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Erst Messerstiche, dann Fußtritte

Gericht Erst Messerstiche, dann Fußtritte

Nur knapp entging ein 28-Jähriger in einem Verfahren vor dem Marburger Schöffengericht einer längeren Gefängnisstrafe.

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Vor dem Marburger Schöffengericht wurde eine Auseinandersetzung mit erheblichen Folgen verhandelt. Archivfoto: Thorsten Richter

Quelle: Thorsten Richter

Stadtallendorf. Richter Dominik Best verurteilte einen arbeits- und berufslosen Mann wegen einer einfachen Körperverletzung zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr. Vom Tatvorwurf einer gefährlichen Körperverletzung sprach ihn das Gericht frei. In der Verhandlung ging es um folgendes Ereignis im Juli 2012: Mit Bekannten hatte sich der Angeklagte in einer Stadtallendorfer Wohnung in der Niederkleiner Straße getroffen und dort im Laufe des Abends gemeinsam mit den anderen Drogen und Alkohol konsumiert.

Gegen Mitternacht war einer der Männer auf Grund seines Alkoholgenusses zunehmend aggressiver geworden. Letztendlich hatte sich dieser dann nach übereinstimmenden Zeugenaussagen grundlos auf den 28-Jährigen gestürzt, ihn zu Boden gestoßen, sich auf ihn geworfen und dabei mit Faustschlägen traktiert.

Da sich der Angeklagte nicht anders zu helfen wusste, hatte er dann ein zufällig auf dem Wohnzimmertisch liegendes Messer gegriffen und dem Angreifer in Bauch und Brust gestoßen. Im Laufe des Gerangels trug das Opfer dann eine dritte Stichverletzung im Rücken davon. Bei dem Opfer kam es zu inneren Blutungen. Ohne entsprechende notärztliche Behandlung wäre der Mann daran gestorben, bescheinigte ein Gutachter.

Allerdings hatte der Verletzte danach, trotz seiner Stichverletzungen und ohne fremde Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen, die Wohnung verlassen. Als der Angeklagte anschließend bemerkte, dass sich der Mann immer noch im Eingangsbereich des Mehrfamilienhauses aufhielt, hatte er ihm lautstark aus dem Fenster rufend zu verstehen gegeben, dass er endlich verschwinden solle. Von dessen schweren Stichverletzungen habe er nichts bemerkt, erklärte der Angeklagte vor Gericht. Der Verletzte blieb zunächst noch im Eingangsbereich. Daraufhin war der Somalier dem Geschädigten gefolgt, „um ihm seine Jacke zu bringen“, wie er behauptete. Er versetzte dem Opfer mehrere Faustschläge und zwei Fußtritte, wie er zugab. Danach hatte sich der Verletzte in die Wohnung einer Nachbarin geschleppt, die sofort den Notarzt verständigte. Im Marburger Uni-Klinikum wurde der Mann über mehrere Tage intensivmedizinisch behandelt.

Die Messerstiche werteten sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung und Gericht eindeutig als Notwehr.

Richter Best sprach den Mann zwangsläufig in dem Anklagepunkt der gefährlichen Körperverletzung frei. „Er hatte kein anderes Mittel sich zu wehren“, so der Richter. Für die vor dem Haus stattgefundene einfache Körperverletzung beantragte die Staatsanwaltschaft eine Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Strafmildernd wertete er die Ausführung der Tat unter dem enthemmenden Einfluss von Drogen und Alkohol sowie das Geständnis. Strafverschärfend die bislang neunmaligen Vorstrafen, darunter waren auch mehrfach Gewaltdelikte.

Erst im Januar dieses Jahres war der 28-Jährige aus der Haft, in der er erfolgreich eine Drogen- und Alkoholentziehungskur abgeschlossen hatte, entlassen worden. Dies und die nach Ansicht des Gerichts günstige Sozialprognose des Mannes als Arbeitssuchender, veranlasste letztendlich Richter Best, die Haftstrafe für vier Jahre zur Bewährung auszusetzen.

Zusätzlich muss der Mann 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit leisten.

von Alfons Wieber

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