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Engagement

Erzbischof Schick sieht die Schrecken des Krieges

Innere Reformen sind ­unumgänglich - sonst sei ein gedeihliches Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen nicht möglich. So lautete ein Teil des Fazits von ­Erzbischof Ludwig Schick nach seiner Syrien-Reise.
Erzbischof Ludwig Schick besuchte unter anderem einen Kindergarten in Damaskus.Privatfoto

Erzbischof Ludwig Schick besuchte unter anderem einen Kindergarten in Damaskus.Privatfoto

Amöneburg. Dr. Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, Ehrenbürger von Amöneburg und Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz, beendete gestern einen Besuch im syrischen Damaskus. Er wollte damit ein Zeichen der Solidarität an die Christen in Syrien senden.

Der aus Sicherheitsgründen streng vertraulich vorbereitete Besuch fand seinen Höhepunkt in der Feier der Eucharistie im Griechisch-Katholischen Patriarchat von Damaskus mit Patriarch Gregorius III. Laham, dem Oberhaupt der Griechisch-Katholischen Kirche.

Erzbischof Schick zeigte sich beeindruckt vom Engagement der katholischen Kirche in Syrien: „Hier wird eine Arbeit geleistet, die ihresgleichen sucht. Bei meinen Gesprächen gerade mit jungen Syrerinnen und Syrern habe ich gespürt, dass diese Generation die künftige Zivilgesellschaft mit aufbauen will.

Besonders die Priester und Ordensleute bleiben bewusst im Land. Gerade die Priester haben eine hohe Akzeptanz in der Gesellschaft. Mein Appell ist: Der Nahe Osten darf nicht zur christenfreien Zone werden!“

Krieg war zentrales Thema bei Gesprächen

Der Krieg in Syrien war zentrales Thema der Begegnungen von Erzbischof Schick mit Patriarch Gregorius und anderen katholischen, orthodoxen und altorientalischen Bischöfen. Die Bischöfe waren sich einig in der Forderung nach einer entschlossenen Fortsetzung der internationalen Bemühungen um eine Friedenslösung für Syrien.

Sie unterstrichen zugleich die Notwendigkeit, die Terrormilizen des „Islamischen Staats“ zurückzudrängen. Patriarch Gregorius betonte, dass Syrien zum Schlachtfeld ausländischer Mächte geworden sei, während Erzbischof Schick auf das Erfordernis innerer Reformen hinwies, ohne die ein gedeihliches Zusammenleben der verschiedenen Bevölkerungsgruppen nicht gelingen könne.

Im Gespräch mit dem Apostolischen Nuntius in Damaskus, Erzbischof Mario Zenari, ging es vor allem um die politische Situation in Syrien. Sorge bereitet die Zahl jener Christen, die das Land in den vergangenen Jahren verlassen haben. Nuntius Zenari betonte die besondere Verwundbarkeit der Minderheiten.

Es dürfe jedoch nicht übersehen werden, dass Christen in Syrien über eine bessere gesellschaftliche Stellung und ein höheres Maß an religiöser Freiheit verfügten als in den meisten anderen islamisch geprägten Ländern. Mit den Worten „Das Leiden ist universal“ plädierte Erzbischof Zenari für eine umfassende Hilfe, ungeachtet religiöser oder ethnischer Zugehörigkeiten. Die humanitäre Situation müsse dringend verbessert werden.

Arzneimittelversorgung ist großes Problem

Beim Besuch der Caritas Syrien informierte sich Erzbischof Schick aus erster Hand über die anliegenden Aufgaben. „Junge Ärztinnen haben mir berichtet, wie viele Patienten sie täglich haben. Die Arzneimittelversorgung ist nach wie vor ein großes Problem. Aber mit Engagement geben diese Menschen ein Zeugnis von der Liebe Christi. Nächstenliebe wird in Damaskus konkret gelebt“, sagte Schick. Caritas international aus Deutschland unterstützt die Arbeit der Caritas in Syrien derzeit mit rund 2,5 Millionen Euro.

Patriarch Gregorius III. Laham lobte Schick für die Unterstützung der deutschen Kirche in Syrien: „Ohne den Einsatz vieler Bistümer, der Deutschen Bischofskonferenz und der Caritas könnten wir kaum überleben.“

Schick zog ein positives Resümee des 32-stündigen Aufenthaltes in Syrien: „Ich habe an verschiedenen Ecken die Schrecken des Krieges gesehen, aber ich habe auch ein Damaskus erlebt, dass als Großstadt funktioniert. Die vielen Polizeiposten sind das eine, die gefüllten Straßen mit Menschen, die leben wollen, das andere.

Ich durfte in Damaskus starke Persönlichkeiten erleben, die Verantwortung übernehmen wollen. Die Christen arbeiten über Religionsgrenzen hinweg mit allen zusammen, die den Krieg beenden und ein neues Syrien aufbauen möchten. Bei diesem Prozess sind die Christen unverzichtbar.“

Schick erinnerte daran, die Fluchtursachen zu bekämpfen. Dazu diene vor allem die schulische Ausbildung, in der sich die Kirche engagiere. Papst Johannes Paul II. habe einmal gesagt, dass Syrien die „Wiege der Zivilisation“ sei: „Hier liegt eines der Ursprungsländer des Christentums, daran müssen wir immer neu erinnern. Bei diesem kurzen Aufenthalt hat für mich Solidarität eine neue Bedeutung bekommen.“


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