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Hessentag 2010 Es bleiben Erinnerungen und Werte

Für Stadtallendorf brachte der Jubiläums-Hessentag große Herausforderungen, einen Imagegewinn, Investitionen von 14 Millionen Euro, aber auch  Schulden.

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Fünf Jahre sind vergangen, seit die Stadtallendorfer ihren Hessentag feierten.

Quelle: Montage: Sven Geske

Stadtallendorf.  Dunkelblaue Jacken mit dem Aufnäher „Hessentag 2010“ gehören immer noch zum Stadtbild. Sie waren ebenso wie die T-Shirts mit „Team Hessentag“ Markenzeichen der rund 2 000 ehrenamtlichen Helfer aus Stadtallendorf. Heute vor fünf Jahren begann der Jubiläums-Hessentag, eröffnet vom Hessentags-Paar und dem damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch. Der Hessentag in Stadtallendorf wurde ein Fest mit am Ende rund 1,08 Millionen Besuchern. Im Vorfeld hatten Verantwortliche dem Stadtallendorfer Hessentag grade einmal 750 000 Besucher zugetraut – allein aufgrund der Lage Stadtallendorfs in Mittelhessen. „Wir haben von dieser Zahl im Vorfeld nicht geträumt“, erinnert sich der damalige Bürgermeister und Stadtallendorfer Ehrenbürger Manfred Vollmer (CDU).

Gefeiert wurde seinerzeit unter dem Motto „Im Grünen liegt die junge Stadt, die richtig was zu feiern hat“. Und es wurde gefeiert, mit dem herausragenden Weltstar Pink und rund 1 000 Veranstaltungen vom 28. Mai bis 6. Juni 2010 – inklusive traditionellem Festzug.

Was ist geblieben von diesem Jubiläums-Hessentag? Rund 14 Millionen Euro hatte Stadtallendorf investiert, nachdem die Landesregierung der Stadt im Oktober 2007 den Zuschlag für den 50. Hessentag gegeben hatte. Stadtallendorf sprang für Alsfeld ein. Herausragend war bei den Investitionen die barrierefreie Umgestaltung des damals noch völlig maroden Bahnhofs – ein Projekt, das die Stadt ohne Hessentag oder Zuschüsse nie angepackt hätte.

14 Millionen Euro investiert

Auch bei der aktuellen Hessentagsstadt Hofgeismar ist die Bahnhofssanierung eine zentrale Investition. Bürgermeister Christian Somogyi ist sich mit seinem Vorgänger Vollmer einig: Geblieben sind erhebliche Werte, vom Bahnhof über den aufgewerteten Heinz-Lang-Park samt Spielplatz bis hin zum Kreisverkehr Wetzlarer Straße, der Anbindung der Leide an die Bundesstraße oder dem einstigen Open-Air-Gelände, heute das Gewerbegebiet Nordost.   

Doch das hatte auch seinen Preis: 14 Millionen Euro hat Stadtallendorf nach Angaben der Stadtverwaltung damals investiert, bisher sind 2 Millionen Euro Zuschüsse zurückgeflossen. Laut Somogyi ist dies weniger, als zunächst erwartet wurde. Dieser Betrag könne sich aber noch erhöhen.

Von einem seinerzeit aufgenommenen Kredit von 7 Millionen Euro muss die Stadt per 31. Dezember 2015 noch 5,6 Millionen Euro zurückbezahlen.  Und das Defizit? Es betrug in einer vorläufigen Abrechnung aus dem Jahr 2011 rund 5,9 Millionen Euro, Stadtallendorf war dabei die erste Stadt, die einen Hessentag nach doppischem, also kaufmänischem System abrechnete. Aktuellen Rechnungen zufolge liegt das Defizit bei 5,8 Millionen Euro. Doch das ist auch fünf Jahre nach dem Hessentag keine endgültige Zahl. „Denn wir rechnen beispielsweise noch mit Gewerbesteuer-Rückzahlungen“, sagt Somogyi im Gespräch mit der OP. Am Ende, so seine auf Prognosen beruhenden Hoffnungen, könnte das Defizit bei rund 5,3 Millionen Euro liegen. Das entspräche dem Ziel, das sich die Stadt gesetzt hatte.

( Pink auf der Hessentagsbühne vor mehr als 35.000 Zuschauern. Fotos: Thorsten Richter)

Übriggeblieben sind laut Somogyi auch noch Überstunden bei den Mitarbeitern der Verwaltung. 19 500 Überstunden waren dort nach dem Hessentag aufgelaufen. Nach gegenwärtigem Stand sind es immer noch rund 6 000 Stunden, die auf Zeitkonten ruhen. Somogyi wie auch Vollmer bewerten die Investitionen durchweg positiv und machen dabei keine Ausnahmen. Allerdings: Das Gewerbegebiet ist voll erschlossen, rund 4 Millionen Euro investierte die Stadt, doch bisher sind nur wenige Grundstücke verkauft. Somogyi ist hingegen froh, es zu haben. Dabei verweist er auf Reserveflächen für vorhandene Stadtallendorfer Betriebe, die erweitern wollen. Der berühmte Pusteblumen-Brunnen ist ein bundesweites Unikat, aber auch für die Stadt nicht billig im Unterhalt. 20 000 Euro kostet der Brunnen jährlich. Es ist die einzige Investition, bei der Somogyi sagt, dass sie auch etwas kleiner  hätte ausfallen können.

Hessentag schaffte „Identifikation“

Neben all dem Materiellen sehen Vollmer wie auch sein Nachfolger Somogyi heute wie damals ganz andere Gewinne: „Damals haben wir als Stadt unsere Leistungsstärke gezeigt. Das galt für die Menschen, die Stadtverwaltung wie auch die Stadtallendorfer Unternehmen“, sagt Somogyi. Er verweist auf das positive Bild, das Stadtallendorf in Hessen erlangt hat. Ähnlich formuliert es auch Manfred Vollmer: „Der Hessentag hat uns nicht nur gutgetan, er hat uns auch bekanntgemacht.“ Er spricht von einem bis in die Gegenwart spürbaren Ruck, der durch die Bevölkerung gegangen sei, von einer Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt, die es vorher so nicht gegeben habe.

Fünf Jahre nach dem Hessentag verzichtet die Stadt wie in den Vorjahren auf eine „Erinnerungs-Veranstaltung“. Dazu sieht Bürgermeister Somogyi angesichts des vollen Veranstaltungskalenders und des jährlich wiederkehrenden Weindorfes auch keinen Grund.

Zwei Menschen wurden zu „Gesichtern“ dieses Hessentags, Mona-Lorena Monzien und Fabian Gies (Repro: Geske), das Hessentagspaar. Die OP wird beiden einen eigenen Beitrag in einer der nächsten Ausgaben widmen. Sie haben ihre ganz eigene Bilanz fünf Jahre danach gezogen.

Während des Hessentags 2010 berichtete die OP auf zahlreichen Sonderseiten. Sehen Sie noch einmal 18 Videos, Bildergalerien und alle erschienenen Texte unter www.op-marburg.de/hessentag

von Michael Rinde

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