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Fünf Anlieger stoppen Hochwasserschutz für ein Dorf

Großseelheim Fünf Anlieger stoppen Hochwasserschutz für ein Dorf

Der Hochwasserschutz steht in Großseelheim seit Jahrzehnten auf der Agenda. In diesem Jahr sollte es endlich werden. Doch dann kam alles anders.

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Quelle: Matthias Mayer

Großseelheim. Auf der Zielgeraden ist das Projekt zur Eindämmung der latenten Hochwassergefahr gescheitert. „Die Renaturierung des Bauerbachs oberhalb und innerhalb des Ortsteils Großseelheim wird an der Akzeptanz der Bevölkerung und der betroffenen Landwirte scheitern“, erklärte Gabriele Fischer, Pressesprecherin des Gießener Regierungspräsidiums, auf Anfrage der OP. Die Behörde habe zwar der Stadt Kirchhain die Genehmigung zur Renaturierung des Bauerbachs oberhalb der Ortslage erteilt, aber es fehle die Grundlage für Umsetzung der naturnahen Bachumgestaltung: Die Bereitschaft von Kleingärtnern und Landwirten und Anwohnern, oberhalb und innerhalb Großseelheims Flächen abzugeben.

Mit der Renaturierung, so das RP, sollte sowohl der Hochwasserschutz in der Ortslage als auch gleichzeitig der ökologische Zustand des Bauerbachs verbessert werden.

Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner bestätigte die Einschätzung des RPs und präzisierte den Kreis der Urheber für diese Entwicklung. Mit Rücksicht auf die Einwände der vielen Bauerbach-Anwohner im Ort habe die Stadt das Hochwasserschutz-Projekt neu geplant und die Renaturierung des Bauerbachs an dessen Oberlauf zwischen dem „Knick“ des Bachlaufs in Höhe des Schützenhauses und der Kreisstraße verlegt. „14 Anlieger hätten mit uns kooperieren müssen, fünf haben das verweigert“, sagte Kirchner gegenüber der OP.

„Ich bin sehr enttäuscht, weil wir hier versucht haben, eine konfliktarme Planung im Sinne der Anlieger zu tragbaren Konditionen für die Stadt zu erstellen. Jetzt wird es teurer und konfliktreicher. Das ist das schlechteste aller möglichen Ergebnisse“, sprach der Bürgermeister Klartext.

Projekt-Ausstieg kostetdie Stadt viel Geld

Jochen Kirchner ärgerte sich nicht nur über die vergebene Chance, durch eine Verringerung der Fließgeschwindigkeit des Bauerbachs endlich die Hochwasserproblematik in den Griff zu bekommen, sondern auch über die Kostenfrage. Die Bach-Renaturierung ist für die Stadt nur dank der Fördergelder finanzierbar. Diese fließen für die Renaturierung für Gewässer von der Größenordnung des Bauerbachs nur noch in diesem Jahr (die OP berichtete).

Die zwischendurch aufgeworfene Idee, den Bauerbach noch weiter oben in Nähe der Bauerbacher Kläranlage einzubremsen, hält der Bürgermeister aus drei Gründen nicht für realisierbar:

  • Diese Idee hat mit den jetzigen Planungen nichts zu tun.
  • Für eine völlige Neuplanung hat die Stadt kein Geld.
  • Die Zeit reicht nicht aus, um Neuplanung, Genehmigungsverfahren, Ausschreibung, und Bau noch in diesem Jahr abzuschließen. Den im Stadtparlament bereits diskutierten Vorstellungen, dass bei einem Scheitern des Projekts die Großseelheimer Gelder für die Fertigstellung des Kleinseelheimer Kindergartens noch in diesem Jahr zu verwenden, erteilte Kirchner eine klare Absage. Die Stadt spare durch die erzwungene Aufgabe des Projekts kein Geld, sondern habe zusätzliche Kosten. „Wir müssen unserer Verpflichtung zur Pflege des über Jahrzehnte vernachlässigten Gewässers nachkommen und die gravierende Tiefenerosion des Bauerbachs beseitigen. Das wird für die Stadt teurer, weil wir dafür keine Zuschüsse bekommen und für die Anlieger deutlich ärgerlicher“, erklärte Kirchner.Die Stadt habe mit ihrer Planung, den Bach von den Gärten wegzuführen, die Nutzer der Gartenparzellen schützen wollen. Jetzt müssten illegale Einbauten wie Treppen und Staustufen zur Wasserentnahme für die Gärten beseitigt und möglicherweise auch zu dicht an der Gewässerparzelle stehende Zäune und Hütten versetzt werden, um Platz für die Arbeiten zu schaffen. Nach Ende der Vegetationsperiode werde es dazu eine Ortsbegehung mit der Fachbehörde des Landkreises geben, kündigte Jochen Kirchner an.

von Matthias Mayer

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