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Früheres "Aushängeschild" wechselt zur AfD

Kreisausschuss-Wahl Früheres "Aushängeschild" wechselt zur AfD

Morgen wählt der Kreistag die ehrenamtlichen Beigeordneten im Kreisausschuss. Völlig überraschend ist Ex-FDP-Mitglied Günter Schrantz ein Kandidat der AfD für dieses Gremium.

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Auf Platz eins der AfD-Bewerberliste dürfte Schrantz ein Mandat als ehrenamtlicher Beigeordneter im Kreisausschuss sicher haben.

Quelle: Archivfoto

Kirchhain. Vor wenigen Wochen legte Günter Schrantz (Archivfoto) sein für die FDP errungenes Mandat im Kirchhainer Stadtparlament nieder (die OP berichtete). Morgen kandidiert er für seine Partei, die AfD, für den Kreisausschuss, dem Gremium, das vergleichbare Aufgaben wie ein Magistrat hat. Schrantz bestätigte gestern entsprechende Informationen der OP auf Anfrage. Die AfD hat zwei Kandidaten für den Kreisausschuss nominiert. Auch der zweite Bewerber der AfD ist aus Kirchhain und dort politisch kein Unbekannter: Es ist Ludwig Nau, der in der vergangenen Legislatur für die Grünen im Magistrat saß. Nau trat anders als Günter Schrantz allerdings bereits bei der Kommunalwahl auf der Kreistagsliste der Alternative für Deutschland an. Ein Kreistagsmandat ist allerdings keine Voraussetzung für eine Wahl zum ehrenamtlichen Kreisbeigeordneten.

Günter Schrantz ist vor einigen Wochen bereits aus der FDP ausgetreten. Der Kirchhainer hatte seinen Mandatsverzicht im Stadtparlament seinerzeit schon damit begründet, dass er angesichts des Wahlergebnisses keine Möglichkeiten mehr dafür sehe, etwas zu bewirken. Hinzu kam für ihn die rot-rote Zählgemeinschaft im Stadtparlament und die Tatsache, dass die FDP kein Stimmrecht in Ausschüssen mehr erhalten sollte. Doch warum nun der Wechsel von den Liberalen hin zur AfD? Politisch verortet er sich selbst als Vertreter des „liberalen Flügels“ der AfD und sieht sich in der Tradition des einstigen Parteigründers Professor Bernd Lucke. Nein, er sei kein Anhänger des „ultrarechten Flügels der AfD“, sondern des „freiheitlichen Flügels“.

Das Verlassen der FDP ist ihm offenbar nicht schwergefallen. Er sei seit Jahren kein Anhänger der FDP mehr gewesen und habe über sie nur die Möglichkeit gesehen, im Stadtparlament etwas für Kirchhain zu erreichen. Dass ihm sein Schwenk schadet, fürchtet der Kirchhainer Gastronom nicht. „Als Rentner bin ich unabhängig“, sagt er.

Auf Platz eins der AfD-Bewerberliste dürfte Schrantz ein Mandat als ehrenamtlicher Beigeordneter im Kreisausschuss sicher haben. Die Mitglieder des Gremiums werden in geheimer Wahl nach dem Verhältniswahlrecht bestimmt. So regeln es Hessische Landkreisordnung wie auch Gemeindeordnung eindeutig. Bei der Kommunalwahl hatte Günter Schrantz für die FDP die meisten Stimmen geholt, stand am Ende auf Platz eins der Bewerber, die ins Stadtparlament einziehen. Während des Wahlkampfes hatten Unbekannte im Februar eine Wand seines Hauses beschmiert. „AfD ausladen“ stand dort (wir berichteten). In dem Restaurant fand am Tag nach der Sachbeschädigung eine Veranstaltung der Partei statt.

Angelika Aschenbrenner, Vorsitzende des FDP-Ortsvereins, weiß seit zwei Tagen davon, dass ihr bisheriger Mitstreiter die Partei gewechselt hat. Über seinem Mandatsverzicht war die Fraktionsvorsitzende seinerzeit erst von der Stadtverwaltung informiert worden. „Ich bin sehr enttäuscht und geschockt über die Entscheidung von Günter Schrantz“, sagte sie gestern auf Anfrage dieser Zeitung. Sie hob Schrantz früheres großes Engagement in den verschiedenen FDP-Gremien hervor, zwölf Jahre allein als Fraktionsmitglied. Sie hätte Verständnis aufbringen können, wenn Schrantz zu einer demokratischen Partei wie CDU oder SPD gewechselt wäre. „Es macht mich traurig, dass er sich ausgerechnet für die AfD entschieden hat“, sagt Aschenbrenner. Er sei früher ein liberales Aushängeschild gewesen. Der Kreisausschuss besteht aus 14 ehrenamtlichen Beigeordneten, außerdem aus Landrätin Kirsten Fründt und dem hauptamtlichen Ersten Beigeordneten Marian Zachow.

von Michael Rinde

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