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Exhibitionist entpuppt sich als Wild-Pinkler

Amtsgericht Exhibitionist entpuppt sich als Wild-Pinkler

Es ist schon erstaunlich, wohin das dringende Bedürfnis, die Blase zu entleeren, einen Menschen bringen kann: Zum Beispiel auf die Anklagebank eines Gerichts.

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Ein 42-Jähriger wollte sich an einer Hecke nur erleichtern – und geriet in Verdacht, ein Exhibitionist zu sein.

Quelle: Themenfoto: Lerchbacher

Kirchhain. Vor dem Amtsgericht Kirchhain musste sich jetzt ein 42-jähriger Mann aus dem Ostkreis verantworten, dem Exhibitionismus vor Kindern vorgeworfen wurde. Das Verfahren endete mit einem Freispruch.

Nach eigenen Angaben wollte der Mann nur „aufs Klo“ - und zwar während einer Autofahrt durch Stadtallendorf am 23. August 2012. Er habe seine Frau von der Arbeit abholen wollen, so der Angeklagte. Dabei stand er offenbar buchstäblich unter Hochdruck: Er habe verschlafen und keine Zeit gehabt, sein kleines „Geschäft“ im eigenen WC zu verrichten. Also habe er unterwegs nach einer geeigneten Örtlichkeit Ausschau gehalten. Die glaubte er schließlich auch gefunden zu haben: an einer Hecke vor einer Stadtallendorfer Wohnsiedlung.

Erst nach dem Öffnen der Hose seien ihm Passanten und Kinder aufgefallen, die sich unweit der Hecke aufhielten. „Hey, was machst du da?“, habe ihm jemand zugerufen - und zwar ein Anwohner, der später bei der Polizei und vor Gericht gegen den 42-Jährigen aussagte.

Dies habe ihn in Unruhe versetzt und daran gehindert, sich zu erleichtern, sagte der Angeklagte. Nicht zum ersten Mal sei es ihm so ergangen: „So geht es mir immer, wenn andere mich sehen. Das war am Hessentag auch so.“

Fünf bis sechs Minuten habe er an der Hecke gestanden, unter dem Gefühl der Beobachtung zwischenzeitlich seine Position geändert und stets zu urinieren versucht - ohne Erfolg. Unverrichteter Dinge habe er seine Fahrt schließlich fortgesetzt.

„Wissen Sie, wie lang fünf Minuten sind?“, fragte Richter Edgar Krug und bekam zur Antwort: „Wenn im Gehirn was blockiert ist, kannst du platzen, und es kommt nichts.“

Was aber hat der Mann in den besagten fünf bis sechs Minuten getan? Ein Anwohner wollte beim Blick durch das Fenster seiner Wohnung neben einer offenen Hose auch verdächtige Handbewegungen wahrgenommen haben. Das zumindest hatte der 43-Jährige einst der Polizei berichtet. Seine Schilderung vor Gericht wich allerdings deutlich von dieser Version ab. Nein, Handbewegungen habe er nicht ausmachen können, sagte der 43-Jährige auf Nachfrage von Richter Krug. Dafür habe die Hecke zu sehr die Sicht verdeckt. Von Handbewegungen hätten ihm lediglich zwei fünf- oder sechsjährige Mädchen berichtet, die den Mann durch die Hecke gesehen hätten. Auch das Geschlechtsteil des Mannes sei von der Wohnung aus nicht zu sehen gewesen.

Zwei Kripobeamte bestätigten, dass sich der Zeuge in der polizeilichen Vernehmung anders als vor Gericht geäußert hatte. Gegenüber der Polizei habe er keinen Zweifel daran bekundet, Zeuge einer Onanie geworden zu sein.

Die Widersprüchlichkeit der Zeugenaussagen wirkte sich zum Vorteil des Angeklagten aus. Der Vorwurf des Exhibitionismus konnte in der Verhandlung nicht aufrecht erhalten werden. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft plädierte deshalb auf Freispruch. „Das Kernthema, eine Onanierbewegung, lässt sich nicht beweisen.“

Freispruch forderte auch der Verteidiger des Angeklagten, der Verständnis für das Handeln des 43-jährigen Zeugen äußerte. Wenn man zwei kleine Kinder und einen Mann mit offener Hose sehe, denke man sich verständlicherweise seinen Teil dazu. Positiv sei, dass der Zeuge sich nicht in seine anfängliche Version „festgeschossen“ habe.

Richter Krug sprach den Angeklagten frei. Es sei gut, so Krug, dass es aufmerksame Menschen wie den Zeugen gebe, der im Glauben an das, was er sah, nicht untätig geblieben war und den Mann angesprochen hatte.

Übrigens hatte die Stadtfahrt für den Freigesprochenen noch ein erleichterndes Ende gefunden - und zwar auf dem Parkplatz der Firma, in der seine Frau arbeitet. Dort sei er sein dringendes Bedürfnis endlich los geworden. „Warum nicht gleich so?“, fragte Krug.

von Björn-Uwe Klein

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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