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Familie braucht noch viel Geduld

Wohnhausbrand Familie braucht noch viel Geduld

In der Nacht zum 15. Juni brannten Teile des Wohnhauses der Familie Dönges. Nach dem dramatischen Ereignis erfuhren die Hausbewohner sehr Hilfsbereitschaft in der Not.

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Bei dem Brand ging die Dämmung in Flammen auf, das Feuer fraß sich schnell bis ins Dachgeschoss. Foto: Michael Rinde

Stadtallendorf. Markus Dönges steht vor dem vom Brand gezeichneten Haus, im Gespräch mit dem Journalisten Güven Purtul vom Norddeutschen Rundfunk. Purtul berichtet seit Jahren über die Folgen, wenn Außendämmungen in Brand geraten. Purtul gehörte auch zu den Journalisten, die seinerzeit bei Brandversuchen dokumentierten, was geschieht, wenn schwer entflammbare Dämmung in Flammen aufgeht. Genau das ist auch beim Ehepaar Dönges geschehen (die OP berichtete). Deshalb reiste Purtul nach Stadtallendorf. „Das ist leider einer der typischen Fälle“, sagt er. Wobei er auch betont, dass es entsprechender Hitze bedarf, um den Dämmstoff in Flammen zu setzen. In dem Haus im Kronring lebten bis zu dem schrecklichen Brand sechs Menschen, Markus und Carmen Dönges, ihre beiden Kinder und deren Großeltern. „Es war ein Glück, dass meine Frau so einen leichten Schlaf hatte“, meint Markus Dönges in Erinnerung an die Brandnacht. Alle kamen rechtzeitig aus dem Gebäude heraus. Die Feuerwehr war mit rund 120 Einsatzkräften aus Stadtallendorf mit Unterstützung aus Kirchhain und Marburg vor Ort. Stadtallendorfs Stadtbrandinspektor Uli Weber hatte gleich nach dem Brand von dessen ungewöhnlichem Verlauf berichtet. Der Brand war am Carport, wahrscheinlich durch einen technischen Defekt am dort geparkten Auto ausgebrochen. Hitze setzte die Dämmung in Brand, das Feuer frass sich über die Fassade durch ein Fenster in den Dachstuhl.

Offenbar erster Brand dieser Art im Landkreis

Es war aus der Erinnerung von Kreisbrandinspektor Lars Schäfer der erste Brand dieser Art im Kreis Marburg-Biedenkopf. Welche Gefahren von in Brand geratener Dämmung ausgehen können, ist Schäfer bewusst. Er weißt darauf hin, dass es allerdings starker Hitze bedarf, wie im konkreten Fall durch das brennende Auto, um eine solche Styropordämmung in Brand zu setzen. „Keiner braucht zu fürchten, dass man mit einem Feuerzeug die Dämmung entzünden kann“, sagt Schäfer. Aber: Dämmung könne wie ein Brandbeschleuniger wirken. „So lange der Putz hält, ist sie aber schwer entflammbar“, betont Schäfer.

Bei den Dönges hielt der Putz der Hitze leider nicht mehr stand. Stadtbrandinspektor Weber war in der Brandnacht selbst überrascht, wie rasend schnell sich das Feuer über die Fassade ausbreitete. Erschwerend kam die starke Rauchentwicklung hinzu. Seit einiger Zeit befasst sich bereits die Bauministerkonferenz mit dem Gesamtproblem Dämmung und Entflammbarkeit, die Beratungen laufen noch.

Vor 15 Jahren hatte das Ehepaar Dönges sein Haus im Kronring von außen dämmen lassen. „Was passieren kann, war uns bis zum Brand nicht bewusst“, sagt Dönges. Sie wollen ihr Haus wieder dämmen, doch wie, das wird das Ehepaar nach dem Erlebten genau prüfen.

Inzwischen ist klar, dass das Haus nicht vollständig abgerissen werden muss, es gibt aber erheblichen Sanierungsbedarf. Der Dachstuhl muss weg. „Im Inneren muss entkernt werden“, berichtet Markus Dönges im Gespräch mit der OP. Am Anfang hätten sie gehofft, nach einigen Monaten wieder ins Haus zu können, sagt seine Frau Carmen. „Doch inzwischen hat man uns klar gemacht, dass es bis zu einem Jahr dauern kann“, sagt Carmen Dönges. Ein Grund ist das eingesetzte Löschwasser. Das Haus muss erst richtig trocken sein, damit saniert werden kann. Was die Hausbewohner an Hilfsbereitschaft aus ihrer Umgebung erfuhren und immer noch erfahren, macht Markus und Carmen Dönges dankbar. „Es ist unbeschreiblich“, bringt es Markus Dönges auf den Punkt. Noch in der Brandnacht bot ihnen ein Nachbar eine Wohnung an. Am Tag nach dem Brand kamen spontan 60 Helfer zusammen, die die Dönges beim Ausräumen unterstützten.

Hilfe von den Mitschülern

Die Folgen des Brandes spüren alle Betroffenen täglich immer wieder, vieles ist einfach weg. Der Sohn der Dönges verlor seine Schulsachen, unter anderem seinen mit viel Mühe gefertigten Vokabelkasten. Doch Mitschüler an der Stiftsschule sprangen ein, schrieben gemeinsam die Vokabeln aus 19 Lektionen ab. So sieht praktische Hilfe aus. Markus Dönges nennt noch viele weitere Beispiele dieser Art. Bei der Feuerwehr hat sich das Ehepaar gleich nach dem Brand für deren Einsatz bedankt. „Man muss sich immer klar machen, dass die Feuerwehrleute das alles freiwillig tun“, sagt Carmen Dönges. Der erneute Ndr-Beitrag zur Brandgefährlichkeit von Dämmungen soll im Herbst ausgestrahlt werden, ein genauer Termin steht noch nicht fest.

von Michael Rinde

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