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Frauen empört über "Sparvorschlag"

Stadtallendorf Frauen empört über "Sparvorschlag"

Der Ältestenrat des Stadtallendorfer Stadtparlaments soll sich mit einer Äußerung von Manfred Thierau während der jüngsten Haushaltsdebatte auseinandersetzen, möglicherweise in einer Sondersitzung.

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Manfred Thierau, auf dem Archivfoto während einer Kreistagssitzung, hat für Äußerungen im Stadtparlament Empörung geerntet.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Als sich Manfred Thierau in seiner Haushaltsrede am 31. Januar dem Thema Energieeinsparung widmete, machte er einen Vorschlag, der im nachhinein deutliche Proteste ausgelöst hat. Wie die OP am 2. Februar berichtete, gab Thierau folgende Empfehlung an die Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung: „Es ist nicht notwendig, dass sich unsere lieben Mitarbeiterinnen mit kurzen Röckchen bekleiden und den Winter zum Sommer machen. Die sollen sich anständig anziehen und dann wird eine Wärmereduzierung auch nicht bemerkt.“ Thierau hatte zuvor damit argumentiert, dass ein Grad Wärmereduzierung eine Einsparung von sechs Prozent bei den Heizkosten bedeuten könne.

In der Debatte hatte sich Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) gleich vor seine Mitarbeiterinnen gestellt (diese Zeitung berichtete).

Wie die OP erfuhr, haben sich zwischenzeitlich die städtische Frauenbeauftragte Renate Weitzel und auch der Gesamt-Personalrat der Stadtverwaltung schriftlich an Stadtverordneten-Vorsteher Hans-Georg Lang (CDU) gewandt. Sie sei von sehr vielen verärgerten Frauen gleich am Montag, nach Erscheinen des OP-Berichts, angesprochen worden. „Wir waren alle empört darüber. Das war ein gänzlich unpassender ,Einsparungsvorschlag‘“, fasst es Weitzel zusammen. Thierau verärgere die Mitarbeiterinnen, die wirklich gute Arbeit leisteten. Weitzel denkt an eine Entschuldigung Thieraus. Volle Rückendeckung bekommt die Frauenbeauftragte dabei auch vom Personalrats-Vorsitzenden Rolf Weber. Für ihn war zunächst auch die Frage wichtig, ob es sich bei Thieraus Aussage um eine Einzelmeinung gehandelt hat oder ob noch mehr Stadtverordnete so denken. Das habe sich zwischenzeitlich aber geklärt.

Lang sieht sich in Rollenkonflikt

Weber stellt klar: „Wir haben ein gutes Verhältnis zwischen Kommunalpolitik und Verwaltung und wollen auch, dass das so bleibt.“ Auch der Personalrat wäre froh, wenn sich Thierau entschuldigte.

Ansprechpartner für die Interessensvertreter ist der Stadtverordnetenvorsteher, der in der Debatte auf eine deutliche Reaktion verzichtet hatte. Theoretisch stünden Lang dafür die Möglichkeiten des Ordnungsrufes oder gar eines Sitzungsausschlusses zur Verfügung. Lang hat auf das Schreiben der Frauenbeauftragten gleich reagiert und Thierau aufgefordert, Stellung zu beziehen. Er will die Äußerungen zum Thema im nichtöffentlich tagenden Ältestenrat machen. Ob das in der regulären Sitzung am 27. März oder in einer Sondersitzung geschieht, ist noch offen. Bisher habe er von Manfred Thierau noch nichts gehört, erklärt er der OP. Lang verdeutlicht den Rollenkonflikt, in dem er sich als Stadtverordneten-Vorsteher sieht. Er müsse zum einen das Recht auf freie Meinungsäußerung gewährleisten. Zum anderen habe er darauf zu achten, dass es nicht zu Beleidigungen kommt. Nach seiner Interpretation waren Thieraus Worte aber noch nicht beleidigend. „Ich halte sie aber weder für inhaltlich richtig, noch halte ich sie für sprachlich gelungen“, betont Lang.

Thierau selbst kann die ganze Aufregung um seine Äußerungen nicht verstehen. Er sehe keinen Grund sich zu rechtfertigen, erklärt er im Gespräch mit der OP. Ihm sei zugetragen worden, dass es in der Verwaltung ständig zu warm sei. „Und außerdem denke ich, dass es für eine Frauenbeauftragte wichtigere Themen gibt als das“, sagt Thierau und betont sein Recht auf eine freie Meinungsäußerung.

von Michael Rinde

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