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Es zählt das Gemeinschaftsgefühl

Boxcamp Es zählt das Gemeinschaftsgefühl

Das Boxcamp im Iglauer Weg ist eine tragende Säule im Angebot des Stadtallendorfer Südstadt-Kiosks. Seit zwei Jahren gibt es dort auch eine Mädchengruppe, bei der der Spaß an der Bewegung besonders groß ist.

Stadtallendorf. An der Wand hängen Bilder von Rocky Balboa, der von Sylvester Stallone verkörperte Filmheld oder von Boxlegende Muhammad Ali. Auf den Bänken darunter sitzen neun junge Mädchen, die sich auf den Beginn ihrer Übungsstunde im Boxcamp hörbar freuen. Doch zunächst möchte Sozialpädagogin Sabrina Dauter gerne wissen, wie es den Mädchen geht. Für die Jugendlichen ist das kein Ritual, sondern sehr wichtig, wie sich an diesem Abend schnell zeigt. „Mich hat noch keiner gefragt, wie es mir geht“, tönt es aus Richtung der Eingangstür zur Freizeithalle von Silvia. Die Frage wird gleich von einem anderen Mädchen nachgeholt, Silvia gibt zu verstehen, dass es ihr im Augenblick sehr gut gehe. Damit ist das Versäumnis erledigt.

Reden ist bei der Mädchengruppe des Stadtallendorfer Boxcamps ganz wichtig, ebenso wie der Spaß am Bewegen. Darum gibt es zum Aufwärmen auch eine Runde Basketball. Am Anfang sei das Basketballspielen ein „wildes Gehacke“ gewesen, doch inzwischen liefen die Spiele gut, erzählt Boxtrainer Oguzhan Camik, während er am Rande steht und zusieht. Sabrina Dauter spielt währenddessen in einer der beiden Mannschaften mit. Wenig später ist sie auch bei den anderen Übungen dabei.

„Wenn ich nicht mitmache, kommt das bei den Mädchen nicht gut an“, sagt sie später gegenüber der OP. Dann werde es schwer, Gespräche anzufangen, manche Mädchen hätten dann auch keine Lust, sich zu beteiligen.

Am meisten freue sie sich, wenn es Sparring gebe, bekennt Rana. Sie ist fast am längsten bei der Gruppe und hat durchaus Wettkampfambitionen. Rana ist aktuell das einzige Mädchen, das inzwischen auch am Training des BC Marburg teilnimmt. Sie arbeitet inzwischen als ehrenamtliche Helferin im Boxcamp mit, unterstützt den Trainer und die Sozialpädagogin Sabrina Dauter beispielsweise bei der Kindergruppe.

Tanja hingegen ist eine absolute Anfängerin. An diesem Mittwoch besucht sie die Gruppe zum ersten Mal. Eine Freundin hat sie auf die Idee gebracht. Doch schon nach dem Aufwärmen und den ersten Übungen, bei denen es um Bewegungsabläufe geht, sagt sie, dass ihr das Training Spaß mache.

Das Boxcamp, das derzeit von der Stadt alleine finanziert wird (die OP berichtete), ist ein Beitrag, Jugendliche zu erreichen, die ansonsten nicht den Weg in das Jugendzentrum fänden. Träger ist der Internationale Bund. Zwischen 60 und 70 Jugendlichen, Jungen wie Mädchen, nutzen das Angebot aktuell. Die Zahl unterliegt leichten Schwankungen.

„Ich bekomme von den Jugendlichen, vor allem von den Mädchen, sehr viel mit“, sagt die betreuende Sozialpädagogin, die sich selbst als ein zusätzlicher Ansprechpartner, ergänzend zu den Eltern oder Freundinnen und Freunden sieht. Dauter kann zuhören und den Jugendlichen Tipps geben, wenn sie weiterführende Hilfe brauchen. „Manche haben schon ein ordentliches Päckchen zu tragen. Doch ich kann nur Anstöße geben“, sagt sie. Handeln müssten die Jugendlichen dann aber letztlich selbst.

Trainer Oguzhan Camik steht neben dem Boxsack, während Tanja ihre ersten Schläge versucht. Er erklärt ihr die Bedeutung der Deckung, die richtige Haltung der Hände. Ganz am Anfang ist das für die 17-Jährige natürlich alles Neuland. Aber sie hat „Blut geleckt“.

Bei der Mädchengruppe spielt aus Sicht von Sabrina Dauter allerdings das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Möglichkeit, etwas in einer Gruppe zu erleben, die größere Rolle als das Erlernen des Boxsports. „Bei den Jungengruppen sind dagegen sehr viele dabei, die vorankommen wollen“, sagt die Sozialpädagogin.

von Michael Rinde

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