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Flüchtlinge sollen in Container ziehen

Notunterkünfte Flüchtlinge sollen in Container ziehen

Die Kleider-Spendenaktion für die im Zeltlager untergebrachten Flüchtlinge lief aus Sicht der Stadt "riesig". Bis Freitagabend waren bis auf wenige Einzelpersonen alle 675 Flüchtlinge mit warmer Kleidung versorgt.

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Dies sind zwei der früheren Materialhallen im ehemaligen Mobilmachungsstützpunkt. Sie werden aller Voraussicht nach nicht für die Unterbringung von Menschen genutzt, wofür sie ohnehin ungeeignet sind. Archivfoto: Michael Rinde

Quelle: Rinde

Stadtallendorf. Stadtallendorf. Am Freitagabend übernahmen wieder rund 70 Kräfte des Katastrophenschutzes aus dem Kreis Marburg-Biedenkopf die Betreuung der 675 Flüchtlinge in der Zeltunterkunft auf dem Stadtallendorfer Bundeswehr-Gelände. Für sie ist es der zweite Wochenendeinsatz nacheinander. Bis Sonntagabend werden sie dort arbeiten. Sie lösten die Einheiten aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg ab. „Wir haben dem Regierungspräsidium (RP) klargemacht, dass wir die Unterstützung mit ehrenamtlichen Einsatzkräften aber nur noch bis Sonntagabend garantieren können“, erklärte Landrätin Kirsten Fründt in einer Pressemitteilung am Freitagnachmittag.

Die vielleicht wichtigste Neuigkeit des gestrigen Tages: Für die dauerhafte Unterbringung der Flüchtlinge zeichnet sich eine Lösung ab. In den vergangenen Tagen hatte zunächst alles darauf hingedeutet, dass vom Land auf die früheren Lagerhallen zumindest vorübergehend als Unterbringungsort gesetzt wird.

Fachleute aus der Kreisverwaltung hatten die Hallen nach einer Besichtigung als völlig ungeeignet für die Unterbringung von Menschen qualifiziert. Bei der Besichtigung Anfang September durch einen Mitarbeiter des Innenministeriums war dies ebenfalls so eingeschätzt worden. Dies geht aus einem der OP vorliegenden Ministeriums-Vermerk hervor.

Wie seit Freitag aber klar scheint, wird es jetzt doch Wohncontainer geben. Sie stünden, wenn alle Vorarbeiten erledigt sind, in etwa acht Wochen bereit, wie diese Zeitung aus verschiedenen Quellen erfahren hat. Derzeit sind sie noch an einem Standort im Gebrauch, angesichts der Knappheit an geeigneten Containern in der Bundesrepublik grenzt das schon an ein kleines Wunder. „Ich begrüße ausdrücklich, dass das Land jetzt diesen, auch von mir favorisierten Weg eingeschlagen hat“, teilte die Landrätin gestern mit. Möglicherweise wird es allerdings Übergangslösungen für die Unterbringung der in beheizten Zelten lebenden Menschen geben müssen, angesichts der Witterung und des naherückenden Winters. Wie die Übergangslösung aussehen könnte, ist noch nicht erkennbar. Eine letzte Prüfung der Container-Anschaffung und Aufstellung läuft derzeit auch noch. Nach Recherchen der OP handelt es sich um mehrstöckige Container.

Freifläche ist auf dem Gelände ausreichend vorhanden, auch für das Aufstellen von Versorgungscontainern. Das Zentralgebäude des früheren Mobilmachungsstützpunktes ist in sehr gutem Zustand. Es ließe sich für Verwaltungsarbeiten wie auch andere Tätigkeiten nutzen. Eine formelle Bestätigung aus dem Sozialministerium war am Freitag noch nicht erhältlich. Seit Anfang der Woche hatte die Bundeswehr-Verwaltung darauf hingearbeitet, den Mobilmachungsstützpunkt nutzbar zu machen, möglichst bis zum Anfang der nächsten Woche. Vor allem musste die Wasserversorgung hergestellt und das große Gelände hergerichtet werden. „Wir hatten am Schluss noch Probleme mit der Heizung, aber die hätten wir zur Not über das Wochenende lösen können“, erklärt Oberstleutnant Friedrich Luchtenberg, der Kommandant der Herrenwald-Kaserne, zu der der frühere Stützpunkt zählt. Auch Luchtenberg war gestern über die anstehende Containerlösung informiert worden. Aus seiner Sicht besteht jetzt die Hauptaufgabe darin, die Ver- und Entsorgungsleitungen für die geplanten Wohncontainer zu legen. Planungen haben am Freitag bereits begonnen.

Der Landkreis verwaltet die Flüchtlingsunterkunft seit einer Woche in Amtshilfe für das RP, ein eigener Verwaltungsstab ist vor Ort im Einsatz. Seit Donnerstag sind Mitarbeiter des RP in der Unterkunft, um die Übernahme vorzubereiten.

Nach wie vor übernimmt die Bundeswehr die Versorgung der Menschen. Alle Beteiligten sprechen von einer reibungslosen und unkomplizierten Zusammenarbeit.

Keine weiteren Sammeltermine mehr

Am Freitagabend gab es eine weitere gute Nachricht: Angesichts der riesigen Spendenbereitschaft ist es gelungen, beinahe allen 675 Flüchtlingen warme Kleidung zu verschaffen. Es gebe nur noch einzelne Flüchtlinge, die noch nichts abgeholt hätten, erklärt Markus Harder. Er koordiniert Hilfsangebote und Aktionen im Auftrag der Stadt Stadtallendorf. Deshalb wird es auch keine weiteren Annahmetermine im Jugendzentrum mehr geben, der für den heutigen Samstag geplante Termin fällt laut Harder aus. Auch einen Umzug in den Südstadt-Kiosk gibt es nun nicht mehr.

Bis Mittwoch wird die gesammelte Kleidung jetzt noch im Jugendzentrum bleiben. Am Schluss waren mehr als 100 Helfer im Einsatz, die Mehrzahl ehrenamtlich, unterstützt von zahlreichen Mitarbeitern der Stadtverwaltung. „Alles hat optimal geklappt, es gab keine Zwischenfälle“, freute sich Harder. Die Stadt konnte bei dieser Aktion auf die Hilfe der Malteser bauen und bekam beim Start auch Unterstützung vom Roten Kreuz in Marburg.

von Michael Rinde

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