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Feuersalamander müssen umziehen

Altlasten-Sanierung Feuersalamander müssen umziehen

Zu Beginn der nächsten Woche arbeiten in der Kleinaue, in weiterer Umgebung des Wasserwerks, die Bagger. Sie holen teilweise erheblich belastete Erde aus dem Waldboden.

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Die HIM GmbH lässt mehrere neue Brunnen für Grundwasser-Überwachung bohren.

Quelle: Michael Rinde

Stadtallendorf. Eine der letzten Baustellen bei der Beseitigung von Rüstungsaltlasten in Stadtallendorf liegt mitten im Wald, in den Kleinauen (die OP berichtete im Mai). Das ist auch für die Sanierungs-Experten ungewöhnlich. „Bisher haben wir fast nur im unmittelbaren Stadtgebiet gearbeitet“, sagt Projektleiter Christian Weingran.

Gebiet ist ökologisch sensibel

Das Gebiet, um das es geht, ist teilweise auch ökologisch sehr sensibel. Deshalb sind bei dieser Sanierung eine ganze Reihe von Vorkehrungen mehr notwendig. So befinden sich im Sanierungsgebiet zum Beispiel Flächen, in denen Hirschkäfer-Larven heranwachsen. Für die Dauer der Arbeiten bekommen sie bei entsprechenden Funden ein Ersatzquartier, einen toten Baumstumpf.

Auch auf Feuersalamander wird besonders geachtet, sie werden bei Bedarf ebenfalls umgesiedelt. Ein Experte hat analysiert, ob in dem betroffenen Gebiet zum Beispiel Specht-arten vorkommen, die besonders schützenswert wären. Das ist aber in diesem Teil der Klein-auen nicht der Fall. Dann hätten besondere Auflagen für die nötigen Spundwände gegolten.

Und trotzdem wird sich ein gewisser Schaden in dem Waldgebiet in den Kleinauen nicht vermeiden lassen. Die entsprechenden Waldflächen, rund 8600 Quadratmeter groß, sind bereits gerodet. Besonders wertvolle Bäume und Biotope haben die Sanierungsplaner dabei ausgespart. Alle Planungen und nun auch sämtliche Arbeiten vor Ort stehen unter einer „ökologischen Baubegleitung“. Ein Experte ist ständig greifbar, falls während der eigentlichen Bodenarbeiten Fragen oder Probleme auftauchen sollten.

Inzwischen haben die Sanierer die Baustraßen angelegt. Zum Teil werden sie aber auch vorhandene Radwanderwege in dem Gebiet nutzen müssen. Sie wurden teilweise schon zusätzlich befestigt. Mit Beginn der eigentlichen Sanierung werden die entsprechenden Wege für Radfahrer wie Spaziergänger gesperrt. Das dient deren eigenem Schutz, wie Projektleiter Weingran im Gespräch mit der OP betont. Während der gesamten Sanierung, die bis ins nächste Frühjahr dauern wird, sind allein 650 Lastwagen-Fahrten für den Bodentransport vorgesehen. Hinzukommen Materialtransporte. Im Zentrum der Sanierungsarbeiten steht ein früheres Zulaufgerinne. Zu Zeiten der Sprengstoffproduktion im Werk der Dynamit-Aktiengesellschaft (DAG) flossen über diese Fläche Abwässer aus dem Werk in die Klein. Wie die Untersuchungen gezeigt haben, sind die Böden an zahlreichen Stellen mit einem giftigen Vorprodukt des Sprengstoffs TNT belastet, dem MNT. Mit diesem Stoff gibt es in Stadtallendorf reichlich Sanierungserfahrung.

Land investiert rund 3,5 Millionen Euro

Bis zu einer Tiefe von fünf Meter muss Boden ausgehoben, untersucht, abtransportiert und entsorgt werden. Die frühere Ablaufrinne aus dem Sprengstoffwerk hat eine Länge von etwa einem Kilometer. Die Sanierer der HIM GmbH gehen von etwa 9600 Kubikmeter Boden aus, die weg müssen. Wo nötig, wird der Boden mit unbelastetem Erdreich wieder aufgefüllt.

Nicht alle Belastungen lassen sich durch Bodenaustausch aus der Erde holen. Deshalb wird das Grundwasser in dem Gebiet nicht nur intensiv überwacht. Die HIM lässt derzeit rund zehn Meter tiefe weitere Brunnen bohren. Über einen längeren Zeitraum hinweg wird es Alkohol-Spülungen geben, mit denen Schadstoffe ausgespült werden können. Dieses Verfahren ist in Stadtallendorf, übrigens auf einem Versuchsfeld in den Kleinauen erprobt worden

Alle Baustellen-Einrichtungen werden nach der Sanierung im Frühjahr wieder komplett zurückgebaut, Wege wiederhergestellt.

All das hat natürlich seinen Preis: Das Land investiert in dieses Sanierungs-Vorhaben rund 3,5 Millionen Euro.

von Michael Rinde

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