Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Frauen fühlen sich diskriminiert

Weiberfasching Frauen fühlen sich diskriminiert

Die Katholische Frauengemeinschaft St. Michael fürchtet um den guten Ruf ihrer Weiberfastnacht. Denn ihr drohen Auflagen der Stadt. Die will, dass ein Sicherheitsdienst Taschen kontrolliert.

Voriger Artikel
Ein alter "Normag" steht jetzt wieder "im Dorf"
Nächster Artikel
Auch Kreistag widmet sich Intercity-Halten

Das Archivbild entstand bei einer der ersten Schunkelrunden beim Weiberfasching 2016.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Es gibt Risiko-Fußballspiele, bei denen Sicherheitsbehörden besondere Vorkehrungen treffen. Ab der nächsten Karnevalskampagne gibt es in Stadtallendorf zumindest eine „Risikoveranstaltung“ – und zwar den Weiberfasching der Katholischen Frauengemeinschaft (KfD) St. Michael. Zu dieser Einschätzung kommt offenbar Bürgermeister Christian Somogyi als Chef der Stadtverwaltung. Der Begriff „Risikoveranstaltung“ findet sich in der Antwort auf eine Anfrage des Stadtverordneten Manfred Thierau (Bürgerunion Stadtallendorf). Bürgermeister Christian Somogyi nimmt darin Stellung zu Ereignissen bei der letzten Weiberfastnacht im vergangenen Februar.

Dort hätte es vor Veranstaltungsbeginn beinahe einen Eklat gegeben. Ein privater Sicherheitsdienst, beauftragt von der Stadt, wollte dort die Taschen aller Besucherinnen auf mitgebrachten Alkohol kontrollieren. Nach einigen Diskussionen mit Vertreterinnen der KfD zogen die Sicherheitsdienstmitarbeiter wieder ab. In der Antwort auf Thieraus Anfrage verweist die Verwaltung darauf, dass die Veranstalter selbst Taschenkontrollen zugesagt hätten. Dass diese Kontrollen dann auch stattfanden, ist unbestritten. Allerdings gab es bei den Aufräumarbeiten dann einen Fund, wie die Verwaltung berichtet: 521 Fläschchen Schnaps und einen Karton mit Sekt und Wodka. Dies seien alles Marken gewesen, die der Bewirtschafter nicht verkauft hätte, sprich, sie wurden „hereingeschmuggelt“. Für den Bewirtschafter, Caterer genannt, bedeutete dies neben den Aspekten des Jugendschutzes einen Einnahmeverlust von 1000 Euro.

Über die Einstufung als „Risikoveranstaltung“ sind Annemarie Hühn als Vorsitzende und Simone Falker als zweite Vorsitzende verärgert und entsetzt. „Ich fühle mich als Frau diskriminiert. Wir Frauen sind also jetzt ein Risikofaktor“, sagt Falker.

Ein Verein will freiwillig Sicherheitsdienst prüfen

Sie verweist darauf, dass einzig der Weiberfasching mit Auflagen versehen werden soll, andere Karnevalsvereine wie die Kolpingfamilie oder der FCKK offenbar nicht. Der FCKK hat nach Aussage der Stadt freiwillig angeboten, über einen Sicherheitsdienst für seine Veranstaltung nachzudenken. Von der Kolpingfamilie Stadtallendorf ist noch nichts bekannt; wie es mit den übrigen Vereinen in den Stadtteilen aussieht, wurde bisher noch nicht angesprochen. Annemarie Hühn fürchtet um den Ruf des Weiberfaschings, den es in dieser Form seit 1988 in der Stadt gibt. Es habe nie Schlägereien oder Krankenwagen-Einsätze in dieser Zeit gegeben, stellt Hühn fest. Bürgermeister Christian Somogyi hält in der Antwort auf die Anfrage von Manfred Thierau aber fest, dass „augenscheinlich junge Mädchen am Ende betrunken waren“. Hühn und Falker verweisen darauf, dass es an dem Abend keinerlei Hinweise an die Veranstalter darauf gegeben habe.

Der Stadtallendorfer Weiberfasching ist eine reine Veranstaltung von Frauen für Frauen, sprich, Männer haben keinen Zutritt, außer als Helfer für die Dekoration. Als Gäste waren in den vergangenen Jahren nur der Bürgermeister und der Erste Stadtrat zugelassen. Beide arbeiten während der Veranstaltung an der Sektbar.

Im Nachgang zum Weiberfasching 2016 gab es ein Treffen von Vereinen und Stadt, um das Thema „Jugendschutz und Taschenkontrolle“ zu klären. Wie Simone Falker der OP berichtet, sollten die Gespräche eigentlich noch fortgesetzt werden.

Einsatz von Bändchen als Altersnachweis

Grundsätzlich im Gespräch ist, dass bei Stadtallendorfer Karnevalsveranstaltungen künftig bei Jugendlichen farbige Bändchen eingeführt werden, an denen Bedienungen erkennen, wie alt diese sind – und ob an sie überhaupt Alkohol verkauft werden darf. „Wir sind sehr für den Jugendschutz“, betont Falker. Die Einführung der Bändchen habe sie selbst der Stadt vorgeschlagen.

Bürgermeister Somogyi hält auf Anfrage der OP an seiner Bewertung und den angekündigten Auflagen fest. Er verweist auf Jugendschutzrecht wie auch die Fürsorgepflicht. Das Hausrecht beim Weiberfasching habe die Stadt ausgeübt, die KfD habe es im Vorfeld nicht übernehmen wollen. Außerdem seien Einlasskontrollen bereits seit vielen Jahren Thema. „Wenn etwas passiert, wird es um die Frage der Haftung gehen“, sagt Somogyi. Doch warum wird nur die Frauengemeinschaft KfD angesprochen? „Die Problematik sehe ich bei den anderen Veranstaltern nicht“, erwidert Somogyi – und verweist auf das freiwillige Angebot des FCKK.

Kostenpunkt: 90 Euro

Den Sicherheitsdienst soll die Katholische Frauengemeinschaft bezahlen, die Verwaltung spricht von 90 Euro Kosten. Selbst dieser Betrag wird der KfD nach den Worten von Annemarie Hühn wehtun. „Es bleibt beim Weiberfasching für uns nichts übrig“, sagt sie und verweist auf Ausgaben für Kapelle und Stadthalle. Wie für anderer Vereine auch gibt es keine Einnahmen aus dem Getränkeverkauf. Der liegt allein in Händen des Caterers.

Trotzdem soll es im nächsten Jahr einen Weiberfasching geben. „Wie der aussehen wird, das wissen wir aber noch nicht“, sagt Hühn. Darüber solle im Vorstand beraten und entschieden werden. Sterben lassen will sie die Veranstaltung aber nicht, wenn es nach ihr geht.

von Michael Rinde

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr