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Europa braucht mutige Menschen

60 Jahre Volksaufstand Europa braucht mutige Menschen

Die Menschen sollen sich an die Vergangenheit erinnern, um Mut für die Zukunft zu schöpfen. So lautete die Botschaft, die Prof. Dr. Bernhard Vogel gestern seinen Zuhörern mit auf den Weg gab.

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Bernhard Vogel trägt sich unter den wachsamen Blicken von Thomas Groll ins Goldene Buch der Stadt ein. Käthe Dippel betrachtet derweil Exponate der Ausstellung im Historischen Rathaus.Fotos: Lerchbacher

Neustadt. Der Friede in Europa ist eine der wichtigsten Früchte des Werkes der vergangenen 60 Jahre, betonte Bernhard Vogel während der von der Stadt Neustadt gestalteten Gedenkveranstaltung zum Thema „60 Jahre Volksaufstand in der DDR - 17. Juni 1953“. Der Ministerpräsident a. D. sprach über Vergangenes, schlug aber gleichzeitig einen Bogen in die Gegenwart.

Das Volk habe sich damals gegen Unfreiheit, Unterdrückung, Fremdbestimmung aufgelehnt und habe für den ersten Aufstand im kommunistischen Machtbereich gesorgt, betonte Vogel. Die Bürger der DDR hätten die Initialzündung für die weiteren Aufstände in Budapest 1956, in Prag 1968, in Danzig 1980 sowie in Leipzig 1989 gegeben. Der Unterschied sei gewesen, dass Ende der 1980er Jahre Michail Gorbatschow nicht bereit gewesen sei, Panzer gegen unbewaffnete Menschen zu schicken. Noch dazu habe Bundeskanzler Helmut Kohl erkannt, „dass die Tür nur einen Spalt offen ist“: Mit dem Ende der Ära Gorbatschow wäre sie wieder zugeschlagen und eine Chance vertan gewesen, ist sich Vogel sicher.

Anschließend widmete sich der 80-Jährige der Wiedervereinigung. Zunächst sei es schade, dass der 17. Juni nach dem Jahr 1990 nicht weiter als Tag der Deutschen Einheit gegolten habe - während in der BRD die Bürger dieses Datum feierten, mussten es die Menschen in der DDR totschweigen.

Doch Vogel fand auch Grund zur Freude: Die „Wiederherstellung der Einheit“ sei weitgehend gelungen - was viele Menschen den Deutschen nicht zugetraut hätten. „Es ist uns auch gelungen, die Deindustrialisierung Ostdeutschlands zu verhindern“, ergänzte und schlug seinen Zuhörern vor, die „blühenden Landschaften“ des Ostens zu besuchen - jedoch ohne Neid zurückzukommen.

Zum Abschluss seiner Rede widmete sich Vogel der aktuellen Lage in Deutschland und heiklen Themen wie Globalisierung, Energieversorgung und demografischer Entwicklung: „Wir Älteren sollten den Jungen nicht neunmalkluge Ratschläge geben sondern anerkennen, dass sie jetzt in der Verantwortung stehen. Wir sollten ihnen jedoch einen Hinweis geben: Wenn man die Ärmel hochkrempelt und nicht in den Schoß legt und die Probleme angeht, wird man sie auch lösen können.“

Deutschland brauche mutige Menschen: „Wutbürger zu sein ist einfach“, sagte er und ergänzte, es sei zwar oft auch notwendig und gerechtfertigt, Kritik zu äußern: „Wichtiger ist jedoch, für etwas zu sein.“ Die Menschen in der DDR seien vor 60 Jahren für ihre Rechte eingetreten, dies müssten die Menschen in Europa nun auch tun, um ihr Mitspracherecht in der Welt zu sichern: „Wir brauchen dafür ein geeintes Europa.“

Für die musikalische Untermalung der Festveranstaltung sorgten Wilfred Sohn am Klavier und Karl-Joseph Lemmer an der Trompete. Sonja Stark hatte zu Beginn eine Zusammenfassung der Geschehnisse vor 60 Jahren gegeben. Im Anschluss an die Veranstaltung eröffneten die Neustädter die Ausstellung der Stiftung Schloss Ettersberg „Der Schrei nach Freiheit - der 17. Juni 1953 in Thüringen“. Ergänzt haben sie sie um Exponate der Konrad-Adenauer-Stiftung. Betreut wird die Ausstellung - wie in Neustadt üblich - von Bert Dubois.

von Florian Lerchbacher

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Von Redakteur Florian Lerchbacher

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