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Früheres Gasthaus steht bald bereit

Wohratal Früheres Gasthaus steht bald bereit

Im Januar ziehen die ersten Menschen in die nunmehr zweite größere Flüchtlingsunterkunft in Wohra ein. Dort mietet der Kreis Wohnraum für bis zu 60 Flüchtlinge.

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Marian Zachow informierte Dienstagabend über die Planungen in Wohra.

Quelle: Michael Rinde

Wohra. Etwa 20 Zuhörer, das wäre für eine normale Sitzung des Wohrataler Gemeindeparlaments schon eine stolze Zahl. Am Dienstagabend hätte der ein oder andere aber mit noch mehr Interesse gerechnet. Denn: Der Landkreis informierte über die Anmietung des früheren Gasthauses Nölp in der Biegenstraße in Wohra für die Unterbringung von Flüchtlingen.

Die Information übernahm Marian Zachow, der Erste Kreisbeigeordnete, verantwortlich für die Zweitunterbringung der Menschen, die dem Landkreis vom Land Hessen zugewiesen werden.

Zachow machte klar, wie dringend der Kreis aktuell und in Zukunft mehr denn je auf privaten Wohnraum angewiesen ist. Etwa 50 Menschen werden in dem ehemaligen Gasthaus, weitere 10 im angrenzenden Wohngebäude leben. Einschließlich der Flüchtlinge, die derzeit in der ersten Unterkunft leben, beherbergt allein Wohra in naher Zukunft rund 120 Flüchtlinge.

Hinzu kommt die geplante Clearingstelle, die betreute Unterkunft für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, in Halsdorf, voraussichtlich ebenfalls ab Januar.

Am Montag hatten Vertreter der Gemeinde und des Kreises mit dem Vermieter die Gebäude besichtigt. Die Umbauten sind inzwischen weit gediehen. „Dort ist eine menschenwürdige Unterbringung sichergestellt“, sagte Bürgermeister Peter Hartmann (parteilos) während der Sitzung.

Sozialarbeiter für Wohra

Laut Zachow wird angesichts des entsprechenden Schlüssels künftig ein Sozialarbeiter des Kreises weitgehend nur für die Betreuung der Flüchtlinge in Wohra verantwortlich sein. Die Fragen der Bürger, unter ihnen viele Mitglieder des „Runden Tisches Asyl“ aus Wohra, befassten sich mit dem künftigen Tagesgeschehen vor Ort.

Der Einzug der Menschen in die neue Unterkunft soll Zug um Zug geschehen. Ein Hausmeister zeichnet, so wie es die Gemeinde auch verlangt hatte, für die Organisation verantwortlich. Der Betreiber wird für die Grundausstattung verantwortlich sein, etwa für Bettwäsche, Handtücher oder Geschirr. Ausdrücklicher Wunsch des Gemeindevorstandes ist es, dass sich die Bürger Wohratals kurzfristig selbst bei einem Tag der offenen Tür einen Einblick verschaffen können.

Das hat der Vermieter auch schon in Aussicht gestellt. Ein Termin soll kurzfristig festgelegt und bekanntgegeben werden. Die Gemeinde hat ihr formelles Einvernehmen für die Umbauten erteilt, der Kreis ist für die Baugenehmigung verantwortlich. Aus Brandschutzgründen lehnt Wohratal aber eine Nutzung des Dachgeschosses ab - Wohratals Feuerwehr verfügt über keine Drehleiter. Aus dem Publikum wurde angemahnt, dass auch Wohratals Brandschützer eng mit der Unterkunft vertraut gemacht werden.

In der Unterkunft in der Straße „Zum Bahnhof“, die der „Runde Tisch“ begleitet, ist es Standard, dass der Hausmeister die Flüchtlinge wöchentlich zum Einkaufen nach Gemünden fährt. Ob das auch in der neuen Unterkunft so passieren wird, muss noch geklärt werden. Wohratal trägt bei der Verteilung der Flüchtlinge im Kreis, gemessen an der Größe der Gemeinde, bereits eine besondere Last. Die kleinste Gemeinde des Landkreises mit etwa einem Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung bietet ab 2016 etwa 2 Prozent der im Kreis wohnenden Flüchtlinge ein Quartier.

„Runder Tisch“ unterstützt

Der Gemeindevorstand hat deutlich Position bezogen und gegenüber dem Kreis klargestellt, dass damit eine Grenze erreicht ist. Zachow spricht bei der Unterbringung von Flüchtlingen „von einer angespannten Situation. Aber es gibt noch keine Lage, in der wir notbelegen müssten“. Hannelore Keding-Groll, Gemeindevertreterin und Ortsvorsteherin, fragte nach der finanziellen Seite bei der Vermietung.

Dort zeigte sich, dass der Betrieb einer Unterkunft für Vermieter durchaus lukrativ ist. Etwa 10 Euro pro Flüchtling und Tag erhält ein Vermieter, auch für seine Leistungen wie die Grundaustattung. Der Kreis will mit dem Betreiber der Unterkunft in der Biegenstraße einen Drei-Jahres-Vertrag schließen. Das ist kürzer als üblich. Damit kommt der Kreis laut Zachow der Gemeinde entgegen, die sogar einen Probebetrieb von nur einem Jahr verlangt hatte.

Der „Runde Tisch“ will laut dessen Sprecher Harald Homberger die neu hinzukommenden Flüchtlinge gerne auch begleiten, unterstützt möglicherweise von Flüchtlingen, die schon Fuß in der ersten Unterkunft gefasst haben.

von Michael Rinde

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