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Förderverein des Kulturspektakels schmeißt hin

Das Ende Förderverein des Kulturspektakels schmeißt hin

Die Mitglieder des Fördervereins Kulturspektakel streichen die Segel - zum einen, weil sie ihre Arbeit nicht gewürdigt sehen, zum anderen, weil der Gürtel mit der finanziellen Limitierung zu eng geschnallt wurde.

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Das Kulturspektakel dürfte nun, da die Vorstandsmitglieder des Vereins hingeworfen haben, verblüht sein.Archivfoto

Amöneburg. „Es geht nicht nur ums Geld. Es geht um Respekt und Wertschätzung“, sagt Gabriele Clement, Beisitzerin des Fördervereins Kulturspektakel. Sie und ihre Mitstreiter investierten viel Zeit und Mühen, um liebevoll Veranstaltungen zu gestalten. Für ihren Einsatz gebe es aber – abgesehen von den positiven Reaktionen von Kulturliebhabern – fast nur demotivierende Kritik. „Es entsteht außerdem der Eindruck, dass wir nur Geld aus dem Fenster werfen“, moniert Inge Eismann-Nolte, ebenfalls Beisitzerin des Vereins.

Seit der Premiere im Jahr 2008 war das Amöneburger Kulturspektakel gleichermaßen beliebt wie auch umstritten. Immer wieder stand es in der Kritik. Zu sehr sei die Reihe auf die Kernstadt – in der die meisten Veranstaltungen stattfanden – fixiert. Die Stadtteile kämen zu kurz. Die heimischen Vereine würden zu wenig eingebunden. Der Bauhof müsse sich zu stark engagieren. Und vor allem: Das Kulturspektakel sei zu teuer.

Zwischenzeitlich sah es so aus, als würden die Vereinsmitglieder und die Stadtverordneten einen Mittelweg finden. Doch es kam immer wieder zu Scharmützeln in der Stadtverordnetenversammlung, an deren Ende eine von CDU und FWG durchgeboxte Entscheidung stand, dem Kulturspektakel ein finanzielles Limit von 10000 Euro zu setzen – einzurechnen sind dabei „sämtliche Aufwendungen“, also auch die Kosten für den Einsatz von Verwaltung und Bauhof.

Winfried Kaul, Fraktionsvorsitzender der SPD, legte daraufhin sofort sein Amt als Kassierer des Kulturspektakel-Vereins nieder. Er orakelte, dass die finanzielle Limitierung das Ende des Kulturspektakels bedeute. Seine Mitstreiter vom Vorstand machten es ihm am Freitag nun nach und strichen die Segel.

Sie kritisierten quasi, dass ihre Arbeit und ihr ehrenamtlicher Einsatz nicht angemessen gewürdigt werde. Noch dazu sei „eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen des Spektakels die Unterstützung durch städtische Ressourcen“ wie Verwaltung, Bauhof und Fuhrpark. „Dies war und ist für uns unabdingbar und immer offen kommuniziert worden. Auf den Punkt gebracht: Das Amöneburger Kulturspektakel in seiner bisherigen Qualität ist ohne diesen Support nicht machbar“, teilen sie mit und betonen: Nur in „der Verschränkung von kommunalem und ehrenamtlichem Knowhow kann eine bürger- und ressourcenorientierte Kulturarbeit gelingen“. Es sei „selbstverständlich“, dass die Stadt als Veranstalter das Spektakel mitorganisieren und die Ehrenamtler mit ihren Ressourcen unterstützen müsse.

„Billiger kann man so viel Kultur nicht bekommen“, sagt Eismann-Nolte und verweist darauf, dass die Vereinsmitglieder zum einen ihre Vernetzung nutzten, und zum anderen eigenes Material zur Verfügung stellten: „Ich habe jedes Jahr mindestens Mikrofone, Anlage und Ähnliches in einem Wert von mehr als 6000 Euro eingebracht – und das kostenlos“, hebt Werner Eismann, der zweite Vorsitzende, hervor.

Wenn die Stadt als Veranstalter fungiere, dann müsse sie auch Ressourcen einbringen, sagt Clement. Wer den Einsatz von Verwaltungsmitarbeitern oder des Bauhofs oder die Nutzung von Fahrzeugen zu den Kosten zähle – was die Leiterin der Volkshochschule des Landkreises ohnehin für fragwürdig hält – dürfe auch die „Umwegren-tablität“ kultureller Veranstaltungen nicht vergessen. Sprich: Die Besucher würden vor oder nach den Veranstaltungen die Gastronomie nutzen oder in den Geschäften bummeln und einkaufen. Und kämen vor allem wieder – am besten noch mit Freunden und Verwandten: „Und damit rechnet sich das Ganze“, sagt sie. Abgesehen davon engagierten sich Verwaltung und Bauhof auch bei der Vorbereitung anderer Veranstaltungen, zum Beispiel bei Konzerten der Bundeswehr oder dem Tag der Landwirtschaft. „Und da kräht auch kein Hahn danach.“ Fakt jedenfalls ist: „In diesem zu engen Rahmen sehen wir uns nicht in der Lage, die für 2016 geplanten Veranstaltungen in gewohnter Qualität und Verantwortung ehrenamtlich mitzuorganisieren“, heißt es in der Pressemeldung.

Ohne den Einsatz der Ehrenamtler dürfte das Ende des Kulturspektakels gekommen sein. Diese hoffen zwar noch, dass die neue Stadtverordnetenversammlung nach der Kommunalwahl, „rettet, was zu retten ist“. Es scheint allerdings angesichts der Diskussionen der vergangenen Jahre unwahrscheinlich, dass die Stadtverordneten – selbst in neuer Besetzung – die jüngst getroffene Entscheidung kippen. „Wir hoffen auf Zuckungen der Bürger“, gibt Clement aus. Bürgermeister Michael Richter-Plettenberg jedenfalls ist enttäuscht. Die Stadt stehe finanziell wieder gut da: „Eigentlich könnten wir es uns leisten, ein solches Highlight wie das Kulturspektakel zu setzen.“ Es sei eben eine Grundsatzfrage, ob eine Stadt wie Amöneburg kulturelle Veranstaltungen brauche. Und diese würden die meisten Stadtverordneten scheinbar mit „Nein“ beantworten.

von Florian Lerchbacher

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