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Fast alles bleibt beim Alten

Grundschulbetreuung Fast alles bleibt beim Alten

Im Rauschenberger Ausschuss Kultur, Sport und Soziales gab es am Dienstagabend nur rundum zufriedene Gesichter, denn der Konflikt um die Zukunft der Grundschulbetreuung hat sich in einem Konsens aufgelöst.

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Auch im kommenden Schuljahr wird es eine Grundschulbetreuung in der Kita Mäuseburg geben. Foto: Matthias Mayer

Rauschenberg. Bereits zum vierten Mal befasste sich das unter Vorsitz von Frank Riedig (Bündnis 90/ Die Grünen) mit dem Thema, das der Magistrat bereits im vergangenen Herbst mit einer Beschlussvorlage auf die Tagesordnung gesetzt hatte. Diese zielte darauf ab, die Grundschulbetreuung an der Kita Mäuseburg einzustellen und in das Betreuungsangebot des Landkreises an der Grundschule zu integrieren. Dessen Öffnungszeiten sollten allerdings auf Kosten der Stadt auf die der Kita (7 bis 17 Uhr) erweitert werden. Der Magistrat begründete sein Ansinnen mit einem Einsparvolumen von bis zu 40000 Euro.

Darüber wurde heftig gestritten, wobei der Meinungsstreit zum Teil quer durch Fraktionen ging. Die Befürworter verweisen auf das Einsparpotenzial und die Bereitschaft des Kreises, sein Betreuungsangebot an der Grundschule räumlich und zeitlich auszuweiten. Die Kritiker befürchteten mit Blick auf den knapperen Personalschlüssel des Kreises eine Verschlechterung der Betreuungsqualität und einen Qualitätsverlust Rauschenbergs als Wohn- und Familienstadt. Zugleich bezweifelten sie die Höhe des Einsparvolumens. In diese Richtung argumentierten Teile der Elternschaft sowie Vertreter der Kita und der Kirche. Die Kita Mäuseburg befindet sich in Trägerschaft der Evangelischen Kirche, wird aber zu 90 Prozent von der Stadt Rauschenberg finanziert.

Ein Arbeitskreis, dem neben den Ausschussmitgliedern und dem Bürgermeister Vertreter des Kreises, der Grundschule, der Kita, der Kirche und der Elternbeiräte angehörten, wurde gebildet um einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu suchen. Das gelang am Montagabend in nicht öffentlicher Sitzung, wie Frank Riedig vor dem Ausschuss und den nur wenigen Besuchern stolz berichtete.

Die Details der Konsenslösung stellte Bürgermeister Michael Emmerich vor.

Die wichtigsten Punkte sind:

  • Die Grundschulbetreuung in der Kita Mäuseburg bleibt im vollen Umfang für zumindest ein Jahr bestehen.
  • Der Landkreis investiert an der Grundschule in den Ausbau eines zweiten Betreuungsraums und in die Einrichtung einer Küche. Er bietet - bei entsprechendem Bedarf - eine Ausweitung seiner Betreuungszeit auf 7.30 bis 15 Uhr an. Außerdem bietet er - bei Bedarf - ein Mittagessen an.
  • Der Preis für einen Betreuungsplatz in der Kita für eine ganztägige Betreuung von 7 bis 17 Uhr wird inklusive Mittagessen auf 110 Euro angehoben. Dem muss allerdings der Kirchenvorstand noch zustimmen. Ein Betreuungsplatz an der Grundschule kostet 77 Euro - ohne Mittagessen.

Der Bürgermeister begründete den vorläufigen Erhalt der Doppelstruktur mit neuen Zahlen und Bedenken der Schulleiterin. Diese habe sich kritisch zur Verfügbarkeit weiterer Schulräume für die Betreuung geäußert. Zudem stehe schon jetzt an der Grundschule ein Kind auf der Warteliste für einen Betreuungsplatz. Im kommenden Schuljahr werde sich diese Situation verschärfen. Sieben Kinder aus der Betreuung verließen die Schule, 29 würden neu eingeschult. Von diesen ginge erfahrungsgemäß ein Drittel in die Betreuung. Damit würden rechnerisch mehrere Kinder auf der Warteliste landen. „Das wollen wir in Rauschenberg nicht“, stellte der Bürgermeister klar.

„Ich hätte das Ergebnis so nicht erwartet“, stellte Frank Riedig freudig fest. Er würdigte das zuletzt offene und konstruktive Gesprächsklima im Arbeitskreis, das dazu geführt habe, dass es nur Gewinner gebe - darunter auch die Stadtkasse, die Mehreinnahmen zwischen 10000 und 12000 Euro verbuche. Dem Vorschlag des Arbeitskreises stimmte der Ausschuss einstimmig zu. Zu diesem gehören neben den genannten Punkten die Rücknahme der Beschlussvorlage des Magistrats und den Fortbestand des Arbeitskreises vor. Dieser soll, so Frank Riedig, „ein Konzept erarbeiten, wie man die Grundschulbetreuung so vernetzt, dass auffällige Kinder der Obhut der Stadtjugendpflege zugeführt werden.“

„Stolz sein wie Bolle“

Lob für das erreichte gab es aus allen Richtungen. Brigitte Klingelhöfer (SPD) hob hervor, dass Rauschenberg auch nach der Erhöhung noch unter dem Gebühren-Durchschnitt des Landkreises liegen werde. Manfred Günther (SPD) sah in der Entscheidung des Landkreises, unabhängig von Votum der Stadt sein Betreuungsangebot auszubauen, den Durchbruch für das Ergebnis. Das hat den Druck aus dem Kessel genommen und uns sehr geholfen“, sagte er. „Ein wunderbares Ergebnis ist entstanden, ohne Druck ein gutes Resultat, ein Gewinn für alle“, merkte Stefan Seibert (Grüne) an, der doppelten Grund zur Freude hatte. Schließlich wurde erst auf sein wiederholtes Drängen hin der Arbeitskreis gebildet. Dieses Instrument sieht er nun auch als hilfreich für die Zukunft an. Dem fügte Frank Riedig nur noch einen Satz an: „Wir können ein bisschen stolz sein wie Bolle.“

von Matthias Mayer

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