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Fragebogen-Ergebnis macht Mut

Bioenergie für Kleinseelheim? Fragebogen-Ergebnis macht Mut

Zehn Bioenergiedörfer existieren bereits im Landkreis oder befinden sich aktuell in der Planung. Kleinseelheim könnte schon bald das elfte sein.

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Rund 90 Zuhörer informierten sich im Kleinseelheimer Dorfgemeinschaftshaus, auf welchem Weg sich der Ort unabhängig vom Heizölpreis machen kann. Foto: Yanik Schick

Kleinseelheim. Ob das Projekt, das derzeit nur aus einer Ideenskizze besteht, tatsächlich vorangetrieben wird, hängt nun vom Willen der Bürger ab. Das machte Ortsvorsteher Professor Rainer Waldhardt am Freitagabend deutlich. 90 Besucher waren zu einer Infoveranstaltung ins Dorfgemeinschaftshaus gekommen. Sie alle waren zum Schluss dazu aufgerufen, einen Fragebogen auszufüllen. Eine der wichtigsten Fragen: „Sind sie bereit, sich finanziell an den Kosten einer Machbarkeitsstudie zu beteiligen?“

Eine Machbarkeitsstudie ist unabdingbare Voraussetzung für den Einstieg in eine konkrete Planung. Die Stadt Kirchhain werde zwar die Bürger unterstützen, sich aber nicht an der Finanzierung der Studie beteiligen, erklärte Kirchhains Bürgermeister Jochen Kirchner. Im benachbarten Rauschenberg hatte die Stadt die Machbarkeitstudien für das Bioenergiedorf Schwabendorf und die Nahwärmepläne für die Kernstadt vorfinanziert.

Im Gegensatz zu den Bioenergiedörfern in der Umgebung gibt es in Kleinseelheim keine Biogasanlage als Wärmequelle, und diese sei auch nicht erwünscht, sagte der Ortsvorsteher mit Blick auf die bekannte Maisproblematik. Damit entfällt für die Kleinseelheimer die Option, über den Wärmepreis nur den Bau und Betrieb eines Nahwärmenetzes finanzieren zu müssen.

Landrätin Kirsten Fründt erklärte, dass der Landkreis die Dorfgemeinschaft in Sachen Machbarkeitsstudie finanziell unterstützen werde - wenn diese von den Bürgern mehrheitlich gewollt sei. Die Landrätin berief sich dabei auf das vom Kreistag 2007 formulierte Ziel, wonach der Landkreis bis 2040 energieautark sein soll.

Die Zukunft der Wärmeversorgung in Kleinseelheim hängt somit also auch stark davon ab, inwieweit der einzelne Bürger bereit sein wird, seinen Beitrag an diesem Projekt zu leisten. Um die Bereitschaft zu wecken und gleichzeitig Mut zu machen, war Dr. Norbert Clement, der Fachdienstleiter Erneuerbare Energien des Landkreises, nach Kleinseelheim gekommen. Er skizzierte Vorteile und Fördermöglichkeiten eines solchen Unternehmens.

„Fangen Sie es an! Eslohnt sich, es bringt was.“

Aus der Praxis berichteten Hans Bertram (Bioenergiedorf Oberrosphe) und Bernd Riehl (Bioenergiedorf Erfurtshausen). In Oberrosphe versorgt ein Holzhackschnitzel-Heizwerk das Dorf mit Nahwärme. In Erfurtshausen tut das eine Biogasanlage, die in Spitzenlastzeiten durch ein Holzhackschnitzel-Heizwerk unterstützt wird. „Fangen Sie es an! Es lohnt sich, es bringt was“, bilanzierte Hans Bertram. Bernd Riehl ergänzte: „Sie müssen über die Machbarkeitsstudie die für ihren Ort optimale Lösung finden.“

Wie diese aussehen könnte, zeigte Peter Momper auf, der Projektleiter der Bioenergieregion Mittelhessen. Im Vogelsberg leitet er eine Initiative, die aus dem Schnittgut von den in diesem Landkreis 15 000 vorhandenen Hecken Hackschnitzel gewinnt und mit diesen Energie erzeugt. Er zeigte den Kleinseelheimern, wie eine standortspezifische Nahwärmeversorgung aussehen könnte.

Am Samstag teilte Ortsvorsteher Waldhardt gegenüber der OP das vielversprechende Ergebnis der Befragung mit: 51 Kleinseelheimer machten mit, darunter 42 Hauseigentümer. 94 Prozent der Befragten plädierten für eine Machbarkeitsstudie. 85 Prozent sind bereit, die Studie mit einmalig 50 beziehungsweise 100 Euro zu unterstützen. Der Ortsbeirat werde diese Ergebnisse in seiner nächsten Sitzung beraten und sich mit der Finanzierung befassen sagte der Ortsvorsteher.

von Yanik Schick

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