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Fragen über Fragen - aber keine einzige Antwort

Gericht Fragen über Fragen - aber keine einzige Antwort

Zahlreiche offene Fragen, keine Beweise und letztendlich "nur" ein einziges Foto mit kinderporno­grafischem Inhalt - vor diesem Hintergrund endete eine Verhandlung mit einer Einstellung.

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Neustadt. Gehörten die Kinderpornos tatsächlich dem Angeklagten? Hatte die einstige Ehefrau die Bilder auf den Computer geladen? Oder hatte der befreundete PC-Experte sich die Fotografien auf dem Laptop angeschaut, bevor er das Gerät an den Angeklagten verkaufte?

Fragen über Fragen gab es während der Verhandlung gegen einen 49 Jahre alten Neustädter, der sich wegen des Besitzes von Kinderpornos vor dem Kirchhainer Amtsgericht verantworten musste. Nur: Antworten ließen sich keine finden. Noch dazu drehte es sich in der Verhandlung letztendlich nur noch um eine einzige Fotografie. Am Ende waren sich Richter, Staatsanwalt und Verteidiger einig: Bei aller Neugier erscheint eine Einstellung nach Paragraf 153 II der Strafprozessordnung angezeigt - womit sich alle Beteiligten dann auch abfanden.

14 Bilder kinderpornografischen Inhalts sollte der Angeklagte im Februar 2013 auf Festplatten und Handys gespeichert haben. Und zwar auf Geräten, die allesamt bei seiner Frau in der Wohnung standen - noch dazu zu einem Zeitpunkt, als der inzwischen 49-Jährige bereits fast ein halbes Jahr nicht mehr dort wohnte. Entsprechend verwundert zeigte sich der Mann, wie er sich die Bilder angeschaut haben solle, wenn er doch gar keinen Zugang zur Wohnung hatte. „Es wäre doch irre, auszuziehen und dem Feind Beweismittel stehenzulassen“, warf sein Anwalt im Hinblick auf die Trennung ein.

Ein weiterer Punkt, der für Verwunderung sorgte: Einige Bilder sollen sich auf einem Rechner befunden haben, der als Ersatzteillager gedient hatte und somit weder mit Festplatte noch mit Grafikkarte ausgestattet war. Eine Erklärung hatte der Angeklagte nicht parat, nur eine Vermutung: Vielleicht habe der „technikbewanderte“ Bekannte die Bilder auf das Gerät gespielt. Das Datum des Verkaufs und des letzten Zugriffs auf die Bilder „dürften ja fast zeitlich sein“, warf Richter Edgar Krug ein. Oder es sei eben ein Racheakt der Ehefrau gewesen, ergänzte der Angeklagte.

„Ich weiß nicht, wie es zu einem Tatnachweis kommen soll“, kommentierte der Verteidiger nach der Befragung seines Mandanten und den aufgekommenen offenen Punkten. Richter Krug fügte hinzu, dass sich die Verhandlung letztendlich nur um ein Bild drehe - und der Angeklagte zum Zeitpunkt des letzten Zugriffs keinen Zugang zur Wohnung hatte und somit als Täter eigentlich nicht in Frage komme. Noch dazu mache es nicht viel Sinn, drei Jahre nach der angeblichen Tat Details herausfinden zu wollen. Des Weiteren sei es „nicht die schlimmste“ kinderpornografische Schrift gewesen, mit der er es in den vergangenen Jahren zu tun gehabt habe. Entsprechend lautete sein Fazit: „Lassen wir es dabei.“ Die Verhandlung endete daher mit einer Einstellung wegen Geringfügigkeit.

von Florian Lerchbacher

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