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Flüchtlinge verlassen die Hessenkaserne

Erstaufnahmeeinrichtung in Reserve Flüchtlinge verlassen die Hessenkaserne

Die Hessenkaserne in Stadtallendorf wird als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge „passiv gestellt“. Diese Botschaft traf die Verantwortlichen am Mittwoch nach OP-Informationen wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

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Die Stadtallendorfer EAE in der Hessenkaserne wird demnächst geräumt.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Die Nachricht aus dem hessischen Finanzministerium machte Mittwoch in den Mittagsstunden zunächst als Gerücht die Runde.

Stadtallendorfs Bürgermeister Christian Somogyi (SPD) bestätigte dann gegenüber der OP dessen Wahrheitsgehalt und verwies auf einen Brief des Finanzministeriums. In diesem sei ihm mitgeteilt worden, dass die Hessenkaserne künftig als Reserve diene; ein Status, der es erlaube, die Kaserne jederzeit wieder für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen.

Die Entwicklung kam völlig überraschend, denn für heute sind 130 neue Flüchtlinge für Stadtallendorf angekündigt. Wann die Bewohner die Einrichtung verlassen werden, steht noch nicht fest.

Bürgermeister Christian Somogyi nahm die neue Entwicklung gelassen hin. „Wir haben unseren Auftrag bravourös erledigt und abgearbeitet. Ich bin dankbar für das große ehrenamtliche Engagement, das aus der Bürgerschaft den Flüchtlingen zuteil wurde“, sagte der Sozialdemokrat. Nach seinen Angaben wurde die Erstaufnahmeeinrichtung für 1050 Flüchtlinge projektiert und für 602 Bewohner nutzbar gemacht. Derzeit lebten dort 319 Flüchtlinge, davor seien es durchschnittlich 250 gewesen.

Verträge mit DRK-Mitarbeitern laufen bis Jahresende

Im Auftrag des Regierungspräsidium Gießen betreibt der DRK-Kreisverband Marburg seit fast einem Jahr die Erstaufnahmeeinrichtung in Stadtallendorf mit mehr als 30 Mitarbeitern. Dessen Geschäftsführer Christian Bätz sah sich am Mittwoch zunächst außer Stande, die neue Entwicklung zu bewerten. „Wir kennen die Nachricht erst seit einer Stunde, noch haben wir nicht alle Mitarbeiter informieren können“, sagte er auf OP-Anfrage.

Für ihn sei völlig offen, wie es weitergeht, ob das DRK-Team am Standort noch gebraucht wird oder nicht und zu welchem Zeitpunkt der neue Status für die EAE Stadtallendorf greife. Die Verträge der Mitarbeiter liefen im Januar 2017 aus. Das DRK werde versuchen, eine Anschlussverwendung für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, sagte Christian Betz.

Pfarrer Thomas Peters hat in Stadtallendorf ehrenamtliche Projekte für die Flüchtlingshilfe angestoßen. Er bedauere für die ehrenamtlichen Helfer und das engagierte DRK-Team die aktuelle Entwicklung, die nach seiner Überzeugung dem Standort geschuldet sei.

„Der Weg von der Hessenkaserne in die Stadt sei viel zu weit und ein Hindernis für Integration. Die dort lebenden Flüchtlinge kämen kaum noch in die Innenstadt. Seine Brücke in das Camp sei stets die gut genutzte und eigens erweiterte Kleiderkammer gewesen, sagte der Pfarrer, der inzwischen immer mittwochs mit rund 30 aus dem Iran geflohene Christen Gottesdienst feiert.

Für Neustadt ändert sich nichts. Die Stadt beherbergt künftig die einzige EAE des Landkreises. „Es scheint nun Normalität bei der Flüchtlingsunterbringung einzutreten. Wir kommen nun wohl zu einer Situation, wie sie ursprünglich angedacht war: Eine Regelbelegung um die 700 Flüchtlinge. Ich setze darauf, dass das Land weiterhin Gemeinwesenarbeit und Ehrenamtskoordination finanziert. Es bleibt dabei, wir erbringen vor Ort eine Leistung für das ganze Land und brauchen dessen Hilfe“, schrieb Bürgermeister Thomas Groll aus dem Urlaub.

von Matthias Mayer

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