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Früherer Soldat reflektiert seinen Einsatz in Afghanistan

Lesung Früherer Soldat reflektiert seinen Einsatz in Afghanistan

Der Förderverein Stab/Stabskompanie DSO organisiert am nächsten Dienstag eine besondere Lesung: Johannes Clair liest aus seinem Buch, das nach einem sechsmonatigen Einsatz in Afghanistan entstand.

Stadtallendorf. Sechs Monate war Johannes Clair für die Bundeswehr im Afghanistan-Einsatz, von Juni bis Dezember 2010. Sein Einsatz als Fallschirmjäger fiel in eine hochbrisante Zeit am Hindukusch. Die internationalen Streitkräfte waren in schwere Kämpfe mit den Aufständischen verstrickt, die Bundeswehr erlitt Verluste.

Das, was er in dieser Zeit erlebte, hat Johannes Clair in seinem Buch „Vier Tage im November - Mein Kampfeinsatz in Afghanistan“ gesammelt. Er schreibt aus der Perspektive des Soldaten, sehr intensiv, sehr dicht am Erlebten. Der Buchtitel bezieht sich auf eine Operation im November 2010, bei der 500 Soldaten offensiv gegen Aufständische im Norden Afghanistans vorgingen. Clair erlebte diese Operation aus der „Schützengraben-Perspektive“, unter ständigem Beschuss, unter ständiger Gefahr.

Am Dienstag, 4. Juni, ab 19.30 Uhr liest Johannes Clair im Ausstellungsraum der Stadtallendorfer Stadthalle. Veranstalter ist der Förderverein Stab/Stabskompanie DSO. Die Oberhessische Presse präsentiert und moderiert diese Veranstaltung mit einer anschließender Diskussion. Die Veranstaltung ist Teil der Kunst- und Kulturtage. Clair geht es nicht um die große politische Debatte über den Sinn des mittlerweile zwölf Jahre dauernden Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan. Er will Informationen liefern. „Ich will mehr Bewusstsein schaffen und Gedanken anstoßen“, sagt Johannes Clair im Gespräch mit der OP.

Interviews, die er während seines Einsatzes gegeben hatte, machten den Econ-Verlag auf Johannes Clair aufmerksam. So entstand die Idee zu diesem Buch aus der Sicht eines einfachen Soldaten im Fronteinsatz. Für Clair wurde aber schnell mehr daraus. „Als das Buch fertig war, war mir klar, dass es mir geholfen hat, den Einsatz einzuordnen“, sagt Clair. Den Begriff des Verarbeitens vermeidet er bewusst. Der 27 Jahre alte Student und Buchautor, der in Hamburg lebt, verfolgt das Geschehen in Afghanistan sehr bewusst. Es erschrecke ihn sehr, dass es immer noch kaum gelinge, auf sachliche Weise über den Afghanistan-Einsatz zu sprechen. Dem will Johannes Clair mit dem Buch, aber auch mit seinen Vorträgen und Lesungen begegnen. Er habe sich seinerzeit bewusst für den Afghanistan-Einsatz entschieden, um selbst ein Bild zu gewinnen. „Und ich merke die Auswirkungen des Einsatzes bis heute an an allen Ecken und Enden.“

Bei der Lesung von Johannes Clair haben Besucher die Möglichkeit, mit dem Autor in eine offene Diskussion über seine Erlebnisse und den Umgang damit einzutreten.

von Michael Rinde

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