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Tankstellen-Raub Fehler führt zu schneller Festnahme

Nur sieben Wochen nach einem bewaffneten Raubüberfall auf eine Tankstelle in Stadtallendorf hat das Marburger Landgericht die beiden Täter bereits rechtskräftig verurteilt.

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An einer Stadtallendorfer Tankstelle kam es am 27. November zu einem Überfall. Archivfoto: Ebener

Quelle: David Ebener

Stadtallendorf. Ein 22-Jähriger aus Kirtorf wurde wegen Beihilfe zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Beim Haupttäter, einem nicht vorbestraften 18-jährigen Stadtallendorfer, befand die Kammer eine 21-monatige Jugendstrafe für besonders schweren Raub für angemessen.

Ob er sie antreten muss oder auch sie zur Bewährung ausgesetzt werden kann, will sie nach Überprüfung seines Verhaltens gemäß noch zu bestimmender Auflagen, in einem halben Jahr entscheiden. Eine Besonderheit des Jugendstrafrechts macht dies möglich

„Wir kennen Sie noch zu wenig“, begründete der vorsitzende Richter Dr. Thomas Wolf, am Ende der Verhandlung. Ohne längere Vorbereitung und ohne dass er je strafrechtlich in Erscheinung getreten sei, habe er die sehr schwere Tat begangen, strich der Vorsitzende heraus. Das sei sehr selten, erklärte Wolf.

Wie sich das Geschehen am Abend des 27. November in der Niederkleiner Straße abspielte, war schnell klar. Beide Angeklagten ließen über ihre Verteidiger Geständnisse verlesen, die im Wesentlichen mit den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft übereinstimmten.

Täter täuscht Verkäufer mit Luftdruck-Pistole

Demnach fuhren die beiden von der Wohnung des Älteren mit einem Motorroller nach Stadtallendorf, wo der 18-Jährige ihn etwa 300 Meter entfernt aufforderte zu warten. Dann ging er zum Tatort, drohte dem Mitarbeiter mit einer Luftdruck-Pistole und zwang ihn die Kasse zu öffnen, aus der er 830 Euro entnahm.

Er habe es für eine scharfe Waffe gehalten, sagte der Zeuge. Anschließend fuhr das Duo zur Wohnung des Jüngeren, versteckte Kleidung, Beute und Waffe, bevor es zurück nach Kirtorf gehen sollte. Was alle Beteiligten als Dilettantismus werteten war, dass sie dafür am Tatort vorbeifuhren, wo sie von der inzwischen eingetroffenen Polizei festgenommen wurden. Zuvor hatte der Stadtallendorfer dem 22-Jährigen noch 100 Euro übergeben.

Gericht wertet Teilnahme als Beihilfe

Dieser gab an, dass es seine Pistole war, die der Jüngere ohne sein Wissen dabei gehabt habe. Tage zuvor habe er ihn überreden wollen, zusammen einen Raubüberfall zu begehen, weil er Geld brauchte, um ein Mädchen, das er im Ausland kennengelernt hat, nach Deutschland zu holen. Er habe das abgelehnt, seinen Freund aber auch nicht ernst genommen, sei er doch noch wie ein Kind.

Natürlich habe er spätestens vor der Tankstelle gemerkt, was passiert, sagte sein Verteidiger. Auch habe er sicher gewusst, wo die 100 Euro herkommen. Das Gericht wertete die Teilnahme letztlich nur als Beihilfe in einem minderschweren Fall, zumal der Angeklagte beim eigentlichen Überfall nicht in unmittelbarer Nähe war und keine Einflussmöglichkeit hatte.

Haftbefehl wird aufgehoben

Der 18-Jährige, so hob Staatsanwalt Christian Laubach hervor, habe Glück, dass er noch in den Genuss des Jugendstrafrechts komme. Andernfalls wäre eine Strafe von fünf Jahren aufwärts herausgekommen. Beiden Angeklagten hielt er zu Gute, dass sie noch nicht einschlägig vorbestraft sind und befürwortete auch für den 18-jährigen Bewährung.

Darüber wollte die Jugendkammer dann aber doch nicht sofort entscheiden und will laut Wolf in den kommenden Tagen mit dem jungen Mann in Kontakt treten. Der Haftbefehl, seit seiner Festnahme saß er in Untersuchungshaft, wurde jedoch aufgehoben. Der 22-Jährige muss als Bewährungsauflage 200 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten und sich um Arbeit bemühen. Alle Beteiligten verzichteten auf Rechtsmittel.

von Heiko Krause

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