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Exhibitionist präsentierte vom Rad aus

Familienvater schämt und entschuldigt sich Exhibitionist präsentierte vom Rad aus

Der Angeklagte kauerte wie ein Häufchen Elend auf der Anklagebank. Die Hände zusammengefaltet, den Blick starr nach unten gerichtet. Die Situation war ihm sichtbar hochnotpeinlich.

Kirchhain. Der 48-jährige Arbeiter aus dem Ostkreis hatte am Sonntag, 14. Juli, gegen 10.50 Uhr auf einem Fuß- und Radweg sexuelle Handlungen an sich vorgenommen und war deshalb wegen Erregung eines öffentlichen Ärgernisses nach § 183a des Strafgesetzbuches angeklagt worden.

Beim Aktenstudium in Vorbereitung auf die Hauptverhandlung vor dem Kirchhainer Amtsgericht, waren sowohl Richter Joachim Filmer als auch Oberamtsanwalt Reinhard Hormel als Vertreter der Anklage zu dem Schluss gekommen, dass auch eine Verurteilung wegen exhibitionistischer Handlungen in Betracht kommt. Ein entsprechender rechtlichen Hinweis des Gerichts nahmen sowohl der Angeklagten als auch dessen Verteidiger Senol Özgüven klaglos hin.

Laut Anklagesatz hatte sich der Angeklagte an dem fraglichen Sonntagmorgen auf seinem Fahrrad von hinten zwei Frauen genähert, die hintereinander mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs waren. Beim Passieren der ersten Frau bemerkte diese, dass der mit Shorts bekleidete Angeklagte an seinem Geschlechtsteil manipulierte.

Der Radler fuhr ein Stück voraus, hielt dann an und wartete auf die beiden Frauen. Dabei setzte er seine Handlungen fort und fixierte seine Opfer. Erst als eine der Frauen ihr Handy zückte, um die Polizei zu rufen, setzte sich der zweifache Familienvater auf sein Rad und fuhr davon.

Die Familie weiß nichts von der Tat

Eine Beweisaufnahme erübrigte sich, da der Angeklagte zur Sache schwieg, aber über seinen Anwalt den Tatbestand einräumte. Rechtsanwalt Senol Özgüven hatte zudem auch eine Vernehmung der beiden Opfer verzichtet, um diesen weitere Belastungen zu ersparen.

Das Gericht stellte fest, dass der 48-Jährige trotz fehlender Vorstrafen wegen einschlägigen Tatverdachts mehrfach Ziel von Ermittlungen war. Wegen der bei Exhibitionisten erfahrungsgemäß besonders hohen Rückfallgefahr sei eine ärztliche Behandlung äußerst ratsam, sagte Joachim Filmer. Der Verteidiger bekannte, dass sich sein Mandant einer solchen Behandlung noch nicht unterzogen habe.

Für Oberamtsanwalt Reinhard Hormel hat sich durch die eingestandenen Manipulationen vor den beiden Frauen der Tatbestand exhibitionistischer Handlungen erwiesen. Als Ersttäter, der zweimal bewusst und zielgerichtet gehandelt habe, sei er dafür mit einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à 60 Euro zu bestrafen.

Senol Özgüven folgte der rechtlichen Würdigung der Anklage, bat aber um eine Reduzierung des Tagessatzhöhe, da die Familie monatlich einen erheblichen Schuldendienst zu leisten habe. „Die Familie weiß nichts von der Tat, und sie sollte durch diese nicht finanziell bestraft werden“, sagte der Verteidiger. Zugleich gab der Rechtsanwalt an, dass sein Mandant mit großer Angst dem Verfahren entgegen gesehen habe und sich sehr beeindruckt zeige.

Zum Schluss ergriff der Angeklagte doch noch das Wort: Ich wollte mich entschuldigen, die beiden Damen tausendmal um Verzeihung bitten.“

Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 50 Tagessätzen à 45 Euro. Die Tat habe Folgen gehabt, eine der beiden Frauen traue sich nicht mehr allein auf den Radweg, führte Joachim Filmer aus und gab dem Angeklagten einen Rat auf den Weg: „Ohne ärztliche Hilfe bekommen Sie Ihr Problem nicht in den Griff.“ Das Urteil ist rechtskräftig.

von Matthias Mayer

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