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Fische sterben an Sauerstoffmangel

Natur Fische sterben an Sauerstoffmangel

Ein inzwischen vorliegendes Kurzgutachten zeigt, dass die Lebensbedingungen der Fische im Teich des Schweinsberger Moores grenzwertig sind.

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Dieses Foto des Teiches im Schweinsberger Moor entstand unmittelbar nach Bekanntwerden des Fischsterbens. 

Quelle: RP

Schweinsberg. 103 Fische verendeten Anfang September im Teich des Schweinsberger Moores (die OP berichtete), offenbar aus Sauerstoffmangel. Unmittelbarer Auslöser war das Absenken des Wasserspiegels, das der ehrenamtliche Betreuer des Gewässers in Absprache mit dem Regierungspräsidium (RP) Gießen veranlasst hatte. Nach RP-Angaben sollte der Wasserstand langsam über einen Zeitraum von sieben Tagen gesenkt werden. Dies sei mit allen Beteiligten so abgesprochen worden.

RP-Sprecherin Gabriele Fischer weist auf Anfrage dieser Zeitung darauf hin, dass es nie Ziel der Wasserstandsabsenkung gewesen sei, den Fischbestand zu reduzieren. Zeitweilige Schlammzonen sollten durch das Absenken entstehen, um attraktive Rastflächen für durchziehende Vögel zu schaffen, so das RP als verantwortliche Schutzgebietsbehörde. Bei einem ersten Absenken des Wasserspiegels war das gelungen, Anfang September hatte es die bekannten Konsequenzen.

Ob das Absenken so passierte wie geplant und ob die Absprachen zwischen RP und Betreuer eingehalten wurden, ist auch Gegenstand eines Ermittlungsverfahrens von Polizei und Staatsanwaltschaft. Annemarie Wied, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Marburg, rechnet mit längeren Ermittlungen. „Im Augenblick gehen wir einem Anfangsverdacht nach“, sagt Wied. Es seien noch weitere Vernehmungen erforderlich, um zu einem abschließenden Bild zu kommen. Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. Der ehrenamtliche Betreuer des Schutzgebietes betont: „Alles ist so abgelaufen, wie es mit dem Regierungspräsidium vereinbart worden war.“

Im Wasser leben weit mehr Fische als gedacht

Das RP hat zwischenzeitlich auch ein Kurzgutachten zum Zustand des Teiches veranlasst. Die Ergebnisse zeigen nach Mitteilung des Schutzgebietsdezernates:

  • dass offenbar weit mehr Fische im Teich leben, als bisher angenommen wurden. Darauf lässt die hohe Zahl der verendeten Tiere schließen,
  • dass die Lebensbedingungen der Tiere in dem Gewässer ohnehin inzwischen grenzwertig sind,
  • und vor allem, dass der Teich verlandet ist und sich inzwischen eine etwa 30 Zentimeter dicke Faulschlamm-Schicht gebildet hat. Der Gutachter spreche von einer „merkwürdigen Schlamm-Wassergemisch“, heißt es in der Stellungnahme des Regierungspräsidiums gegenüber dieser Zeitung.

Bei den Bedingungen, die beim Absenken des Wasserspiegels herrschten, es war hochsommerlich warm, hat all das dazu geführt, dass die Tiere verendet sind - und zwar wegen Sauerstoffmangels. Dass Giftstoffe in den Teich gelangt sind, hatten die Behörden ausgeschlossen. Nach Bekanntwerden des Fischsterbens hatte die Behörde die Absenkung des Wasserspiegels gestoppt. Sie sollte ursprünglich sieben Tage dauern.

Das Regierungspräsidium will nun weitere Schritte unternehmen. So soll im nächsten Jahr über eine Befischung des Teiches nachgedacht werden, um den Bestand auf ein normales Maß zu reduzieren. Außerdem wird es weitere Untersuchungen zur Faulschlammschicht geben. Dabei soll zunächst geklärt werden, welche Folgen es für das Gewässer hätte, wenn die Schlammschicht ausgebaggert wird. Sollten Experten, gedacht ist an Hydro- oder Fischereibiologen, eine Entschlammung für möglich und sinnvoll halten, so könnte sie im Jahr 2015 folgen. Künftig will das RP die Wasserstandsregulierung außerdem dem Forstamt Kirchhain übertragen. Doch warum folgte das Kurzgutachten erst, nachdem der Wasserstand gesenkt und die 103 Tiere verendet waren? Vor der Absenkung des Wasserstandes sei der Teich in Augenschein genommen worden, erklärt RP-Sprecherin Fischer dazu. „Es hat keine Anzeichen dafür gegeben, dass sich der Zustand des Gewässers gegenüber dem Jahr 2005 verändert hat“, sagt Fischer. Im Jahr 2005 gab es unter anderem eine Elektrobefischung im Gewässer, allerdings mit mäßigem Erfolg.

von Michael Rinde

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