeistation, wo er um sich spuckt. Es braucht fünf Polizeibeamte, um den Tobenden zu bändigen; selbst in der Ausnüchterungszelle gibt er keine Ruhe.

Sein Mandant neige zur Renitenz, wisse um das Problem und gehe dagegen an, sagte Winand Koch. „Er ist geständig und hat verinnerlicht, was er falsch gemacht hat. Und er hat es geschafft, auch nach dem Zwischenfall für seine Familie aufzukommen“, sah der Rechtsanwalt seinen Mandanten auf dem richtigen Weg. Er bat das Gericht um ein Strafmaß, dass diesen Weg nicht gefährde.

Dem hatte sich zuvor Staatsanwältin Sarah Otto nicht entgegengestellt. Sie beantragte eine Verurteilung wegen einer fahrlässigen Trunkenheitsfahrt in Tateinheit mit einem gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, Unfallflucht und Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. Beim Strafmaß beließ es die Anklagevertreterin für den einschlägig vorbestraften Angeklagten bei einer Geldstrafe: 120 Tagessätze à 15 Euro. Zu der Gesamtstrafe beantragte sie eine weitere Sperrfrist für die Wiedererteilung des Führerscheins von einem Jahr und elf Monaten. „Irgendwann ist mal Schluss mit den Geldstrafen“, warnte Sarah Otto den Angeklagten, der zur Tatzeit einen Promillewert von 1,56 aufwies.

Richter Joachim Filmer folgte im Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft, beschränkte aber die Dauer der Sperrfrist auf ein Jahr und sieben Monate. „Die Sperrfrist ist für Sie das geringere Problem. Die medizinisch-psychologische Untersuchung ist für die die Hürde aller Hürden“, sagte der Richter an die Adresse des Angeklagten.

Völliges Unverständnis äußerte Filmer gegenüber dem Tatgeschehen: „Sie fahren berauscht und mit überhöhter Geschwindigkeit nach Hause, bekommen die letzte Kurve noch gerade so und prallen dann auf ein Auto. Hier hätte für sie Schluss sein müssen. Aber Sie fahren weiter in Ihre Garage. Dann kommt die Polizei, und Sie benehmen sich wie eine Sau“, redete der Richter Klartext. Kritisch bewertete Filmer die Rückfallgeschwindigkeit des Angeklagten: „Kaum haben Sie den Führerschein wieder, machen sie erneut Bockmist“, sagte er und riet dem Angeklagten dringend, sein Drogen- und Alkoholproblem anzugehen.

von Matthias Mayer

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