Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
"Frischer Wind" soll neues Klima bringen

Bürgermeisterwahl "Frischer Wind" soll neues Klima bringen

Amöneburgs Fraktionen verzichten darauf, einen Kandidaten ins Rennen um das Amt des Bürgermeisters zu schicken - der Rathauschef wird am 19. März 2017 dennoch Konkurrenz bekommen.

Voriger Artikel
Der Sieger spielte "einen Tag lang Detektiv"
Nächster Artikel
Bahn setzt ihre Versprechen um

Der in Hatzbach lebende Kriminalbeamte Stefan Backhaus will Bürgermeister von Amöneburg werden.Privatfoto

Quelle: Photographer:Frank Wiegand

Amöneburg. Quasi aus dem Nichts wirft der in Hatzbach wohnende Stefan Backhaus seinen Hut in den Ring. Spontan hat er seine Entscheidung, als parteiloser, unabhängiger Kandidat bei der Amöneburger Bürgermeisterwahl 2017 anzutreten, allerdings nicht getroffen: Die Idee war über einen längeren Zeitraum hinweg gereift.

Ein Kollege sei vor einigen Jahren auf ihn zugekommen und habe gefragt, ob er nicht an der Bürgermeisterwahl in einer Gemeinde im südlichen Teil des Landkreises antreten wolle, erinnert sich der 53-Jährige. „Du kannst auf Menschen zugehen, sie begeistern, aber in festgefahrenen Situationen auch Brücken bauen“, habe der Kollege damals gesagt, berichtet der gebürtige Marburger Backhaus - der sich damals jedoch gegen eine Kandidatur entschied. Er habe sich, nachdem er 2004 als Kriminalbeamter nach Marburg versetzt worden war, zunächst wieder in der Region einleben wollen: „Aber im Laufe der Zeit bereute ich meine Entscheidung. Ich merkte, dass mich der Beruf des Bürgermeisters nicht mehr losließ.“ Er finde es zum einen reizvoll, eine Gemeinde mitzugestalten, und zum anderen, sich für die Bürger und deren Belange einzusetzen: „Die Vielseitigkeit des Arbeitens und das Repräsentieren der Stadt - das sind Dinge, die mich faszinieren.“ Noch dazu sehe er sich auch den rathausinternen Aufgaben gewachsen, schließlich habe er ein Fachhochschulstudium abgeschlossen und sei ­Diplom-Verwaltungswirt.

Und so reifte der Gedanke, bei einer Bürgermeisterwahl zu kandidieren, über mehrere Jahre hinweg: „Es ließ mich nicht los. Vor rund einem Dreivierteljahr wurde ich dann angesprochen, ob ich nicht in Amöneburg kandidieren wolle - eine Stadt, die ich über den Sport bereits gut kannte.“ Und vor allem eine Stadt, deren Kombination ihn reizt: Besonders sei die Verknüpfung von Historischem beziehungsweise gelebten Traditionen und den Herausforderungen der Gegenwart. „Die Menschen schaffen es, dies zu verbinden - was sie mir sehr sympathisch macht.“

Auch die Tatsache, dass die Amöneburger diskussionsfreudig, durchaus streitbar sind und Ecken und Kanten haben, scheint den Kriminalbeamten eher anzuziehen als abzuschrecken: „Ich habe keine Angst vor festgelegten Meinungen (...) und freue mich auch über Emotionen und Leidenschaft - solange man respektvoll miteinander umgeht.“ Sein Ziel sei es, im „gemeinschaftlichen Zusammenwirken“ Entscheidungen zu treffen und Politik zu machen, die Gremien und die Bürger also einzubringen und die politische Arbeit transparent zu machen. Der 53-Jährige will Ansprechpartner, Motivator und Vermittler sein und eine kreative Arbeitsatmosphäre schaffen, in der diskutiert und niemand übergangen wird. Wenn sich indes anbahne, dass sich im Diskurs keine Lösung finde, dann werde er „Manns genug sein“, eine Entscheidung zu treffen.

Mit dem Slogan „Frischer Wind und neue Chancen“ will Backhaus zur Wahl am 19. März 2017 antreten. Die notwendigen Unterschriften von Amöneburger Bürgern (es müssen doppelt so viele sein, wie es Stadtverordnete gibt, also 46) hat er allerdings noch nicht gesammelt - wohl aber bereits zentrale Themen herausgearbeitet: Er möchte Hauptaugen­merk auf Familienpolitik, Erneuerbare Energien, das Ehrenamt sowie Senioren- und Jugendarbeit legen. Beim letzten Punkt hat er beispielsweise andere Vorstellungen als die Amöneburger: Backhaus hält es für sinnvoll, einen hauptamtlichen Stadtjugendpfleger anzustellen, der täglich als Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche zur Verfügung steht.

Ansonsten plant er, im Austausch mit den Bürgern Anregungen für Themen zu sammeln: „Ich möchte hören, was die Menschen bewegt, was sie beschäftigt und wo sie sich Veränderungen wünschen.“ Er wolle den „unmittelbaren Kontakt“ zu den Menschen suchen, was eben nur in einer Gemeinde von überschaubarer Größe wie Amöneburg möglich sei.

Als eine Möglichkeit, um erstmals in Kontakt mit den Bürgern zu kommen, hat Backhaus den Sport ausgemacht - zum einen, weil er im Nebenberuf als Tennis- und Fitnesstrainer schon verschiedene Mannschaften der Großgemeinde auf die jeweilige Saison vorbereitet habe, zum anderen, weil sich über Sport Berührungsängste beziehungsweise Barrieren überwinden ließen: „Besonders jungen Menschen - auch denen, die noch nicht wählen dürfen - möchte ich vermitteln, dass sich jemand zur Wahl stellt, der ihre Sprache spricht und ein offenes Ohr für sie hat.“ Denn es sei ihm ebenfalls eine Herzensangelegenheit, ein Ansprechpartner „auf Augenhöhe“ zu sein - und zwar für alle Bürger.

Am Dienstagmorgen geht die Homepage www.backhaus-buergermeisterkandidat.de online. Zudem richtet Backhaus eine Facebook-Seite zu seiner Kandidatur ein.

Zur Person

Stefan Backhaus (53) ist gebürtiger Marburger, wuchs in Wehrda auf und kam 1982 zur Polizei. Nach vier Jahren in Mühlheim wechselte er 1988 nach Frankfurt, wo er für verschiedene Einheiten tätig war. Seit 1991 ist er bei der Kriminalpolizei. Zwischen 2001 und 2003 ließ er sich zum Diplom-Verwaltungswirt fortbilden. Im Jahr 2004 kam Backhaus zurück nach Marburg. Er ist zum zweiten Mal verheiratet und lebt seit 2014 mit Ehefrau Sandra und seiner Stieftochter in Hatzbach.

von Florian Lerchbacher

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostkreis

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr