Volltextsuche über das Angebot:

22 ° / 9 ° wolkig

Navigation:
Forum scheitert an 325 Euro

Soziales Netzwerk kann Miete nicht bezahlen Forum scheitert an 325 Euro

Den „Markt der Möglichkeiten“ für das Altwerden in vertrauter Umgebung wird es in diesem Jahr nicht geben. Das hat der Vorstand des Sozialen Netzwerks Kirchhain einstimmig beschlossen.

Voriger Artikel
Neuer Anlauf für ein Abitur vor Ort
Nächster Artikel
Freibad-Förderverein vor der Gründung

Der Schreiner Reiner Hofmann präsentierte beim Forum 2015 im Kirchhainer Bürgerhaus Schubladen, die nicht nur für alte Menschen besonders leicht zu bedienen sind. Archivfoto: Schick

Kirchhain. Die gemeinsame Veranstaltung mit der Stadt Kirchhain werde es aus finanziellen Gründen nicht geben, sagte die Vereinsvorsitzende Adelheid Sauer gegenüber dieser Zeitung. Die Stadt habe dem Sozialen Netzwerk das Bürgerhaus zum halben Mietpreis für 325 Euro angeboten - alternativ dazu eine Spende in gleicher Höhe an das Jukuz oder eine ­Kita. Das könne der Verein nicht bezahlen.

Beim ersten Forum „Zukunft Lebensraum in Kirchhain und seinen Stadtteilen“ habe die Stadt das Bürgerhaus unentgeltlich für die Info-Veranstaltung zur Verfügung gestellt, sagte Adelheid Sauer.

Bürgermeister Olaf Hausmann erklärte dazu, dass er als Bürgermeister verpflichtet sei, alle Vereine gleich zu behandeln. Wenn die im sozialen Bereich tätigen Vereine wie DRK und VdK für das Bürgerhaus Miete zahlten, müsse dies das Soziale Netzwerk ebenfalls tun. Die Stadt sei auch gern bereit, als Co-Veranstalter bei dem Forum mitzuwirken. Wer dies wolle, müsse sich aber rechtzeitig darum kümmern und nicht erst, wie im konkreten Fall geschehen, erst zwei Monate vor dem Termin.

Grundsätzlich warb der Bürgermeister dafür, eine solche Veranstaltung auf breitere Füße­ zu stellen. Die könnte vom ­Seniorenbeirat koordiniert und von allen Sozialverbänden der Stadt gemeinsam gestaltet werden, sagte Olaf Hausmann.

Adelheid Sauer erklärte gegenüber der OP, dass das Soziale Netzwerk mit seinen 40 Mitgliedern mit den großen und mitgliederstarken Organisationen wie DRK und VdK wirtschaftlich nicht vergleichbar sei. Der Verein könne geradeso seine Fixkosten, zu denen die Mittel für die Nebenkosten der Räume in der Biegenstraße gehören, decken. Zudem wies sie den Vorwurf des Bürgermeisters zurück, die Stadt zu spät informiert zu haben. Die Veranstaltung sei bereits mit dem Weihnachtsbrief angekündigt und der Bürgermeister zum Vorbereitungstreffen am 8. Februar eingeladen worden. Vonseiten der Stadt sei ihr Vorstand aufgefordert worden, vor diesem Treffen dem Bürgermeister eine Konzeption für das Forum vorzulegen.

Das Konzept beruhe auf den Überlegungen, die Anfang März 2015 zu dem erfolgreichen ersten Forum geführt haben. Dieses Konzept hätte am 8. Februar im gemeinsamen Gespräch weiterentwickelt werden sollen, sagte Adelheid Sauer der OP.

Grundidee für das erste Forum mit 24 Ausstellern war es, in Form einer kleinen Messe­ ein niederschwelliges Angebot für Besucher zu schaffen, die heute schon Vorkehrungen für ein möglichst langes selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden treffen wollen. Ebenso richtete sich das Angebot an Angehörige älterer Menschen mit Beeinträchtigungen, die ein besseres Wohnungsumfeld oder externe Hilfen benötigen, um möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung bleiben zu können.

Geringe Standgelder hätten Problem lösen können

Dazu waren unter anderem Hilfs- und Pflegedienste, Fachfirmen, Beratungsstellen und Bauleute erschienen, die Möglichkeiten aufzeigten, wie im Bestand von Häusern oder Wohnungen oft mit einfachen Mitteln Barrierefreiheit hergestellt werden kann. „Die Veranstaltung hat Türen geöffnet und die Betroffenen informiert. Es geht um eine bessere Lebensqualität für Pflegende und Gepflegte.­ Alte Menschen sollen nicht in Isolation und Einsamkeit leben“, beschreibt Adelheid Sauer die Zielsetzung für das Forum, die zugleich die selbstgesteckte Kernaufgabe des Sozialen Netzwerks ist.

Und das sind Sätze, die der Kirchhainer Magistrat sicherlich Wort für Wort unterschreiben würde. Schließlich befasst man sich im Kirchhainer Rathaus nicht erst seit gestern mit dem demografischen Wandel, barrierefreiem Wohnen und dem Pflegenotstand.

Da ist es einfach ärgerlich, dass eine solche Veranstaltung zum Wohle pflegebedürftiger Menschen und deren Angehörigen wegen 325 Euro ausfallen soll. Und das in einer Stadt, die sich auch dank der herausragenden Leistungen des Sozialen Netzwerks auf diesem Gebiet einen weit über die Stadtgrenzen hinausgehenden erstklassigen Ruf erworben hat. 325 Euro hätte man locker über marginale Standgelder der Aussteller reinholen können - egal wer Ausrichter ist.

von Matthias Mayer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Auf der Meinungsseite der OP finden Sie Kommentare zu lokalen und regionalen Ereignissen und zum politischen Weltgeschehen. Sportliche "Einwürfe" und lokale Glossen gehören zum meinungsstarken Erscheinungsbild der Oberhessischen Presse. mehr