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„Es ist eine kleine Revolution“

Abi-Gottesdienst für Christen und Muslime „Es ist eine kleine Revolution“

„Neuland“ stand in übergroßen Buchstaben über dem Altar der evangelischen Stadtallendorfer Stadtkirche.

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Ungewohnter Anblick: Eine Muslimin liest in einer Kirche in einem islamischen Gebetsbuch. Foto: Alfons Wieber

Stadtallendorf / Kirchain. Und Neuland betreten derzeit nicht nur die Abiturientinnen und Abiturienten mit ihrem Schritt vom Schul- ins Berufsleben, sondern am Samstagnachmittag auch die Kirchhainer Alfred-Wegener-Schule mit ihrer ersten interreligiösen Andacht zum Schulabschluss.

Ökumenische Gottesdienste mit evangelischen und katholischen Christen sind inzwischen gängige Praxis. Gottesdienste, die evangelische und katholische Christen und Muslime gemeinsam in einem christlichen Gotteshaus zelebrieren, sind allerdings die absolute Ausnahme.

Unter dem Leitthema „Gemeinsam vor Gott“ feierten 138 Abiturienten der Alfred-Wegener-Schule zusammen mit ihren Eltern, Geschwistern, Großeltern, Freunden und Bekannten ihre Abschlussandacht für Christen und Muslime in der Stadtkirche, die Schulseelsorger Pfarrer Gerhard Zimmer und der Kirchhainer Imam Hakan Bozburun gemeinsam hielten.

Gestaltet wurde der Gottesdienst vor allem vom Leistungskurs evangelische Religion der Jahrgangsstufe 12 unter der Leitung von Tutorin Paula Trzaskalik in einem Rollenspiel unter dem Thema: „Mach Dich auf in ein Land, das ich Dir zeigen werde.“ Dabei ließen die WS-Absolventen ihre Schulzeit mit Gottes und Allahs Segen ausklingen.

Als Grund für diesen außergewöhnlichen Schritt nannte Matthias Bosse, Schulleiter der Alfred-Wegener-Schule, die hohe Zahl an muslimischen Schülerinnen und Schülern, die nicht auf einen gemeinsamen Abschlussgottesdienst verzichten wollten. „Es ist eine kleine Revolution. Aber wir sind nun mal eine Gesamtschule, und so verstehen wir uns auch“, erklärte Bosse.

Schulpfarrer Gerhard Zimmer erinnerte an die seit vielen Jahren bestehenden guten Kontakte zur Kirchhainer muslimischen Gemeinde. „Daraus ist auch der Wunsch entstanden, das Ende der Schulzeit in einer gemeinsamen Andacht zu feiern“, sagte Pfarrer Gerhard Zimmer.

Nach seinen Worten hebt dieser gemeinsame Gottesdienst die Unterschiede zwischen den Religionen nicht auf, sondern ist Ausdruck eines friedlichen und freundlichen Miteinanders im Sinne einer guten Nachbarschaft. „Und gute Nachbarn besuchen sich gegenseitig“, dankte Zimmer vor allem den anwesenden Muslimen für ihr Kommen.

Und so beteten die Abiturienten in den Fürbitten auch für ein friedliches Miteinander aller Menschen.

Nach dem Abi-Gottesdienst nutzten die Festgäste die unmittelbar neben dem Gotteshaus gelegene Stadtallendorfer Stadthalle, um mit einem traditionellen Abiturball bei gutem Essen, guten Gesprächen und vielen schauspielerischen und musikalischen Beiträgen der Abiturientinnen und Abiturienten, trotz der hohen Temperaturen noch bis tief in die Nacht weiterzufeiern.

von Alfons Wieber

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