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Folgen des Terrors erreichen Stadtallendorf

Opfer Folgen des Terrors erreichen Stadtallendorf

Nachbarn des Ermordeten und seiner verletzten Frau erfuhren durch überregionale Medienvertreter vom Schicksal des Stadtallendorfer Ehepaars. In der Stadt sind die Flaggen seit dem Nachmittag auf halbmast gesetzt.

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In diesem Wohnhaus in Stadtallendorf lebte eines der Terroropfer von Istanbul.

Quelle: Thorsten Richter

Stadtallendorf. Das Haus des Paares in einer ruhigen Wohngegend ist zugleich auch die Adresse des kleinen Spezialunternehmens, das der Ermordete betrieb. Einige der Jalousien waren Mittwochmittag heruntergelassen, in dem Haus wohnen auch Mieter.

Am Mittag hatte sich die Horrornachricht, dass der 67-Jährige beim Selbstmordanschlag auf dem Istanbuler Sultanahmet-Platz ums Leben gekommen war, noch nicht überall herumgesprochen. Mehrere Nachbarn erfuhren die Neuigkeit von den zahlreichen überregionalen Medienvertretern, die nach Stadtallendorf gekommen waren.

Ein Bekannter des 67-Jährigen hatte am späten Vormittag Gewissheit. Er wusste, dass das Paar auf Istanbul-Reise wollte. Am Dienstag hatte er noch gehofft, dass sein Bekannter zum Zeitpunkt des Attentats vielleicht nicht an dem Ort nahe der weltberühmten Hagia Sophia und der Blauen Moschee gewesen ist. „Ich hatte gehofft, die beiden wären da vielleicht Schmuck kaufen gewesen“, formulierte er im Gespräch mit dieser Zeitung.

Viele Stadtallendorfer, die im Laufe des Tages erfuhren, dass der Terror auch ein Opfer in ihrer Stadt gefordert hatte, reagierten übereinstimmend. „Jetzt merkt man, wie nahe das alles plötzlich kommen kann“, sagte zum Beispiel Carmen Giani. Sie ist eine Nachbarin. Sie beschreibt das Opfer als „offen, nett und hilfsbereit“. Um so schwerer fiel es ihr gestern, überhaupt von ihm und seiner Familie zu erzählen.

Ähnlich charakterisiert auch der Bekannte des 67-Jährigen die ganze Familie, spricht vom Toten als einen „guten Kumpel“. Im Gespräch mit dieser Zeitung kreisten die Gedanken immer wieder um die 50-Jährige, die verletzt wurde. „Mit einem Schlag ist plötzlich das alte Leben weg“, beschreibt er ihre Situation aus der Distanz heraus. Im Rathaus traf die Nachricht, dass ein Stadtallendorfer unter den Terroropfern ist, im Laufe des Vormittages ein. Dann folgten zahllose Anrufe, auch von Menschen aus Stadtallendorf, die einfach nur wissen wollten, um wen es sich handelte. Bürgermeister Christian Somogyi hatte am Nachmittag Kontakt mit dem Sohn des Ermordeten, der in einer anderen hessischen Stadt lebt. „Er war dankbar über die Anteilnahme aus Stadtallendorf“, sagte Somogyi gegenüber der OP.

Zum Zeichen der Trauer und Anteilnahme setzte die Stadt im Laufe des Nachmittags Flaggen vor dem Rathaus und an allen Bürgerhäusern auf halbmast. Ob und in welcher Form es ein öffentliches Gedenken für den Ermordeten geben wird, will Somogyi eng mit den Angehörigen abstimmen. Derzeit müssten die Angehörigen vor allem selbst erst einmal mit der Situation zurechtkommen.

„Wir trauern mit ihnen. Dieses Ereignis zeigt uns, dass die Welt kleiner ist, als wir denken“, sagte Somogyi.

„Ich bin erschüttert, und unsere Gedanken sind jetzt bei den Angehörigen des Ehepaars“, sagte Landrätin Fründt. Sie wünsche den Angehörigen der Opfer viel Kraft in sehr schweren Stunden. Der Terrorismus sei jetzt erst recht nicht mehr nur etwas, das man als abstraktes Fernsehbild wahrnimmt.

„Der Terror und seine Folgen sind nun noch einmal stärker in unser Bewusstsein gerückt“, erklärte die Landrätin.

von Michael Rinde

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