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Feilschen ist nicht überall erwünscht

Johannismarkt Feilschen ist nicht überall erwünscht

Raue Sitten und gute Laune: Zum 27. Mal fand gestern der Johannismarkt in Stadtallendorf statt. Aussteller und Vereine sorgten für ein besonderes Flair.

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Gewürze waren der Renner: Ob Chili, Kardamon oder Pfeffer – am Stand von Daniela Hontheim herrschte Hochbetrieb. Jeder wollte ein Gläschen ergattern. Mehr als 140 Aussteller säumten Stadtallendorfs Fußgängerzone.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. Willi Bender ist ein harter Hund. „Nein, hau ab, du bekommst jetzt gar nix mehr von mir“, ruft der Aussteller aus der Nähe von Essen und fuchtelt wütend mit den Armen. Die Frau, die ihm fassungslos gegenüber steht, hat einen großen Fehler gemacht: Sie wollte feilschen – und das kann Gardinen-Willi gar nicht leiden, obwohl es auf Märkten ja eigentlich zum guten Ton gehört, um den Preis zu verhandeln. Nicht so bei Bender, der sich von der reumütigen Kundin auch nicht mehr erweichen lässt. „Billiger als bei mir bekommt sie es nirgends“, echauffiert sich Bender, der mit 15 Tonnen Gardinen nach Stadtallendorf gereist ist.

Die rohen Sitten von Gardinen-Willi waren am Mittwoch beim 27. Johannismarkt eher die Ausnahme. Ansonsten herrschte nämlich ziemlich gute Laune trotz der Kälte. Dafür sorgten vor allem die zahlreichen Stadtallendorfer Vereine, die mit Ständen vertreten waren. So verkauften zum Beispiel fleißige Helfer Kartoffelpuffer für das Kumasi-Projekt, beim TSV Eintracht Stadtallendorf wärmten sich nicht nur Sportler an diversen Heißgetränken – und beim Eintracht Fanclub „FC Adlerhorst“ gab‘s heißen Apfelwein zu kosten. „Klar, ein echter Hesse trinkt Apfelwein“, betonte Adler-Fan René Kaisinger und stieß mit seinen Freunden an.

Mehr als 140 Aussteller boten in der Fußgängerzone ihre Waren feil: Vom Gewürz bis hin zu Hosenträgern war alles zu bekommen. „Ich komme sehr gern hierher“, sagte Shahid Mumtaz grinsend. Auch wenn der Leipziger auf mehr als 200 Märkten im Jahr versucht, Kleidung zu verkaufen, wird er das Reisen nicht leid. „Momentan ist es sehr kalt, Sonne wär‘ mir lieber. Aber ist doch besser, als Hartz IV zu bekommen“, sagt er – und lacht.

von Nadine Weigel

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