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Familie leidet furchtbar unter den Folgen

Wohnhausbrand Familie leidet furchtbar unter den Folgen

Das Feuer im Mehr­familienhaus in der Straße In der Spaltanlage im vergangenen Jahr wird zumindest die Zivilgerichte noch längere Zeit beschäftigen, wie sich abzeichnet. Ein Punkt sind Schmerzensgeldforderungen von Angehörigen.

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Ein Feuerwehrmann betreute am 17. März vergangenen Jahres einen Hausbewohner. 

Quelle: Florian Gaertner

Stadtallendorf. Der verheerende Brand am 17. März 2015 in einer Wohnung im Untergeschoss des Gebäudes forderte das Leben eines 57-jährigen Bewohners. Er hatte das Haus nicht mehr rechtzeitig verlassen können, Feuerwehrleute fanden ihn in einem Flur nahe seiner Wohnung, Sanitäter reanimierten ihn zunächst über einen längeren Zeitraum. Doch er starb Stunden später an den Folgen der schweren Rauchgasvergiftung. Außerdem gab es ­mehrere teilweise schwerverletzte Bewohner.

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Marburg Anklage in mehreren Punkten gegen die beiden Bewohner der Brandwohnung erhoben: gegen eine 45 Jahre alte Frau und einen 50 Jahre alten Mann.

Beide lebten in der Wohnung, in der das verheerende Feuer ausgebrochen war. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft fahrlässige Tötung, fahrlässige Brandstiftung und fahrlässige Körperverletzung vor. Das Amtsgericht Kirchhain prüft derzeit die Zulassung der Anklage.

Kerze löste das Feuer aus

Dies berichtet Ute Sehlbach-Schellenberg, Sprecherin der Staatswanwaltschaft, auf Anfrage der OP. Nach Recherchen dieser Zeitung entstand das Feuer, weil das Paar eine zu kleine Kerze auf einem Kerzenständer unbeobachtet ließ. Die Kerze fiel herab.

Derzeit läuft noch ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen den Eigentümer des damaligen Brandhauses. Oberstaatsanwältin Ute Sehlbach-Schellenberg, Sprecherin der Marburger Staatsanwaltschaft, bestätigte Informationen der OP.

Die Ermittlungen befänden sich aber noch am Anfang, es sei auch denkbar, dass das Verfahren noch eingestellt werden könnte. Zu Details wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht äußern.

Der Stadtallendorfer Rechtsanwalt Winand Koch vertritt die Witwe des 57-Jährigen straf- und zivilrechtlich. Die Witwe ist Nebenklägerin in dem Strafverfahren gegen den 50 Jahre alten mutmaßlichen Brandverursacher und seine 45 Jahre alten Partnerin.

Koch hatte bereits vor Monaten Anzeige gegen den Hauseigentümer erstattet. „Es fehlten ein zweiter Rettungsweg und Brandschutztüren in dem Gebäude“, sagt Koch. Bereits unmittelbar nach dem verheerenden Feuer hatte die OP darüber berichtet, dass die vorgeschriebenen Rauchmelder in dem Haus nicht vorhanden waren.

Wie dieser Umstand strafrechtlich zu würdigen sein wird, bleibt allerdings abzuwarten. Denn: Es fehlen direkte rechtliche Sanktionen bei Verstößen gegen diese Vorschrift im Baurecht.

Witwe erkrankt und lebt von wenigen hundert Euro

Der Tod des geliebten Ehemannes, der sowohl die polnische als auch die deutsche Staatsangehörigkeit besaß, hatte weitere schlimme Folgen für seine Familie. Nach dem schrecklichen Verlust ihres Mannes erkrankte seine Witwe schwer, wie Koch berichtet. Die Frau lebt in Polen.

„Sie ist aus gesundheitlichen Gründen auch nicht in der Lage, nach Deutschland zu kommen“, erläutert Winand Koch im Gespräch mit dieser Zeitung. Momentan lebt die Frau von einer äußerst kärglichen Rente von wenigen hundert Euro im Monat.

Von diesem Betrag zahlt sie auch noch einen kleinen Kredit ab. Dadurch bedingt, dass die Frau derzeit nicht in Stadtallendorf leben kann und die Begleitung ihrer Familie in Polen braucht, sind nach deutschem Recht auch keine staatlichen Hilfen möglich. „An so einem Punkt versagt das deutsche Schadensrecht und die sozialen Instrumentarien“, kommentiert Koch.

Verlust des Ehemanns und Vaters nicht verwunden

In mehreren E-Mails wandte sich ihre Tochter an die Marburger Ermittlungsbehörden wie auch an die Oberhessische Presse. Aus den Mails an die Stadtallendorfer OP-Redaktion ist die pure Verzweiflung der Familie über ihre Situation herauszulesen. Neben der wirtschaftlichen Katastrophe haben die Angehörigen den Verlust von Ehemann und Vater noch nicht verwinden können.

Seinerzeit hatte Koch im Namen der Angehörigen die mutmaßlichen Verursacher des todbringenden Brandes auf Schadenersatz verklagt. Anfang März hat das Landgericht Marburg einen ersten Verhandlungstermin angesetzt.

Dem Stadtallendorfer Anwalt geht es dabei um Angehörigen-Schmerzensgeld wie auch Unterhaltszahlungen für die Frau.

von Michael Rinde

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