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Erste Proben bergen Überraschung

Altlastensanierung Erste Proben bergen Überraschung

In der Klein-Aue sind Radwege gesperrt, Lastwagen mit luftdicht verschlossenen Containern transportieren Erde ab. Eine der letzten großen Altlastensanierungen in Stadtallendorf läuft.

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In Schutzkleidung überwacht ein Arbeiter in dem Waldgebiet das Aufladen eines luftdicht verschlossenen Containers.

Quelle: Nadine Weigel

Stadtallendorf. In ihren weißen Schutzanzügen samt Helm und Atemgerät erinnern die Arbeiter in der Klein-Aue fast ein wenig an die legendären „Sturmtruppen“ aus „Krieg der Sterne“. Bagger heben in einer Schneise mitten im Wald Erde aus, verfüllen sie in Container. Giftige Hinterlassenschaften des früheren Sprengstoffwerkes der DAG verschwinden. Es ist eine der letzten noch offenen Rüstungs-Altlastensanierungen in Stadtallendorf auf dem Gebiet der DAG (die OP berichtete).

Das Sanierungsgebiet liegt mitten im Forst und ist in einzelne Abschnitte unterteilt.

 

Im Augenblick stehen die Sanierer noch am Anfang des Projekts: Von den vorgesehenen rund 10000 Tonnen Bodenaushub sind etwa 1000 Tonnen bewältigt. Bei den ständigen Bodenproben gab es jedoch bereits eine Überraschung: „Wir haben unerwartet hohe Schadstoff-Konzentrationen gefunden, wie wir sie ansonsten nur bei der Tri-Halde hatten“, sagt Projektleiter Christian Weingran von der HIM GmbH. Das Unternehmen hat im Auftrag des Landes die Sanierung übernommen. Bei den Schadstoffen, um die es hier geht, handelt es sich um die bereits bekannten Mono-Nitro-Toluole (MNT).

Foto: Nadine Weigel

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Das ist ein chemisches Vorprodukt des Sprengstoffes TNT, den die DAG produzierte und in Munition verfüllte. MNT gilt als krebserregend und gefährdet das Grundwasser. Die Tri-Halde war bis zum Abtrag 2005/2006 die größte und mit Abstand giftigste Rüstungs-Altlast in der Stadt Stadtallendorf. Wie es zu der überraschend hohen Schadstoff-Konzentration an einzelnen Punkten im Sanierungsgebiet kommt, lässt sich in der Gegenwart nicht mehr sicher ermitteln. Möglicherweise kam es in der Produktion, aus der Abwässer in die Klein geleitet wurden, zu einem Störfall. Belegt ist das aber nicht. „Die Werte zeigen, dass es wichtig ist, dass diese Stoffe verschwinden“, betont Weingran. Welche Konsequenzen sich für die weitere Sanierung ergeben werden, ist noch nicht absehbar.

Bisher geht die HIM GmbH von Kosten von rund 3,6 Millionen Euro aus, die das Land zu tragen hat. Ob dieser Betrag ausreicht, wird sich erst am Ende zeigen. Sollte das Sanierungsgebiet ausgeweitet werden müssen, so dürften die Kosten sicherlich ansteigen. Doch für konkrete Aussagen dazu ist es aus Sicht der Sanierer noch zu früh. Bei jedem Aushub werden Proben genommen, außerdem werden die Ränder der Baugruben untersucht. So lässt sich feststellen, ob dort noch Belastungen vorliegen und nachgearbeitet werden muss.

Dank sogenannter hydraulischer Sicherung, sprich Wasserableitung durch Brunnen, geht von den Schadstoffen keine unmittelbare Gefahr für das Grundwasser aus. Diese Sicherung wird aber auch nach der jetzigen Sanierung weiterbestehen müssen - so, wie auch bei der Tri-Halde. Dass eine Altlastensanierung mitten im Waldgebiet abläuft, ist sogar in Stadtallendorf etwas Neues. Weingran spricht von „Sanierung in der Urwaldzelle“. Alle Arbeiten laufen auf engem Raum ab, die Sanierungsbereiche sind selbst sehr klein.

Besonderes Augenmerk gilt dem Naturschutz, für den in diesem Teil der Klein-Aue ohnehin besondere Maßstäbe gelten. Alle Arbeiten werden von einem Umweltbeauftragten begleitet, Bäume, die von Lastwagen passiert werden, haben Schutzmanschetten.

Für die wertvollen Hirschkäfer-Larven, die im Sanierungsgebiet erwartet werden, gibt es eine Übergangsunterkunft: Ein Betonring in der Nähe der Fischteiche schützt 18 Baumstämme. Die Zwischenräume sind mit einem besonderen Sägemehl aufgefüllt. Dorthin werden die Hirschkäfer-Larven bei ihrem Fund gebracht. Der Ring schützt die Stämme vor den Wildschweinen.

Ein Problem bleiben die Radwege, die im Juli wegen der Arbeiten gesperrt und umgeleitet wurden. Immer wieder ist es vorgekommen, dass Unbekannte die Abdeckungen von den Schildern gerissen haben. Die Sperrung dient vor allem dem Schutz der Radfahrer und Spaziergänger.

von Michael Rinde

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